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DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES WALTER ARLEN

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von Stephanus Domanig

Note: 7.5

Alte Fotos und Szenen, die während der Walter Arlen gewidmeten Konzerte gefilmt wurden, bereichern Stephanus Domanigs Dokumentarfilm Das erste Jahrhundert des Walter Arlen, der sich durch einen besonders poetischen und kontemplativen Charakter auszeichnet.

Geschichte, Musik, Erinnerungen

Das alte Gesicht des österreichischen Komponisten Walter Arlen ist fast bewegend. Mit noch immer lebhaften und aufmerksamen Augen erinnert sich der Maestro, der bald hundert Jahre alt wird, an einige schmerzhafte Episoden seiner Jugend, vor allem was das Aufkommen des Nationalsozialismus in Wien betrifft, und erzählt sie fast vertrauensvoll der Kamera von Stephanus Domanig. Aus diesen wertvollen Interviews entstand der poetische und kontemplative Dokumentarfilm Das erste Jahrhundert des Walter Arlen, der bereits bei der Diagonale 2019 uraufgeführt wurde und nach der Absage der Diagonale 2020 ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde.

Walter Arlen wurde 1920 in Wien bei einer Familie jüdischer Herkunft geboren. Sein Großvater hatte das berühmte Kaufhaus Dichter gegründet und so kam der junge Walter von klein auf in engen Kontakt mit der Musik. Doch 1938 änderte sich alles: Sein Vater wurde verhaftet und der Junge musste sich um seine Mutter, die oft einen Selbstmordversuch unternommen hatte, seine Großmutter und seine kleine Schwester kümmern. 1939 floh er schließlich in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst als Musikkritiker für die L. A. Times zu arbeiten begann, um dann selbst Musik zu komponieren. Eine Musik, die in die Geschichte eingehen wird und die den Regisseur auf dieser langen und nostalgischen Reise zwischen den Vereinigten Staaten und Österreich begleiten wird.

Alte Fotos und Szenen aus Konzerten, die dem Meister gewidmet sind, bereichern den Dokumentarfilm Das erste Jahrhundert des Walter Arlen, der sich durch einen besonders poetischen und kontemplativen Charakter auszeichnet. Die Kamera bedient sich einer fast minimalistischen Regie und begleitet den älteren, aber außerordentlich rüstigen Walter Arlen bei seiner Rückkehr in sein geliebtes Wien. Bei einem Spaziergang durch die Straßen des Stadtzentrums, des Stadtteils Ottakring oder auch entlang des Donauufers geht der Maestro in Begleitung von Gelehrten und seinem Lebensgefährten Howard Myers auf die Spuren seiner Vergangenheit, seiner Kindheit und seiner wichtigen Karriere. Das Ergebnis ist eine spannende Reise durch die Geschichte des letzten Jahrhunderts und die Welt der Musik.

Stephanus Domanig hat auf besonders bewegende Momente verzichtet, um den Zuschauer beim Anschauen von Das erste Jahrhundert des Walter Arlen weiter zu begeistern. Die Geschichte von Walter Arlen spricht für sich selbst. Und so bleiben die Bilder vom Meer bei Sonnenuntergang und vom zarten Walter Arlen, der mit seinem Lebensgefährten Howard in einem Park spazieren geht und sich um seine zu groß gewordene Hose sorgt, lange im Gedächtnis haften.

Titel: Das erste Jahrhundert des Walter Arlen
Regie: Stephanus Domanig
Land/Jahr: Österreich / 2018
Laufzeit: 94’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Stephanus Domanig
Kamera: Birgit Gudjonsdottir, Astrid Heubrandtner, Martin Putz, Harald Staudach
Produktion: Plaesion Film und Vision

Info: Die Seite von Das erste Jahrhundert des Walter Arlen auf der Webseite der Diagonale; Die Webseite von Das erste Jahrhundert des Walter Arlen; Die Seite von Das erste Jahrhundert des Walter Arlen auf iMDb