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VERONIKA FRANZ UND JASMILA ZBANIC – ÖSTERREICH IN VENEDIG

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Die österreichische Regisseurin, Drehbuchautorin und Filmkritikerin Veronika Franz wird bei den 77. Filmfestspielen von Venedig Teil der Wettbewerbsjury sein. Unter den präsentierten Filmen wird auch Quo vadis, Aida? der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic sein, der von der Coop99 Filmproduktion koproduziert worden ist.

Österreich am Lido

Veronika Franz und Jasmila Zbanic. Was haben diese beiden Regisseurinnen gemeinsam? Da wird gesagt: Am Montag, den 27. Juli wurden die Namen der Juroren der 77. Filmfestspiele von Venedig bekannt gegeben. Die österreichische Regisseurin, Drehbuchautorin und Filmkritikerin Veronika Franz, Ehefrau und Mitarbeiterin von Ulrich Seidl, wird ebenfalls Teil der Jury sein. Heute, Dienstag, 28. Juli, wurde das Programm vom künstlerischen Leiter des Festivals Alberto Barbera und dem Präsidenten der Biennale Roberto Cicutto vorgestellt. Unter den Filmen im Rennen um den Goldenen Löwen gibt es auch Quo vadis, Aida? der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic, eine Koproduktion von Bosnien und Herzegowina, Österreich, Rumänien, den Niederlanden, Deutschland, Polen, Frankreich und Norwegen. Auch bei den 77. Filmfestspielen von Venedig wird Österreich also vertreten sein..

Das Festival riskierte – wie viele andere Veranstaltungen auch – in diesem Jahr abgesagt zu werden oder in einer ganz anderen Form stattzufinden. Doch trotz der Pandemie und der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen wird die traditionelle Veranstaltung auf dem Lido vom 2. bis 12. September stattfinden. Die Filmfestspiele von Venedig 2020 werden somit das erste große internationale Festival sein, das nach dem langen Lockdown stattfinden wird.

Zusammen mit Christi Puiu (Regisseur und Drehbuchautor), Ludivine Sagnier (Schauspielerin), Christian Petzold (Regisseur und Drehbuchautor), Johanna Hogg (Regisseurin und Drehbuchautorin) und Nicola Lagioia (Schriftsteller) – unter dem Vorsitz von Schauspielerin Cate Blanchett – wird Veronika Franz die besten Filme der 77er Festivalausgabe bestimmen. Und genau in Venedig hatte sie 2014 in der Reihe Orizzonti Ich seh ich seh präsentiert, ihren ersten Spielfilm, den sie gemeinsam mit ihrem Neffen Severin Fiala geschrieben und gedreht hat.

Die Reaktionen des Publikums nach der Vorführung von Ich seh ich seh waren widersprüchlich. Und wegen einiger besonders brutaler Szenen verließen einige Leute das Theater. Dennoch bemerkten viele die feine stilistische Bearbeitung, mit der der Film gemacht wurde, und das große Talent der beiden Regisseure.

Und dank Ich seh ich seh sind Veronika Franz und Severin Fiala – nachdem sie 2012 den Dokumentarfilm Kern gedreht haben – auch im Ausland bekannt geworden und zählen zu den interessantesten zeitgenössischen europäischen Genre-Regisseuren. Die beiden haben nach dem Kinostart des ebenso beunruhigenden The Lodge, der bereits beim Sundance Film Festival 2019 großen Anklang fand, neue Genugtuung bekommen.

Jetzt muss (auch) Veronika Franz die besten Filme dieser 77. Filmfestspiele von Venedig wählen. Und schon beim Lesen einiger Titel scheint die Wahl gar nicht so einfach. Neben Filmen wie Dear Comrades von Andrei Konchalovsky, Wife of a Spy von Kiyoshi Kurosawa, Nomadland von Chloe Zhao, Laila in Haifa von Amos Gitai und Notturno von Gianfranco Rosi – um nur einige zu nennen – wird auch Quo vadis, Aida? von Jasmila Zbanic im Wettbewerb sein.

Der Film spielt in Bosnien im Jahr 1995. Hier wird die Geschichte von Aida, einer Dolmetscherin für die UN in Srebrenica, erzählt, die während des Krieges alles tun muss, um sich und ihre Familie zu schützen, da ihre Arbeit – die darin besteht, bei wichtigen internationalen Verhandlungen zu vermitteln – sie in große Gefahr bringt.

Jasmila Zbanic hat immer Charaktere geschaffen, die durch ihre persönlichen Geschichten die Geschichte ihres geliebten Bosniens nachzeichnen. Und die Regisseurin und Dokumentarfilmerin – der 2016 auch das Bergamo Film Meeting eine Retrospektive gewidmet hat – hat sich längst in der ganzen Welt bekannt und geschätzt gemacht.

Zu seinen bekanntesten Filmen gehören Esmas Geheimnis – im Wettbewerb der Berlinale 2006 -, Zwischen uns das Paradies (2010) und die Liebeskomödie Love Island (2014). Quo vadis, Aida? wurde von der renommierten Coop99 Filmproduktion koproduziert, die von den Regisseuren Jessica Hausner, Barbara Albert, Antonin Svoboda und dem Kameramann Martin Gschlacht gegründet wurde.

Trotz der schwierigen Monate, die vergangen sind, trotz der Tatsache, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, werden wir bald wieder ins Lido zurückkehren können, um zu sehen, was die siebte Kunst uns Neues zu bieten hat. Und auch Österreich – mit Veronika Franz und Jasmila Zbanic – ist bei diesem wichtigen Filmfestival vertreten. Das älteste Filmfestival der Welt, das uns seit siebenundsiebzig Jahren immer große Emotionen beschert.

Info: Die Webseite der Biennale di Venezia