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KAVIAR

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von Elena Tikhonova

Note: 7

Kaviar – der zweite Spielfilm von Elena Tikhonova – zeichnet sich durch eine durchdachte Regie – mit kurzen Animationseinlagen und Untertiteln, die an das Kino von Quentin Tarantino erinnern – und eine spritzige, fröhliche Musik aus.

Wie in Florenz

Musik hat in den Filmen der Regisseurin Elena Tikhonova schon immer eine zentrale Rolle gespielt. So war es beim hervorragenden Dokumentarfilm Elektro Moskva (2013) und so ist es auch bei Kaviar (2019), ihrem ersten Spielfilm.

Und diese brillante Action-Komödie zeichnet sich durch eine durchdachte Regie – mit kurzen Animationseinlagen und Untertiteln, die an das Kino von Quentin Tarantino erinnern – und eine fröhliche, beschwingte Musik aus.

Ein einzigartiger Regieansatz und strahlende Farben sind daher einige der Merkmale einer angenehmen Komödie, die sich nie scheut, brennende Themen zu behandeln oder sich vom amerikanischen und französischen Kino inspirieren zu lassen.

Kaviar erzählt die Geschichte von Nadja (Margarita Breitkreiz), einer charmanten Dolmetscherin russischer Herkunft, die seit Jahren in Wien lebt und als Assistentin von Igor (Mikhail Evlanov) arbeitet, einem russischen Tycoon, der an der Schwedenbrücke eine Villa nach dem Vorbild der Ponte Vecchio in Florenz bauen will.

Igor spricht kein Deutsch und es liegt an Nadja, alle unmöglichen Verhandlungen zu führen, die für den Bau der besagten Villa notwendig sind. In diese Verhandlungen wird auch der narzisstische Klaus (der hervorragende Georg Friedrich, nominiert beim Österreichischen Filmpreis 2020 für die beste männliche Hauptrolle), der untreue Ehemann von Vera (Daria Nosik), Nadjas bester Freundin, einbezogen.

Was kann sie tun, um diese komplizierte Situation zu ihrem Vorteil auszunutzen? Mit Hilfe von Vera und der quirligen Teresa (Sabrina Reiter) – der Babysitterin ihrer Kinder – heckt Nadja einen riskanten, aber potenziell erfolgreichen Plan aus. Was werden die Konsequenzen sein?

Paradoxe Situationen und urkomische Momente (wie die Szene, in der ein verwirrter Georg Friedrich in einem Badezimmerfenster stecken bleibt) unterhalten uns von Anfang bis Ende.

In Kaviar hat Elena Tikhonova keine Angst, etwas zu wagen. Und dieses bunte Karussell, in dem das Blau von Teresas Haaren mit dem allzu pompösen Glitzern von Nachtclubs und prunkvollen Häusern kontrastiert, funktioniert. Trotz einiger problematischerer Elemente. Trotz unterhaltsamer und adrenalinhaltiger Drehbuch und Inszenierung gibt es in Kaviar einige potentiell interessante Charaktere, die nicht ausreichend entwickelt werden. Das gilt besonders für Teresa, die eine zweifellos starke Persönlichkeit hat und deren blaue Haare schon beim ersten Blick auf das Filmplakat auffallen.

Gleiches gilt für Nadjas charmanten Nachbarn, zu dem sie sich zwar hingezogen fühlt, der aber eine allzu marginale Rolle spielt.

Doch insgesamt ist Kaviar unterhaltsam und wirkt wie ein willkommener frischer Wind. Das Talent, das Elena Tikhonova uns in Elektro Moskva gezeigt hat, wird hier weiter bestätigt. Und auch wenn es noch zu früh ist, um zu verstehen, wie sich das Filmemachen dieser jungen Regisseurin entwickeln wird, können wir in den beiden Werken sicherlich einige Gemeinsamkeiten finden. Und das macht uns noch neugieriger auf die möglichen schönen Überraschungen, die sie uns in Zukunft schenken kann.

Titel: Kaviar
Regie: Elena Tikhonova
Land/Jahr:Österreich / 2019
Laufzeit: 90’
Genre: Filmkomödie, Actionfilm
Cast: Margarita Breitkreiz, Daria Nosik, Sabrina Reiter, Georg Friedrich, Simon Schwarz, Mikhail Evlanov, Joseph Lorenz, Robert Finster, Aurelia Burckhardt, Manfred Fuchs, Sandra Hartlauer, Dominic Marcus Singer, Christoph Dostal, Susanne Gschwendtner, Julia Pointner, Dominik Warta
Buch: Robert Buchschwenter, Elena Tikhonova
Kamera: Dominik Spritzendorfer
Produktion: Witcraft Filmproduktion GmbH, Novotny & Novotny Filmproduktion, MR-Film

Info: Die Seite von Kaviar auf der Webseite der Austrian Film Commission