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2 DAYS LEFT

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von Simona Obholzer

Note: 7.5

Alles fließt, alles ist in ständiger Bewegung, in 2 Days Left. Und alles ist dazu bestimmt, wieder so zu werden wie vorher. Als ob nichts passiert wäre. Und der Dokumentarfilm vermittelt uns ein befremdliches Gefühl der Ruhe, das durch die vielen Blautöne der Bilder noch verstärkt wird.

Künstliche Paradiese

Die perfekte Welle? Das ist wahrscheinlich der Traum eines jeden Surfers. Doch wie schafft man es, eine wirklich perfekte Welle zu erzeugen? Die Regisseurin Simona Obholzer hat in ihrem Experimentalfilm 2 Days Left, der eigentlich Teil der Diagonale 2020 sein sollte und nach der Absage des Festivals ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde, versucht, die Entstehung der sogenannten perfekten Welle zu dokumentieren. Auch in diesem Fall wird, wie so oft in Österreich, der Versuch unternommen, eine neue Filmsprache zu schaffen, um eine kleine, einzigartige Realität zu erzählen.

In 2 Days Left sehen wir vor allem die Details eines Schwimmbads, das in modernen Gebäuden gebaut wurde. Die Natur wird (fast) originalgetreu in einem völlig neuen Kontext reproduziert, in dem es wenig Natürliches gibt. Und so werden die Maschinen zu Hauptdarstellern und die künstlichen Wellen folgen schnell, frenetisch und ununterbrochen vor der Kamera von Simona Obholzer aufeinander.

Alles fließt, alles ist in ständiger Bewegung, bei 2 Days Left. Und alles ist dazu bestimmt, wieder so zu werden wie vorher. Als ob nichts passiert wäre. Die Philosophie des Heraklit ist daher die Protagonistin dieses interessanten Dokumentarfilms von Simona Obholzer. Ein Dokumentarfilm, der ein befremdliches Gefühl der Ruhe vermittelt, das durch die Blautöne der Bilder noch akzentuiert wird. Nur selten erhaschen wir einen Blick auf die Füße von Badenden und Surfern. Während des Großteils des Films ist der Mensch fast völlig abwesend. Und seine Abwesenheit wird durch das völlige Fehlen von Ton noch unterstrichen. Die perfekte Welle. Die Abfolge der Wellen. Künstliche Wellen. Dann plötzlich das komplette Bild des Swimmingpools. Ein völlig leerer, völlig statischer Swimmingpool, bis die Wellen wieder anfangen, einander zu folgen.

2 Days Left ist ein stark minimalistischer Film, der durch einen ungewöhnlichen Verfremdungseffekt seine eigentliche Stärke ausmacht. Ein Verfremdungseffekt, der durch eine starke Künstlichkeit gegeben ist, die nur im Inneren moderner Gebäude erreicht werden kann. Räume, die für den Menschen geschaffen wurden, in denen der Mensch aber fast eine fremde Präsenz ist. Das einzige „natürliche“ Element, wo es sehr wenig gibt, was natürlich ist.

Was wird aus dem Menschen, wenn Maschinen und die bereits erwähnte Künstlichkeit jeden Aspekt des Alltags übernehmen? 2 Days Left will das nicht beantworten. Und oft scheint es nicht einmal solche Fragen zu stellen. Eine perfekte Wellenmechanik fesselt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, dank ihrer unaufhörlichen und sogar beruhigenden Wiederholung.

Titel: 2 Days left
Regie: Simona Obholzer
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 8’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Simona Obholzer
Kamera: Michael Schindegger, Simona Obholzer
Produktion: Simona Obholzer

Info: Die Seite von 2 Days left auf der Webseite der Diagonale