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WENN GOTT WILL

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von Gabriele Hochleitner und Timothy McLeish

Note: 7

Die Inszenierung von Wenn Gott will zielt nicht auf eine übertriebene Ästhetik, sondern erzählt durch eine lange Reise von Gambia nach Italien, bis man „virtuell“ in Düsseldorf ankommt und durch die Geschichte einer Person die Geschichte von Tausenden von Menschen.

Sadis Reise

Die Infibulation ist leider immer noch eine weit verbreitete Praxis in einigen Ländern der Welt. Doch was passiert mit denen, die sich gegen solche Rituale auflehnen? Um die Geschichte derer zu erzählen, die es geschafft haben, in eine bessere Zukunft zu fliehen, haben die Regisseure Gabriele Hochleitner und Timothy McLeish 2016 den Dokumentarfilm Wenn Gott will gedreht, der nach der Absage der Diagonale 2020 ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde.

Bei Wenn Gott will konzentrierten sich die beiden Regisseure auf die Geschichte der jungen Sadi, die aus Gambia stammt und, nachdem sie mit siebzehn Jahren der Praxis der Infibulation entkommen war, nach einer langen und gefährlichen Reise schließlich in Italien ankam. Hier hat sie begonnen, als Köchin in einer Kantine zu arbeiten und hat vielleicht endlich die Möglichkeit, Papiere zu bekommen und in den Rest von Europa reisen zu können. Die Kamera von Gabriele Hochleitner und Timothy McLeish folgt ständig den Alltag der jungen Sadi, hört ihren Geschichten zu und filmt auch ihre langen Momente der Stille in ihrem kleinen Zimmer.

Die Inszenierung zielt nicht auf eine allzu markante Ästhetik, sondern lässt durch eine lange Reise von Gambia nach Italien, bis hin zu einer auch nur „virtuellen“ Ankunft in Düsseldorf, einen aufrichtigen und realistischen Dokumentarfilm entstehen, der durch die Geschichte einer einzelnen Figur die Geschichte von Tausenden von Menschen und einer Realität erzählt, die zeitgemäßer denn je ist und von der nur wenige die Details kennen. Und so finden sich neben den Geschichten der jungen Protagonistin zahlreiche Zeugnisse derer, die sich nicht vor der Infibulation retten konnten oder die, wie viele andere ältere Frauen, direkt an der Umsetzung dieser Praxis beteiligt waren.

Wenn Gott will will keine Antworten auf die vielen aufgeworfenen Fragen geben, will auch nicht um jeden Preis präzise Theorien formulieren, sondern will vor allem zum Nachdenken anregen und vermeidet dabei jede mögliche Rhetorik. Und die überzeugende Erzählstruktur setzt ihre Absicht perfekt um.

Gibt es eine Möglichkeit der Errettung? Durch eine elliptische Struktur zeigt uns Wenn Gott will zahlreiche Vogelschwärme, die – erst am Himmel von Gambia, dann in dem von Italien – über die unberührte Natur fliegen. Ein Zeichen der Hoffnung, wie auch das Bild von Sadi, die, endlich in Deutschland angekommen, geheiratet und den kleinen Tim (benannt nach dem Regisseur Timothy McLeish) zur Welt gebracht hat. Gibt es ein besseres Omen als die Geburt eines neuen Lebens?

Titel: Wenn Gott will
Regie: Gabriele Hochleitner, Timothy McLeish
Land/Jahr: Österreich / 2016
Laufzeit: 92’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Gabriele Hochleitner, Timothy McLeish
Kamera: Gabriele Hochleitner
Produktion: Gabriele Hochleitner, Timothy McLeish

Info: Die Seite von Wenn Gott will auf filmdelights.com