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DAS MANIFEST

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von Antonis Lepeniotis

Note: 8

Antonis Lepeniotis hat in Das Manifest durch einen minimalistischen Regieansatz eine Welt inszeniert, in der es keine Rücksicht auf den Menschen und seine Freiheit gibt. Eine Welt, in der die Polizei die Kontrolle über alles hat. Eine Welt, in der es scheinbar keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt und in der man sich in einem Teufelskreis eingeschlossen fühlt.

Menschen an der Grenze

Zu den bemerkenswertesten Regisseuren in Österreich gehört zweifellos der griechische Filmemacher Antonis Lepeniotis. Der 1957 – im Alter von 25 Jahren – nach Wien gezogene Regisseur und Dokumentarfilmer hat wenige, aber wichtige Spielfilme gedreht, die auch bei internationalen Filmfestivals sehr geschätzt wurden. Zu den interessantesten Spielfilmen gehört also Das Manifest, der bei den Filmfestspielen von Cannes 1974 im Rahmen der Directors‘ Fortnight präsentiert wurde und dem berühmten italienischen Filmemacher und Intellektuellen Pier Paolo Pasolini gewidmet ist.

Das Manifest ist eine Parabel über die Macht von Institutionen, Diktatur und wie sie das Leben der Bürger beeinflussen. Ein zum Tode verurteilter Mann ist aus einem Hochsicherheitsgefängnis geflohen. Die Polizei hat ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Gleichzeitig versucht eine Widerstandsgruppe, ihm Schutz zu gewähren und die Möglichkeit zur Flucht nach Triest zu geben. Aber wie lange kann diese Situation noch so weitergehen?

Antonis Lepeniotis hat durch einen geschickten und minimalistischen Regieansatz eine Welt inszeniert, in der es keine Rücksicht auf den Menschen und seine Freiheit gibt. Eine Welt, in der die Polizei die Kontrolle über alles hat. Eine Welt, in der es scheinbar keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt und in der man sich in einem Teufelskreis eingeschlossen fühlt.

In Das Manifest wiederholt sich die Geschichte immer wieder. Und trotz allem kann man nie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Was passiert mit denen, die sich entscheiden, zu rebellieren?

Antonis Lepeniotis versucht, uns eine Antwort zu geben mit dem, was ihm zur Verfügung steht: Die Filmkunst. Und so werden durch ein feines Schwarzweiß, in dem die Schatten das Licht immer überwiegen (außer in kurzen Kameraeinstellungen, die uns das Meer vom Hafen von Triest aus zeigen), die Schulterkamera, Zooms voller Pathos, Details von Händen, die in alten Fotografien blättern, traumähnliche Szenen, in denen sich Figuren wie Gespenster in umgestürzten Rahmen bewegen, und Großaufnahmen von Gesichtern, die im Begriff sind, wichtige Geheimnisse zu enthüllen, zu den Protagonisten des Spielfilms.

Antonis Lepeniotis scheut sich nicht, etwas zu wagen und mit neuen Filmsprachen zu experimentieren und zeigt uns durch einen an den italienischen Neorealismus erinnernden Regieansatz und sporadische diegetische Musik eine Realität, die jede Figur anders wahrnimmt.

In Anlehnung an die bedeutende italienische Filmströmung zählt Antonis Lepeniotis – dank seiner kontinuierlichen Experimentierfreudigkeit und seinem Wunsch, uns das andere Gesicht eines glücklichen Österreichs zu zeigen – zu den ersten und wichtigsten Vertretern des Neuen Österreichischen Films. Ein Kino, das fast im Gegensatz zum Wiener Film steht, das sich nicht scheut, „sich die Hände schmutzig zu machen“ und das zu inszenieren, was viele lange Zeit nicht genau beobachten wollten. Ein Kino, von dem Das Manifest ein wichtiger Meilenstein ist.

Titel: Das Manifest
Regie: Antonis Lepeniotis
Land/Jahr: Österreich / 1974
Laufzeit: 75’
Genre: Drama, Noir
Cast: Brigitte Antonius, Dieter Schrage, Gerald Florian, Günther Hauser, Eleonora Gray, Peter Garell, Ulrich Schlulenburg, Manfred Luderer, Oskar Willner, Maria Engelbrecht, Mario Kranz, Harry Hornisch, Josef Loibl, Olga Felber, Ilse Maria Schneider, Curth Tichy
Buch: Gotthard Böhm, Wilhelm Diem, Antonis Lepeniotis, Dieter Schrage
Kamera: Mansur Madavi
Produktion: Cinecoop-Film

Info: Die Seite von Das Manifest auf iMDb