fleischwolf-1990-allahyari-kritik

FLEISCHWOLF

      Keine Kommentare zu FLEISCHWOLF

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Houchang Allahyari

Note: 7

Bei Fleischwolf entschied sich der Regisseur für einen extrem direkten und minimalistischen Regieansatz. Und ebenso passt eine bewusst „rudimentäre“ Ästhetik gut zu dem, was Houchang Allayari in diesem kleinen, aber wichtigen Spielfilm anprangern wollte.

Das andere Wien

Bunt, überfüllt, laut und mit einer ausgewogenen Mischung aus Leichtigkeit und Dramatik. Dies sind einige der Merkmale des Kinos von Houchang Allahyari. Dem aus dem Iran stammenden Regisseur, der während seiner Karriere parallel als Arzt gearbeitet hat, ist es gelungen, in fast vierzig Jahren ein umfassendes Porträt der kosmopolitischen österreichischen Gesellschaft zu zeichnen. Und während Spielfilme wie Geboren in Absurdistan (1999) oder I love Vienna (1991) das Thema Einwanderung in den Mittelpunkt stellen, zeigt uns Fleischwolf (1990) eine schmerzhafte Realität, die nur wenige kennen: Die Realität, die junge Menschen tagtäglich in einem Jugendgefängnis erleben.

Ein sonniger Tag im Park. Eine ältere Dame füttert die Vögel. Kinder spielen und haben Spaß. Liebespaare nutzen den schönen Tag zum Sonnenbaden. All diese Bilder, die Momente der Entspannung evozieren – und die durch eine präzise elliptische Struktur sowohl am Anfang als auch am Ende des Films auftauchen – sind der perfekte Kontrapunkt zu dem, worauf die Kamera des Regisseurs eigentlich fokussieren will.

Und so werden wir in den engen Gängen eines Jugendgefängnisses Zeuge der Abenteuer von Mario (gespielt von Maximillian Müller), einem Jungen, der in der Vergangenheit zahlreiche Gewaltepisoden in seiner Familie miterlebt hat, Richie (Thomas Morris), einem Musiker, der bald Vater werden wird, und Jörg (ein wie immer exzellenter Hanno Pöschl), der es gewohnt ist, dunkle Geschäfte innerhalb des Gefängnisses zu organisieren.

Wir wissen nicht, welche Verbrechen jeder von ihnen begangen hat. Und nur in Marios Fall – dank häufiger Rückblenden, in denen wir seine Mutter sehen, die oft als raphaelitische Madonna dargestellt und manchmal von ihrem Mann misshandelt wird – können wir etwas über seine Vergangenheit erahnen.

Was den Regisseur interessiert, ist ausschließlich das, was im Inneren des Gefängnisses passiert: Gewalt, Missbrauch und Wärter, die nichts zu merken scheinen. Und gerade eine starke Kritik am Gefängnissystem ist das zentrale Thema von Fleischwolf. Hier wird der Mensch oft wie ein Stück Fleisch behandelt. Die Momente der Gewalt werden durch eine gekonnte Parallelmontage, die uns gleichzeitig einen Jungen beim Zerkleinern von Fleischstücken zeigt, noch brutaler gemacht.

Bei Fleischwolf entschied sich der Regisseur für einen extrem direkten und minimalistischen Regiensatz. Und eine bewusst „rudimentäre“ Ästhetik passt gut zu dem, was Houchang Allayari in diesem kleinen, aber wichtigen Spielfilm anprangern wollte. Das helle, warme und beruhigende Licht, das wir am Anfang und am Ende des Spielfilms sehen, steht in starkem Kontrast zu den dunklen, zu Grau und Blau tendierenden Farben im Inneren des Gefängnisses. Bilder, die uns eine Realität zeigen, die nur wenige Menschen wirklich kennen und die aus diesem Grund oft „vergessen“ wird. Genau wie all die Verbrechen, die darin begangen werden.

Titel: Fleischwolf
Regie: Houchang Allahyari
Land/Jahr: Österreich / 1990
Laufzeit: 70’
Genre: Drama,Coming-of-age
Cast: Hanno Pöschl, Cecile Nordegg, Robert Hauer-Riedl, Maximilian Müller, Thomas Morris, Christopher Heinz, Edith Nordegg, Günter Einbrodt, Rainer von Artenfels, Martin Brunhuemer, Bettina Parschacik, Anneliese Klena, Irene Abraham, Gudrun Tielsch, Barbara Demmer, Maria Lasl, Manu Luksch, Gesa Gross, Trude Partorotti
Buch: Houchang Allahyari, Tom-Dariusch Allahyari
Kamera: Udo Maurer, Herbert Tucmandl
Produktion: Epo-Film Produktionsgesellschaft

Info: Die Seite von Fleischwolf auf iMDb