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EVOLUTION DER GEWALT

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von Fritz Ofner

Note: 8

Bei Evolution der Gewalt sind keine Bildunterschriften erforderlich. Die Bilder sprechen für sich. Es handelt sich um Kino der Realen in seinem reinsten Sinne. Und dieser mutige und minimalistische Dokumentarfilm von Fritz Ofner will vor allem ein System anprangern, das schon viel zu lange andauert.

Eine Nation und ihre Narben

Die Folgen eines Krieges sind oft über Jahre hinweg zu spüren. Man kann sich nur vorstellen, was passieren würde, wenn ein Krieg mehr als dreißig Jahre dauern würde. Das war der Fall beim Bürgerkrieg in Guatemala, der 1994 (nach sechsunddreißig Jahren) beendet wurde. Hier kämpfen die Menschen auch heute noch um die Wiederaufnahme eines normalen Lebens in einer Welt, in der Gewalt als einziges Mittel zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung angesehen wird. In diesem Zusammenhang ist der Dokumentarfilmer Fritz Ofner für die Dreharbeiten zu Evolution der Gewalt – 2011 gedreht, auf der Diagonale 2012 präsentiert und nach der Absage der Diagonale 2020 ins Programm der Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen – nach Guatemala gereist, um die Lebensbedingungen der Menschen zu filmen.

Und so wird Evolution der Gewalt sogleich zu einem wertvollen Dokument einer Realität, die uns gegenwärtig ist, über die wir aber, abgesehen von kurzen Zeitungsartikeln, noch zu wenig wissen. Und während dieser langen Reise ist die Kamera des Regisseurs zum stummen Zeugen jeder unvorstellbaren Hässlichkeit geworden. Neben verzweifelten Eltern, die um ihre von der Polizei getöteten Kinder trauern, sehen wir ganze Familien, die darum kämpfen, ihre Kinder zu ernähren, riesige Massengräber, in denen Menschen ihre Angehörigen begraben, oder auch ehemalige Soldaten, die nachts immer noch Alpträume haben wegen der Folter, die sie ausüben mussten.

Bei Evolution der Gewalt werden keine Beschriftungen benötigt. Oder besser gesagt, nur eine abschließende Bildunterschrift kommentiert das eben Gezeigte. Die Bilder sprechen für sich. Es handelt sich um Kino der Realen in seinem reinsten Sinne. Und dieser mutige und minimalistische Dokumentarfilm von Fritz Ofner will vor allem ein System anprangern, das schon viel zu lange andauert. Ein System, in dem es auch zahlreiche wirtschaftliche Interessen gibt, an denen auch die Vereinigten Staaten in Bezug auf den Anbau und Handel von Bananen beteiligt sind.

Der Regisseur versucht, so unsichtbar wie möglich zu sein. Nur selten wenden sich Menschen an die Kamera, um ihre Geschichten zu erzählen. Was wir hauptsächlich sehen, sind Szenen, die auf den Straßen der Stadt gedreht wurden, dramatische Momente, die auch von zahlreichen Fernsehreportern gefilmt wurden.

Dieser wertvolle Dokumentarfilm zeigt vor allem die Stärke eines Volkes, das trotz des vielen vergangenen und gegenwärtigen Leids nicht aufhört, zu reagieren und dafür zu sorgen, dass sich die Realität endlich ändern kann. Genauso wie die vielen Vereine, die sich mit Gewalt gegen Frauen beschäftigen. Und Fritz Ofner hat mit diesem ehrlichen und gut strukturierten Evolution der Gewalt seine Botschaft laut und deutlich vermittelt. Und sie wird sicher nicht so schnell vergessen werden.

Titel: Evolution der Gewalt
Regie: Fritz Ofner
Land/Jahr: Österreich / 2011
Laufzeit: 77’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Fritz Ofner
Kamera: Fritz Ofner
Produktion: FreibeuterFilm

Info: Die Seite von Evolution der Gewalt auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Evolution der Gewalt auf freibeuterfilm.com; Die Seite von Evolution der Gewalt auf iMDb