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LOLOLOL

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von Kurdwin Ayub

Note: 7.5

Ein starker Sinn für Nihilismus ist aus LOLOLOL ersichtlich. Der Kurzfilm gilt als gutes Beispiel für das Kino der Realen mit einer Inszenierung, die an die Undergroundfilme der 1990er Jahre erinnert.

Ziellos

In der Welt, in der wir leben, sind wir fast alle süchtig nach Handys. Durch Emoticons, Selfies und Videos aller Art ist die Technik – und insbesondere die Welt der Sozialen Medien – Teil unseres Alltags geworden. Der Kurzfilm LOLOLOL von Kurdwin Ayub macht dabei das Smartphone zum Hauptdarsteller und dokumentiert den Abend einer jungen Kunststudentin, die 23-jährige Anthea Schranz. Der Film sollte eigentlich Teil der Diagonale 2020 sein und wurde nach der Absage des Festivals in das Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen.

Völlig fasziniert von der Welt der Mobiltelefone und ihrem Potenzial im Filmbereich hat die junge Regisseurin mit viel Spaß diesen kleinen Dokumentarfilm gedreht, der die Atmosphäre der 90er Jahre wiedergibt, ohne dass in der Postproduktion übermäßig retuschiert werden muss.

Und so sehen wir durch Bilder im typischen Format von Smartphone-Aufnahmen zunächst die Protagonistin, die in ihrer Wohnung kleine Installationen schaffen will. Dann ist es endlich Zeit, rauszugehen. Das Mädchen geht mit einer Freundin zu einer Kunstausstellung, wo sie auch andere Freunde und Kollegen trifft.

Dann plötzlich kehrt das Bildformat zum klassischen 16:9 zurück, während die Linse eines iphoneX (geführt von Caroline Bobek) den beiden Mädchen in Zavattini-Manier folgt, während sie durch die großen Räume des Gebäudes gehen, in dem sie sich befinden.

Diegetische Musik und undeutliche Stimmen begleiten sie durch den Abend. Und die Atmosphären erinnern fast an Barbara Alberts Kultfilm Sonnenflecken, in dem, ähnlich wie in LOLOLOL, die Protagonisten voller Energie sind, weglaufen wollen, aber ihre eigene Dimension nicht finden können.

Doch im Vergleich zu Albers Kurzfilm zeigt LOLOLOL einen größeren Sinn für Nihilismus. Fast so, als hätte das Leben der Protagonisten keinen wirklichen Zweck. Dies zeigt sich in ihrem hektischen Umherstreifen durch die Ausstellungsräume, ihrem völligen Desinteresse an den Kunstwerken und ihren belanglosen Gesprächen. Werden ein paar Exzesse ihnen erlauben, auch nur ein paar Stunden der persönlichen Erfüllung zu finden? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Und sie kommt ein paar Stunden später in der Wohnung der Protagonistin an. Von diesem Moment an ist alles dazu bestimmt, wieder so zu werden, wie es vorher war. Auch beim Format der Bilder.

Und Kurdwin Ayub hat es in diesem Werk geschafft, das Potenzial dieses neuen Mediums voll auszuschöpfen und uns zu zeigen, was aus der heutigen Gesellschaft – und speziell aus der Welt der Jugendlichen – geworden ist. Und sie tut es auf eine extrem aufrichtige und desillusionierte Weise. Sein Kurzfilm ist ein gutes Beispiel für das Kino der Realen mit einer Mise-en-scène, die an die Underground-Filme der 1990er Jahre erinnert. Technologie wirkt manchmal Wunder.

Titel: LOLOLOL
Regie: Kurdwin Ayub
Land/Jahr: Österreich / 2020
Laufzeit: 20’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Kurdwin Ayub, Markus Zizenbacher
Kamera: Caroline Bobek
Produktion: Kurdwin Ayub

Info: Die Seite von LOLOLOL auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von LOLOLOL auf sixpackfilm.com