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T T T TOUCH ME

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von Raphael Reichl

Note: 7

Es ist kein Zufall, dass Raphael Reichl bei seinem Film TTT Touch me die Analog- der Digitaltechnik vorgezogen hat. Mit diesem Film will er gegen die Technologie rebellieren, die nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch die Filmwelt beeinflusst. Und so wird hier der ewige Streit zwischen Analog und Digital in den Vordergrund gerückt.

Touch me – Touch me not

Seit die Technologie Teil unseres Alltags geworden ist, scheint es keinen Platz mehr für Menschen, für zwischenmenschliche Beziehungen und Gespräche von Angesicht zu Angesicht zu geben. Smartphones scheinen mittlerweile das am weitesten verbreitete Kommunikationsmittel und ein echtes Fenster zur Welt zu sein. Gegen diese stark entfremdende Realität hat der junge Regisseur und Videokünstler Raphael Reichl mit dem Film T T Touch me (2017) zu rebellieren versucht, der eigentlich Teil der Diagonale 2020 sein sollte, aber nach der Absage des Festivals ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde.

Eine Hand zeigt sofort zwei Finger, die bereit sind, zu „arbeiten“. Dann, plötzlich, ein menschlicher Körper, dessen Gesicht wir nie sehen. Die Finger bewegen sich darüber, als wäre er das Display eines Smartphones. Der Körper scheint überhaupt nicht zu reagieren, noch scheint er die Berührung der Finger zu bemerken.

Es ist kein Zufall, dass Raphael Reichl bei seinem interessanten T T Touch me die Analog- der Digitaltechnik vorgezogen hat. Damit will er fast gegen die Technologie rebellieren, die nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch die Filmwelt beeinflusst. Und so wird der ewige Streit zwischen Analog und Digital hier in den Vordergrund gerückt, dank körniger Bilder und einem beruhigenden Rauschen, das typisch für Super8-Filme ist.

Wenige, wesentliche Kameraeinstellungen charakterisieren T T Touch me. Und neben der Kälte der Gesten der Hand sehen wir Bilder in Pastellfarben, die uns zusammen mit dem Rauschen der Kamera in eine Zeit vor einigen Jahren zurückversetzen zu wollen scheinen, als alles noch viel menschlicher, viel realer war.

Raphael Reichl braucht keine Bildunterschriften, keine Off-Stimme und keine andere Elemente. Alles wird dank eines minimalistischen Regieansatzes direkt kommuniziert. Was uns gezeigt wird, sind mächtige Bilder von zwei Welten, die um ihre Koexistenz kämpfen. Von zwei (nicht allzu) unterschiedlichen Welten, die nicht miteinander verschmelzen können (was sich auch an der mangelnden Reaktion des menschlichen Körpers zeigt). Vergangenheit und Gegenwart treffen aufeinander. Und selbst wenn das eine versucht, das andere auszulöschen, widersteht das letztere und demonstriert seine Kraft, seinen Wert, seine Authentizität.

Titel: T T T Touch me
Regie: Raphael Reichl
Land/Jahr: Österreich / 2017
Laufzeit: 3’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Lilith Kraxner, Leonard Prochazka
Buch: Raphael Reichl
Kamera: Raphael Reichl
Produktion: Raphael Reichl

Info: Die Seite von T T T Touch me auf der Webseite der Diagonale; T T T Touch me auf Vimeo