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EINE SACHE DER PERSPEKTIVE

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von Gerda Leopold

Note: 7

Die Regisseurin und Filmproduzentin Gerda Leopold – die sich auf die Produktion von Virtual-Reality-Spielfilmen spezialisiert hat und 2014 die Amilux Film gegründet hat – hat im Film Eine Sache der Perspektive ein zeitgenössisches Drama inszeniert, in dem uns in einer Reihe von miteinander verbundenen Episoden mehrere Sichtweisen gezeigt werden. Dieser innovative Spielfilm feierte am Montag, den 19. Oktober 2020, bei den Breitenseer Lichtspielen in Wien Premiere.

Reigen

Die Realität kann, je nach Blickwinkel, von dem aus sie betrachtet wird, die unterschiedlichsten Konnotationen annehmen. Dies ist eine Tatsache. Die Regisseurin und Filmproduzentin Gerda Leopold – die sich auf die Produktion von Virtual-Reality-Spielfilmen spezialisiert und 2014 die Amilux Film gegründet hat – weiß das und hat in ihrem Film Eine Sache der Perspektive ein zeitgenössisches Drama inszeniert, in dem uns in einer Reihe von miteinander verbundenen Episoden mehrere Sichtweisen gezeigt werden. Dieser innovative Spielfilm feierte am Montag, den 19. Oktober 2020, bei den Breitenseer Lichtspielen in Wien Premiere.

Ein Mann kommt nach einer Busreise in Wien an: Er muss eine sehr wichtige Person besuchen. Eine junge Frau hat gerade einen Job als Bühnenbildnerin bekommen, mit dem sie vielleicht etwas Geld verdienen kann, um sich um ihre kleine Tochter zu kümmern. Eine charmante Putzfrau hat eine heimliche Liebesaffäre – wahrscheinlich nur aus Interesse. Eine gutaussehende Schriftstellerin lernt einen jungen Kindergärtner kennen, der nebenbei als Barkeeper arbeitet, und zwischen den beiden entwickelt sich sofort eine gewisse Chemie. Wie sind all diese Geschichten miteinander verbunden?

Eine Sache der Perspektive zeigt uns eine Reihe von Ereignissen und Emotionen im Crescendo. Wien ist der ideale Schauplatz – hier als echter Charakter behandelt, als stiller Zuschauer vieler Geschichten – doch die österreichische Hauptstadt wird – zum Glück! – ohne die klassischen Klischees präsentiert, an die wir vor allem in Filmen gewöhnt sind. Das Riesenrad im Prater und der Stephansdom sind nur Teile von einigen wenigen Kulissen auf einer Theaterbühne. Die Charaktere sind die eigentlichen Protagonisten.

Was ist daran so besonders? Ganz einfach: Mit einem völlig neuartigen Regieansatz entschied sich Gerda Leopold, alles durch subjektive Einstellungen zu drehen und dabei jedes Mal den Blickwinkel der Figuren zu wechseln. Um dies zu erreichen, wurden von jedem Schauspieler fünf GoPro-Kameras eingesetzt, die für das Gelingen jeder Szene (zweimal gedreht) verantwortlich waren.

Dieser Ansatz mag anfangs ein wenig riskant sein, aber er funktioniert. Und er funktioniert ganz gut: Der Zuschauer fühlt sich sofort in die Geschichten hineingezogen, in denen man – ganz im Sinne der Poetik von Arthur Schnitzler – sofort ein tiefes Gefühl der Einsamkeit spürt, das jede Figur erlebt. Einsamkeit und Lügen, die wie ein Schlag in den Magen schmerzen.

Das Gleiche gilt für ein gutes abschließendes Crescendo. Auch dank der richtigen Musik werden die Gefühle der Charaktere immer lebendiger und pulsierender, die Atmosphären werden beunruhigender, die Geräusche werden oft verzerrt. Bis zum Finale, wo wichtige Bezüge zum Wiener Aktionismus die Krönung des ganzen Karussells sind. Und was macht der Zuschauer? Ganz einfach: Er identifiziert sich mal mit dem einen, mal mit dem anderen Protagonisten, lacht mit ihm, leidet mit ihm. Das ist das Verdienst eines stark experimentellen Spielfilms, der fast als Spiel geboren wurde, sich aber auch als äußerst reif erweist. Ein Zeichen dafür, dass es noch viele neue Wege gibt, sich mit der siebten Kunst zu beschäftigen. Und daher begrüßen wir die Neuheiten, die uns immer wieder überraschen können.

Titel: Eine Sache der Perspektive
Regie: Gerda Leopold
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 87’
Genre: Drama, Chorfilm
Buch: Gerda Leopold
Kamera: Sebastian Endler
Produktion: Amilux Film

Info: Die Webseite der Amilux Film