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FISCHE

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von Raphaela Schmid

Note: 7.5

Pastellfarbene Beleuchtung und fast naive Charaktere geben Fische eine willkommene Leichtigkeit und lassen uns fast in der Zeit schweben. Dies ist der perfekte Kontrapunkt zu den ersten Dialogzeilen zwischen den beiden jungen Protagonisten und zeigt uns, dass ein Konflikt nur überwunden werden kann, wenn die notwendige Verspieltheit wiederhergestellt wird.

Ein buntes Aquarium

Die junge Filmemacherin Raphaela Schmid ist kein Neuzugang bei der Diagonale. Nach dem Gewinn des Preises für den besten Kurzfilm 2019 für Ene Mene erhielt die Regisseurin die gleiche, wichtige Anerkennung für Fische, Gewinner der Diagonale 2020 und bei der Viennale 2020 in der Sondersektion Kollektion Diagonale’20 – Die Unvollendete erneut dem Publikum vorgestellt.

Plötzlich findet sich der Zuschauer in einer Dimension mit fast märchenhafter Atmosphäre wieder, obwohl der Ort selbst ein Chinarestaurant ist. Im Inneren eines riesigen Aquariums schwimmen zahlreiche Goldfische. Viele Stimmen überlagern sich im Hintergrund. Zwei Geschwister (Julia Franz Richter und Roman Binder) treffen sich nach langer Zeit, nach dem Tod ihrer Mutter. Während die eine sich in ihren letzten Tagen um sie gekümmert hat, ist der andere weggezogen und wollte lieber vor seiner Verantwortung davonlaufen. Ihre Beziehung ist ziemlich konfliktgeladen.

Fische ist die Geschichte von zwei Geschwistern, die auf jede Weise versuchen, sich wieder näher zu kommen. Und Raphaela Schmid hat die Kommunikation und die Überschneidung der verschiedenen Kommunikationsebenen zum Leitmotiv des Kurzfilms gemacht. Genauso wie die zahlreichen Stimmen, die wir zu Beginn des Films hören, oder die flüchtigen Reden der verschiedenen Kunden an den Tischen, auf denen die Kamera manchmal verweilt. Und die Fische im Aquarium scheinen mit ihrer Ruhe endlich eine ideale Harmonie gefunden zu haben. Um sich gegenseitig zu verstehen, braucht es oft nicht viele Worte.

Pastellfarbene Beleuchtung, oft surreale und paradoxe Situationen und fast naive Charaktere geben Fische eine willkommene Leichtigkeit und lassen uns fast in der Zeit schweben. Dies ist der perfekte Kontrapunkt zu den ersten Dialogzeilen zwischen den beiden jungen Protagonisten und zeigt uns, dass ein Konflikt nur dann überwunden werden kann, wenn eine notwendige Verspieltheit wiederhergestellt wird, wenn man sich daran erinnert, dass man gemeinsam Kind gewesen ist, wenn Glückskekse uns einen kurzen, amüsanten Hinweis auf unser Schicksal geben.

Die Fische im Aquarium sehen fast alle gleich aus. Und selbst wenn einer von ihnen sterben sollte, wenn man all die anderen sorglos schwimmen sieht, hat man fast den Eindruck, dass er ewig leben könnte.

Intim, zart und feinfühlig schafft es Fische in nur wenigen Minuten, wichtige Themen nie banal oder vohersehbar zu behandeln und erweist sich dabei als federleicht und angenehm wie ein Schluck frisches Wasser. Zugleich offenbart es Raphaela Schmids Talent, intime und persönliche Geschichten zu inszenieren und jedes menschliche Gefühl zu verstehen. Und dies ist etwas, das niemals als selbstverständlich angesehen werden kann.

Titel: Fische
Regie: Raphaela Schmid
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 17’
Genre: Drama
Cast: Julia Franz Richter, Roman Binder, Marlene Hauser, Marie-Christine Crowder, Peter Pertussini, Lucia Campos, Lukas Weiss, Regis Mainka, Felix Kreutzer
Buch: Raphaela Schmid
Kamera: Simone Hart
Produktion: Filmakademie Wien

Info: Die Seite von Fische auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Fische auf der Webseite der Viennale