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NACHTAKTIV

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von Tim Oppermann

Note: 7

Nachtaktiv ist federleicht, einer der vollständigsten und introspektivsten Kurzfilme von Tim Oppermann. Ein Film, der keine endgültigen Antworten geben will. Ein Film im Einklang mit der österreichischen Kinematographie und mit dem stets aufmerksamen Blick auf die Jüngsten.

Musik, Musik, Musik

Adoleszenz ist keineswegs eine einfache Zeit. Dies sind die Jahre, wenn man beginnt zu verstehen, was man wirklich im Leben will. Was ist zu tun? Leidenschaften folgen oder erst einmal einen festen Job finden? Das sind die Zweifel, die den 17-jährigen Tom umtreiben. Er ist der Protagonist des Kurzfilms Nachtaktiv, der 2015 unter der Regie von Tim Oppermann entstand und – nach der Absage der Diagonale 2020 – ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde.

Der junge Filmemacher Tim Oppermann hat sich im Laufe seiner Karriere an verschiedenen Filmgenres versucht, mit einer Vorliebe für schwarze Komödien. Doch mit Nachtaktiv – ein seiner ersten Kurzfilme – versuchte er sich am Coming-of-Age-Genre, das in Österreich seit den 1990er Jahren besonders beliebt ist (man denke etwa an Kultfilme wie Barbara Alberts Nordrand, Jessica Hausners Lovely Rita oder auch Katharina Mücksteins Talea und L’Animale). Und Tim Oppermann hat bei der Inszenierung der Ereignisse des jungen Tom auch eine willkommene Ironie eingesetzt. Mit diesem Kurzfilm hat er die Zweifel eines jungen Mannes inszeniert: Seine Träume verwirklichen oder das Studium beenden und alles auf die Zeit nach dem Schulabschluss verschieben?

Tom ist siebzehn Jahre alt und hat eine große Leidenschaft für Musik. Tagsüber ist er damit beschäftigt, am Computer neue Musik zu komponieren und zu mixen, nachts arbeitet er als DJ in einem kleinen Club in Wien. Als er zu einer wichtigen Veranstaltung in Berlin eingeladen wird, bei der er endlich seine Kompositionen präsentieren kann, muss er sich entscheiden, ob er abreist oder zurück zur Schule geht und seine Abschlussprüfungen macht. Seine Mutter und seine ältere Schwester scheinen seine Träume nicht unterstützen zu wollen.

Die Welt, in die sich Tom während der Familienstreitigkeiten flüchtet, scheint fast wie eine eigene Realität zu sein. Dies ist eine Welt, in der alle Arten von Geräuschen herrschen, einschließlich das Rauschen des Kaffees aus der Mokka und die fantasievollsten Kreationen der elektronischen Musik. Tim Oppermann hat bei Nachtaktiv auch kleine Hommagen an die Filmgeschichte eingebaut (man denke nur daran, dass der junge Tom sein Erspartes in der DVD-Hülle von Fargo der Coen-Brüder aufbewahrt) und sich vor allem auf die Gefühle des Protagonisten konzentriert. Nachtaktiv ist federleicht und einer der introspektivsten Kurzfilme von Tim Oppermann. Ein Film, der keine endgültigen Antworten geben will. Ein Film, der mit seinem stets aufmerksamen Blick auf junge Menschen perfekt zur österreichischen Kinematographie passt. Und in diesem Fall ist es ein junger Mann, der zu Wort kommt.

Titel: Nachtaktiv
Regie: Tim Oppermann
Land/Jahr: Österreich / 2015
Laufzeit: 18’
Genre: Coming-of-age
Cast: Nikolaus Reimitz, Julia Stipsits, Luzia Oppermann, Florian Appelius, Viktor Rabl, Gerhard Walcher
Buch: Constantin Schwab, Tim Oppermann
Kamera: Valentin Lilgenau
Produktion: Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt

Info: Die Seite von Nachaktiv auf iMDb; Nachtaktiv auf Vimeo