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PAULA WESSELY – “WARUM SOLL GERADE ICH IHM GEFALLEN?”

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Sie war die erste österreichische Schauspielerin , die – nach einer lobenswerten Theaterkarriere – 1935 die Coppa Volpi bei den Filmfestspielen von Venedig gewann: Im Jahr zuvor hatte Paula Wessely – in der Rolle der schüchternen und mutigen Leopoldine Dur in Willi Forsts Maskerade – das Filmpublikum endgültig erobert, noch einmal in Venedig. Dank ihres angeborenen Talents für die Schauspielerei. Vielleicht auch dank jener besonderen Frisur mit dem Seitenscheitel, die bald in Mode kommen sollte. Aber wahrscheinlich auch dank des Satzes „Warum soll gerade ich ihm gefallen?“, der so passend zur Situation schien.

Das Flaggschiff des österreichischen Films

Ein völlig unkonventionelles Gesicht für das Kino. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum viele Filmproduktiongesellschaften anfangs Schwierigkeiten hatten, geeignete Rollen für sie zu finden. Doch nach einer erfolgreichen Theaterkarriere überzeugte Paula Wessely 1934 – in der Rolle der schüchternen und mutigen Leopoldine Dur in Willi Forsts Maskerade – bei den Filmfestspielen von Venedig endgültig das Kinopublikum. Das liegt sicher an ihrem angeborenen Schauspieltalent, das sie schon als Kind entdeckt hat. Vielleicht auch dank jener besonderen Frisur mit dem Seitenscheitel, die bald in Mode kommen sollte. Wahrscheinlich aber auch wegen des Satzes „Warum soll gerade ich ihm gefallen?“, der so passend zur Situation erschien.

Was der Auslöser war, dass die Filmwelt endlich den unbestrittenen Wert von Paula Wessely erkannte, ist eigentlich egal. Was wirklich zählt, ist, was diese außergewöhnliche Darstellerin – die als eine der berühmtesten Schauspielerinnen Österreichs gilt – ihrem geliebten Publikum während ihrer langen und produktiven Karriere zu geben vermochte.

Die am 20. Januar 1907 in Wien geborene Paula Anna Maria Wessely stammte aus einer katholischen Familie und war die Tochter des Fleischhauers Carl Wessely und der Anna Orth. Die junge Paula war besonders intelligent und bekam in der Schule immer gute Noten. Doch ihr angeborenes schauspielerisches Talent – wahrscheinlich geerbt von ihrer Tante väterlicherseits, Josephine Wessely, die mit siebenundzwanzig Jahren früh verstarb und von der Paula immer ein Porträt in ihrer Garderobe aufbewahren wird – sollte sich schließlich in kurzer Zeit manifestieren. Und es war Paulas Deutsch- und Geschichtslehrerin – Madeleine Gutwenger – die diese Besonderheit bemerkte, und sogar mit den Eltern ihrer Schülerin darüber sprach und ihr anbot, sie – nach einem ersten Auftritt während einer Schulaufführung am 18. Mai 1922, als Paula erst fünfzehn Jahre alt war – zu den Auswahlen für die Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst in Wien zu begleiten.

Die Auswahl war erfolgreich und Paula Wessely trat in die renommierte Akademie ein. 1924 studierte sie sogar am Max-Reinhardt-Seminar, einer der wichtigsten Schauspielakademien in Österreich.

Im selben Jahr begann sie auch ihre Theaterkarriere mit Auftritten am Volkstheater und am Theater in der Josefstadt in Wien, aber auch in Deutschland und im schönen Prag. Bei einer Vorstellung im Theater in der Josefstadt lernte Paula den Schauspieler Attila Hörbiger kennen, der für viele Jahre ihr Lebens- und Bühnenbegleiter werden sollte.

Hörbiger gehört – ebenso wie Paula Wessely – zu jener Gruppe von Schauspielern, die, bevor sie sich in der Filmwelt einen Namen machten, bereits am Theater Erfolg hatten. Aus ihrer 1935 geschlossenen Ehe gingen drei Töchter hervor, alle drei Schauspielerinnen: Elisabeth Orth (1936), Christiane Hörbiger (1938) und Maresa Hörbiger (1945). Das Paar zog in den malerischen Stadtteil Grinzig – in die Himmelstraße 24 – war trotz vieler Schwierigkeiten sehr glücklich und gehörte zu den langlebigsten Schauspielerpaaren in Österreich.

Paula Wessely war noch nicht verheiratet, als sie ihr Filmdebüt in Willi Forsts Maskerade gab. Diese für die damalige Zeit so untypische Rolle und ihre besondere Schönheit, die sich so sehr vom filmischen Kanon der dreißiger Jahre unterschied, machten sie sofort im Ausland berühmt. Tatsächlich wurde der Film 1934 bei den Filmfestspielen von Venedig im Wettbewerb präsentiert und gewann dort den Preis für das beste Drehbuch.

Und Paula Wessely kehrte im darauffolgenden Jahr als Protagonistin von Walter Reischs Episode nach Venedig zurück und gewann als erste österreichische Schauspielerin die Coppa Volpi als Beste Schauspielerin.

Von da an wurde Paula eine immer beliebtere Schauspielerin und begann auch als Synchronsprecherin zu arbeiten, als sie 1938 die erste deutsche Ausgabe von Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge synchronisierte.

Doch sowohl in Österreich als auch in Deutschland änderte sich die Situation schnell. Und das hatte auch Folgen für die Künstler, von denen viele gezwungen waren, zu emigrieren oder, in der Heimat bleibend, bestimmten Weisungen zu folgen.

Mit drei kleinen Töchtern beschlossen Paula Wessely und Attila Hörbiger, in Wien zu bleiben. Die Folgen waren unausweichlich: Ihre Produktionsfirma, die Vienna-Film GmbH, musste schließen, weil dort mehrere Männer jüdischer Herkunft arbeiteten. Ebenso die Aufmerksamkeit, die der Familie Hörbiger-Wessely sowohl von Goebbels als auch von Hitler selbst zuteil wurde, der um jeden Preis in die Nähe von Künstlern und der Kunstwelt kommen wollte, um dem Ausland das Bild einer Nation zu vermitteln, in der der Wohlstand stets blühte und das kulturelle Klima sehr anregend war.

Ob Hitler selbst wusste, dass Paula Wessely nicht in die NSDAP eingetreten war, spielte keine Rolle: Ihre katholische Herkunft und das Bild, das die Frau seiner Öffentlichkeit vermittelte, waren ein hervorragendes Beispiel für eine arische Frau, die sich der Familie und einem Leben mit wahren Werten verschrieben hatte.

Von Hitler in die Liste der „wichtigsten gottgegebenen Künstler“ aufgenommen, verkörperte Wessely während des Zweiten Weltkriegs wahre Propaganda-Ideale von Frauen. Aus dem Jahr 1940 stammt Gustav Ucickys Spielfilm Ein Leben lang, in dem Paula Wessely eine Frau verkörperte, die ständig darauf wartet, dass ihr Mann nach Hause kommt. Und während dieser Film bereits klare Positionen zum Krieg und zur Rolle Deutschlands bezieht, war Wesselys Rolle in Heimkehr, der im Jahr darauf von Ucicky gedreht wurde und in dem sie eine von Polen verfolgte deutsche Frau spielte, noch prägnanter.

Ihre Rolle in diesem Propagandafilm kostete sie viel an Image, obwohl sie nicht eindeutig politisch Stellung bezogen hatte und immer bereit gewesen war – vor und nach dem Krieg – einigen ihrer jüdischen Freunde bei der Arbeitssuche zu helfen. Doch die Botschaft war laut und deutlich angekommen. Und in späteren Jahren gab die Schauspielerin in Interviews oft an, dass man ihr auch während der Dreharbeiten nicht erklärt habe, dass Heimkehr ein Propagandafilm sei.

Und so hatte das Ehepaar Hörbiger-Wessely am Ende des Zweiten Weltkriegs viele Probleme, weil sie in bestimmten Filmen mitgewirkt hatten: Sie bekamen zunächst Auftrittsverbot in den Theatern in Wien (durften aber weiterhin in den Theatern in Innsbruck auftreten) und es gab viele anstrengende Verhöre, denen sie ausgesetzt waren, woraufhin Paula einen Nervenzusammenbruch erlitt. Diese Ereignisse inspirierten später die Dramatikerin Elfriede Jelinek zu ihrem Stück Burgtheater.

Nach einiger Zeit begann Paula Wessely jedoch wieder mit der Schauspielerei, sowohl im Theater als auch im Kino. Besonders hervorzuheben sind ihre Auftritte in Cordula (Gustav Ucicky, 1950), der nicht den erhofften Erfolg brachte, und in dem wesentlich erfolgreicheren Der Engel mit der Posaune (in dem auch ihr Mann mitspielte), der 1948 unter der Regie von Karl Hartl nach dem gleichnamigen Roman von Ernst Lothar entstand.

Alle Probleme schienen endlich gelöst zu sein. Zu den neuen Projekten gehörte auch die Gründung der Paula-Wessely-Filmproduktion, der sich die Schauspielerin bei der Auswahl der Filmrollen fast ausschließlich zu widmen begann.

Nur wenige andere waren daher ihre besonders relevanten Filmrollen. Paula Wessely wurde zu einer der bedeutendsten und vom Publikum geliebten Schauspielerinnen der österreichischen Kunstszene. Gemeinsam mit ihrem Mann begann Paula Wessely eine kontinuierliche Arbeit am Wiener Burgtheater und widmete sich für den Rest ihrer Karriere fast ausschließlich dem Theater, wobei sie oft tolerante, leidende, aber auch starke und entschlossene Frauen spielte. Genau wie das Bild, das ihr seit ihrer Rolle in Maskerade zugeschrieben wurde.

Nach zahlreichen Stücken und Theaterlesungen – sowie der Verleihung des wichtigen Titels „Burgtheater-Doyenne“, der für die Theaterschauspielerin mit der längsten Karriere reserviert ist – war Paula Wessely alt geworden und 1987, anlässlich ihres achtzigsten Geburtstages, beschloss sie, sich am Ende einer Lesung im Akademietheater in Wien von ihrem geliebten Publikum zu verabschieden. Am 5. November desselben Jahres würde sie zum letzten Mal auftreten, während im April Attila Hörbiger gestorben war.

Könnte die Kunstwelt ohne ihren geliebten Mann, mit dem sie viele Jahrzehnte der Karriere und des gemeinsamen Lebens geteilt hatte, noch so spannend sein? Vielen Quellen zufolge litt Paula Wessely in den letzten Jahren sogar an Depressionen. Doch von der Öffentlichkeit nie vergessen, blieb sie nie allein, sondern lebte zusammen mit ihrer Tochter Maresa (ebenfalls Schauspielerin) und ihrem Enkelkind in ihrem kleinen Haus in Grinzig bis zu ihrem Tod im Alter von dreiundneunzig Jahren aufgrund einer Bronchitis am 11. Mai 2000.

Und obwohl die Schauspielerin in ihren letzten Lebensjahren ein möglichst privates Leben führen wollte, obwohl sie sich vor ihrem Tod weigerte, sich zu ihren Ehren eine Grabkammer am Burgtheater einrichten zu lassen, hat sie bis heute niemand vergessen. Ein Symbol nicht nur für eine Epoche – die des erfolgreichen Wiener Films – sondern auch für eine echte Institution wie das Theater selbst. Ihr besonderes und ungewöhnliches Gesicht und ihr Talent haben uns im Laufe der Jahre viele Emotionen beschert.

Info: Die Seite von Paula Wessely auf iMDb