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KLAUS MARIA BRANDAUER – „MAN MAG IHN GANZ, ODER MAN MAG IHN GAR NICHT“

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Für seine Verkörperung von „extremen“ Charakteren ist Klaus Maria Brandauer mal abscheulich, mal unglaublich charismatisch und faszinierend. Das macht ihn zu einem der vielseitigsten Schauspieler der zeitgenössischen österreichischen Kulturszene.

Theater und Film. Österreich und USA.

Ein unverwechselbares Gesicht. Eine Körperlichkeit, die ihn oft besonders geeignet gemacht hat, die Rolle des Antagonisten zu spielen. Seine manchmal jähzornige Persönlichkeit hat außerdem dazu beigetragen, dem Publikum einen sehr präzisen Eindruck zu vermitteln. Doch Klaus Maria Brandauer ist wirklich in der Lage, sich in jede Rolle hineinzuversetzen, sowohl im Film als auch im Theater. Sowohl in Österreich als auch im Ausland, wo er auch wichtige internationale Preise gewonnen hat.

Geboren am 22. Juni 1944 in Bad Aussee, Steiermark, ist Klaus Georg Steng der Sohn des Beamten Georg Steng (Deutscher) und der Maria Brandauer (Österreicherin), von der er später fast seinen gesamten Künstlernamen übernahm.

Mit einer ausgeprägten Neigung zur Schauspielerei schloss Klaus 1963 sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart ab und begann fast sofort an den wichtigsten Theatern in Deutschland und Österreich zu spielen, bis er 1972 ans Burgtheater in Wien kam, wo er sofort erfolgreich war – unvergesslich ist seine Darstellung des Jedermann H. von Hofmannstahl, die 2001 im Film Jedermanns Fest von Fritz Lehner verfilmt worden ist -, und begann auch, seine ersten Theaterstücke zu inszenieren.

Bald aber sollte Klaus auch Teil der Filmwelt werden. Dies geschah, als er in dem amerikanischen – aber in Österreich spielenden – Film Top Secret von Lee H. Katzin mitwirkte. So begann Klaus Maria Brandauer, während er in seiner Heimat blieb, langsam, sich in Übersee bekannt zu machen. Auch wenn der Film nicht sehr erfolgreich war.

Es vergingen nicht viele Jahre, bis Klaus Maria Brandauer die Rolle spielte, die sein Leben verändern sollte. Es war die Rolle des pro-nationalsozialistischen Schauspielers Hendrik Höfgen (inspiriert von Gustav Gründgens), dem Protagonisten des Films Mephisto, den Istvan Szabo 1981 drehte, der auf dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann basiert und 1982 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde. Klaus Maria Brandauer spielte noch in zwei weiteren Filmen von Szabo, die aber nicht so erfolgreich waren wie Mephisto: Oberst Redl (1985) und Hanussen (1988). Die Themen, die hier wie im Spielfilm von 1982 behandelt werden, sind die gleichen: Ehrgeiz im extremsten Sinne, Kompromisse mit politischer Macht und all die beunruhigenden Konsequenzen, die das haben kann.

Brandauer spezialisierte sich damit auf besonders umstrittene Rollen. Das war zum Beispiel bei Irving Kershners Film Sag niemals nie von 1983 der Fall, der Teil der 007-Reihe und der letzte Film, in dem Sean Connery den Geheimagenten James Bond spielte, ist. Bei dieser Gelegenheit ist Klaus Maria Brandauer sein mephistophelischer Widersacher, der ebenfalls auf seine Weise in die Geschichte eingegangen ist.

Während all diese Rollen dazu beitrugen, dass Brandauer als „perfekter“ Antagonist galt, erlangte der Schauspieler schließlich große Anerkennung durch seine Darstellung des Barons Bror Blixen-Finecke im Kultfilm Jenseits von Afrika, bei dem Sidney Pollack 1985 Regie führte und der auf Karen Blixens gleichnamigem Roman basiert. Nominiert für einen Oscar als bester Nebendarsteller, sollte der Schauspieler dennoch einen Golden Globe erhalten. Sein Name war nun weltweit bekannt.

Besonders vielseitig, fähig, jede Rolle zu spielen, die ihm angeboten wurde, arbeitete Klaus in späteren Jahren in Film, Theater und Radio, in den Vereinigten Staaten, Österreich und Deutschland. Und obwohl er (zumindest bisher) nicht den gleichen Erfolg erzielt hat wie mit den Rollen, die ihn in der Vergangenheit berühmt gemacht haben, gehören zu seinen bekanntesten Spielfilmen Das Spinnennetz (Bernhard Wicki, 1989), Wolfsblut (Randal Kleiser, 1991), Rembrandt (Charles Matton, 1999), Zwischen Fremden (Edoardo Ponti, 2002) und Der Fall Wilhelm Reich (Antonin Svoboda, 2012).

Längst als Theaterregisseur etabliert, begann Klaus Maria Brandauer später Filme zu drehen. Und auch wenn seine Spielfilme (darunter Mario und der Zauberer, 1994, nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann, und Die Wand, 1999) nicht den erhofften Erfolg brachten, so könnte uns dieser vielseitige Geist in Zukunft sicher noch einige angenehme Überraschungen bescheren.

Zum Star des deutschsprachigen Kinos geworden, spiegelt Brandauers Persönlichkeit, so meinen viele, sein Äußeres vollständig wider. Und obwohl der Schauspieler grundsätzlich (auch) für seine große Sensibilität bekannt ist, haben viele auch seine jähzornigere Seite kennengelernt. So schrieb ein Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Es ist diese Mischung aus Arroganz und Souveränität, aus aalglatter, narzisstisch unterfütterter Unverschämtheit und nonchalantem, aus Disziplin, Können, Erfolg gewachsenem Selbstbewusstsein, mit der Brandauer zu einer öffentlichen Figur geworden ist, an der sich die Geister scheiden: Man mag ihn ganz, oder man mag ihn gar nicht“.

Ist das wirklich so oder hat es zwischen dem Schauspieler und dem Journalisten nicht geklappt? Das können wir nie wissen. Durch die Darstellung von „extremen“ Charakteren schafft es Klaus Maria Brandauer, mal abscheulich, mal unglaublich charismatisch und faszinierend zu sein. Und das macht ihn zu einem der vielseitigsten Künstler in der zeitgenössischen österreichischen Kulturszene.

Info: Die Seite von Klaus Maria Brandauer auf iMDb