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ULRICH SEIDL IN VENEDIG – DER GROSSE ABWESENDE

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Die Präsenz von Ulrich Seidl in Venedig ist fast schon eine Konstante. In diesem Jahr wird der berühmte österreichische Filmemacher allerdings nicht auf dem Lido zu sehen sein. Wir werden also noch ein wenig warten müssen, bis wir seinen jüngsten Film anschauen können: Böse Spiele.

Ein ungewöhnliches Lido

In wenigen Tagen beginnt die 77. Edition der Filmfestspiele von Venedig. Trotz wichtiger Regisseure im Wettbewerb und trotz der Begeisterung darüber, dass trotz der Pandemie ein Weg gefunden wurde, das Filmfestival stattfinden zu lassen, werden Kinoliebhaber feststellen, dass in diesem Jahr jemand fehlen wird, der mittlerweile in Venedig zu Hause ist: Ulrich Seidl.

Die Präsenz von Ulrich Seidl in Venedig ist fast schon eine Konstante. Und viele können es kaum erwarten, seinen jüngsten Spielfilm anzuschauen: Böse Spiele. Es wäre schön gewesen, ihn in Venedig uraufzuführen, wo der Regisseur mit seinem Film Hundstage von 2001 (der später den Großen Preis der Jury gewann) international bekannt wurde.

Doch wir werden noch einige Zeit warten müssen, bevor wir sehen können, welche Überraschungen er für uns bereithält. Aber wie ist die Geschichte von Ulrich Seidl in Venedig?

Im Jahr 2001 wurde Hundstage im Wettbewerb präsentiert. Dieser umstrittene, geniale und verstörende Chorfilm, der in einem Vorort von Wien spielt, beeindruckte Publikum und Kritiker nicht nur durch seine vielen Gewaltszenen, sondern auch durch eine unverkennbare Stilmarke, die in Ulrich Seidls Filmen immer deutlicher werden sollte. Die symmetrische Einstellungen und die leuchtenden Farben waren ein Kontrapunkt zu den Geschichten der Protagonisten, die bald unerwartete Wendungen nehmen sollten.

Im Team waren (fast) alle seine langjährigen Mitarbeiter: Seine Frau – die Drehbuchautorin und Filmkritikerin (jetzt auch geschätzte Regisseurin und Mitglied der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig 2020) Veronika Franz – und die Schauspieler Maria Hofstätter und Georg Friedrich.

Ulrich Seidl konnte in Venedig nicht unbemerkt bleiben. Elf Jahre später, 2012, kehrte der Regisseur ans Lido zurück, als er im Wettbewerb Paradies: Glaube präsentierte, das zweite Kapitel einer Trilogie, zu der auch Paradies: Liebe (2012) und Paradies: Hoffnung (2013) gehören. Mit dem brennenden Thema Religion (Ulrich Seidl stammt selbst aus einer stark religiösen großbürgerlichen Familie) schockierte der Film – in dem Maria Hofstätter wieder die Hauptrolle spielt – durch einige extreme Szenen, darunter eine Szene, in der Hofstätter eine Art sexuelle Beziehung mit einem Kruzifix simuliert.

Seitdem ist Ulrich Seidls Präsenz in Venedig fast zu einer Konstante geworden. Aus dem Jahr 2014 ist sein Dokumentarfilm Im Keller (außer Konkurrenz), in dem uns alle Geheimnisse und Perversionen scheinbar tadelloser Menschen gezeigt wurden. 2014 kam Seidl in Venedig sowohl als Regisseur als auch als Produzent an. Nachdem er 2003 mit seiner Frau die Ulrich Seidl Filmproduktion GmbH gegründet hatte, wurde im Rahmen der Giornate degli Autori der Horrorfilm Ich seh ich seh, den Veronika Franz zusammen mit seinem jungen Neffen Severin Fiala drehte, präsentiert.

Im Jahr 2016 wurde außer Konkurrenz der Dokumentarfilm Safari gezeigt, der zu den schockierendsten Filmen des Festivals gehörte und aufgrund von expliziten und unglaublich gewalttätigen Szenen viele Kontroversen auslöste.

Safari ist der bisher letzte in Venedig präsentierte Film von Seidl. Und da der Regisseur schon oft seine Filme beim Festival präsentiert hat, hätten viele erwartet, endlich auch Böse Spiele anzuschauen, dessen Dreharbeiten schon vor einiger Zeit abgeschlossen wurden und an dem auch Georg Friedrich, ein weiterer langjähriger Mitarbeiter Seidls, mitgewirkt hat. Doch so war es nicht. Aber vielleicht werden wir Seidl dieses Mal als Begleiter seiner Frau Veronika Franz oder als einfachen Kinoliebhaber treffen, während er in der Warteschlange steht, um in irgendein Kino zu kommen oder an der Strandpromenade entlang schlendert. Es ist immer Zeit, Filme zu machen. Sich ein paar Tage frei zu nehmen ist unbezahlbar.

Info: Die Seite von Ulrich Seidl auf iMDb