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BUDAPEST

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von Verschiedene Autoren

Note: 7

Wenn man sich der dramatischen Situation bewusst ist, die durch den Krieg in der ganzen Welt entstanden war, hat man beim Betrachten eines Dokumentarfilms wie Budapest fast den Eindruck, einen unwirklichen und nicht sehr realitätsgetreuen Film anzuschauen, der aber wegen seiner Zweideutigkeit besonders faszinierend ist.

Kriegszeit, Friedenszeit

Der Erste Weltkrieg hatte auf der ganzen Welt dramatische Folgen. Und das betrifft auch die österreichisch-ungarische Monarchie, denn die Ermordung ihres Thronfolgers war der Auslöser für einen der verheerendsten Kriege des letzten Jahrhunderts. Doch trotz allem ist die Filmindustrie (zusammen mit der Produktion von zahlreichen touristischen Dokumentarfilmen) auch in diesen Jahren nicht stehen geblieben. Besonders interessant ist daher der Dokumentarfilm Budapest, der 1916 – während des Krieges – zur Förderung des Tourismus gedreht wurde.

Der vom Filmarchiv Austria aufbewahrte Film Budapest – der kürzlich anlässlich der Online-Retrospektive Kino auf Sommerfrische vorgestellt wurde – dauert nur knapp anderthalb Minuten (was vor allem im Bereich des Dokumentarfilms des frühen 20. Jahrhunderts sehr üblich war) und zeichnet sich durch zahlreiche Totalen aus, die uns kraftvolle und evokative Bilder liefern, die fast wie echte Postkarten wirken.

Zunächst werden uns malerische Ansichten von Buda und Pest von der Donau aus gezeigt, wo sich einige Menschen entspannen oder sich Gruppen von Schwänen am Ufer versammeln. Dann bewegen wir uns langsam in Richtung Stadtzentrum. Die anfangs noch halbwegs menschenleeren Straßen werden immer mehr belebt. Diese Bilder erinnern uns zunächst an eine Zeit, in der Wohlbefinden praktisch eine Konstante war und die Vorstellung, dass ein Krieg im Gange sein könnte, fast absurd erschien.

In Budapest gibt es keine Anzeichen für den Krieg. Keine Anzeichen von Krieg und nichts, was uns an mögliche Situationen der Bedürftigkeit denken lässt. Die Menschen, die durch die Straßen der Innenstadt spazieren, sind gut gekleidet, gelassen, scheinbar sorglos, als ob ihr einziges Ziel darin bestünde, einen sonnigen Sommernachmittag auf den Straßen der Stadt zu genießen, ohne an etwas zu denken. Kurz gesagt: Ein perfektes Bild einer Realität, das sogar an ein Ölgemälde von Turner erinnert.

Und doch war alles anders. Und beim Betrachten eines Dokumentarfilms wie Budapest haben wir fast den Eindruck, einen unwirklichen Film anzuschauen, der nicht sehr realitätsgetreu ist, aber wegen dieser Mehrdeutigkeit auf uns völlig faszinierend wirkt.

Das war (und ist) eine der vielen Fähigkeiten der Filmkunst: Ein Kino des Realen zu machen, das absolut nichts Reales an sich hat. Und besonders während der Weltkriege war dies eine viel häufigere Praxis, als man sich vorstellen kann.

Titel: Budapest
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1916
Laufzeit: 1’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Kamera: Verschiedene Autoren
Produktion: Verschiedene Autoren

Info: Die Webseite vom Filmarchiv Austria