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TIERE SCHAUEN

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von Pawel Szostak

Note: 7.5

Verzerrte Geräusche, überbelichtete Bilder, schiefe Kameraeinstellungen. Das ist der Stil von Tiere Schauen, der durch einen scheinbar regellosen Regieansatz realisiert wird. Doch die Botschaft, die Pawel Szostak vermitteln will, ist klar und deutlich.

Der Traum des Ameisenbären

Zoos und Aquarien: Ein Paradies für Erwachsene und Kinder. Aber wie leben die Tiere in diesen einzigartigen Realitäten? Was bedeutet es für sie, ständig in Gefangenschaft zu sein und ständig beobachtet zu werden? Der Videokünstler Pawel Szostak hat in seinem Werk Tiere Schauen (Als der Ameisenbär träumte) versucht, uns alles aus der Perspektive eines Ameisenbären zu erzählen. Der Kurzfilm wurde im Rahmen des Programms Diagonale 2020 – Die Unvollendete nach der Absage der Diagonale 2020 dem Publikum zur Verfügung gestellt.

Verzerrte Geräusche, überbelichtete Bilder, schiefe Kameraeinstellungen. Dies ist der Stil von Tiere Schauen. Der entstehende Verfremdungseffekt stellt genau die Sichtweise eines der Tiere dar. Alles wirkt verworren, die Bilder folgen aufeinander und zeigen uns mal Tiere in einem Käfig oder einem Aquarium, mal Menschen, die mit ihnen spielen, an die Wände des Aquariums klopfen oder sie einfach nur beobachten.

Gedämpfte Stimmen vertonen eindrucksvolle Bilder von bunten Vögeln, dösenden Schimpansen und einem schlafenden Ameisenbären, der nur aufwacht, um lustlos etwas zu essen. Die Regie ist scheinbar regellos. Dabei ist die Botschaft, die Pawel Szostak durch Tiere schauen vermitteln will, besonders deutlich.

Die hier dargestellten Umgebungen wirken überhaupt nicht gemütlich oder angenehm. Die Kamera stellt sie auf eine beengte, fast klaustrophobische Weise dar. Und der Ameisenbär, der Protagonist des Kurzfilms, wirkt nicht einfach schläfrig, sondern fast müde, ohne Lust zu reagieren.

Und so werden wir sofort an den berühmten Dokumentarfilm Das Blut der Tiere erinnert, bei dem Georges Franju 1949 Regie führte und der in einigen Schlachthäusern am Rande von Paris spielt. Stimmt: Was die Inszenierung angeht, ist Pawel Szostaks Kurzfilm ganz anders. Und er macht überbelichtete Lichter, gedämpfte Geräusche und besonders helle Farben zu seiner Hauptstärke. Das ist der typische Stil von Szostak, der den Zuschauer vor allem mit anziehenden Bildern schockieren will, die alle seine Überzeugungen umstoßen.

Dies ist auch bei Tiere schauen der Fall: Das kraftvolle – und auch poetische – Bild einer Realität, die durch die Augen derer betrachtet wird, die diese Realität auf ihre eigenen Kosten durchleben.

Titel: Tiere Schauen (Als der Ameisenbär träumte)
Regie: Pawel Szostak
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 8’
Genre: Dokumentarfilm, Experimentalfilm
Buch: Pawel Szostak
Kamera: Pawel Szostak
Produktion: Pawel Szostak

Info: Tiere schauen auf youtube; Die Webseite von Pawel Szostak