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BLOOM

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von Jakob Carl Sauer und Nicola von Leffern

Note: 7

Bloom erweist sich sofort als ein hybrider Film: Ursprünglich sollte er ein Musikvideo werden, aber dank der faszinierenden Geschichten der Protagonisten nahm er im Laufe der Dreharbeiten langsam auch die Form eines Dokumentarfilms an.

So schnell wie der Wind

Laufen. Weit weg laufen. So schnell wie der Wind. Und vielleicht mit einem Paar Rollschuhen. Für Brian und seine Freunde ist das so gut, wie es nur geht. Sie sind die Protagonisten des Dokumentarfilms Bloom von Jakob Carl Sauer und Nicola von Leffern. Der Film sollte eigentlich Teil der Diagonale 2020 sein und wurde nach der Absage des Festivals in das Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen.

Bloom erweist sich sofort als ein hybrider Film: Ursprünglich sollte er ein Musikvideo werden, aber dank der faszinierenden Geschichten der Protagonisten nahm er während seiner Entstehung langsam die Form eines Dokumentarfilms an. Natürlich ohne von der Musik abzulenken. Und so wird das Lied Bloom von der österreichischen Band HVOB zu einem weiteren Protagonisten des Kurzfilms.

Hier wird nicht nur die Geschichte des jungen Brian und seiner Freunde dargestellt, sondern auch – und das ist viel wichtiger – die politische Situation in Uganda (wo Bloom gefilmt wurde), wo die Bürger überhaupt nicht in der Stadt skaten dürfen. Doch Brian und seine Freunde geben nicht auf. Und von einer besseren Zukunft träumend laufen sie durch die Straßen Kampalas. Schneller als Autos. Wunderbar frei und glücklich.

Und es ist genau dieser starke Wunsch nach Freiheit, der den gesamten Kurzfilm durchdringt. Ein Freiheitsdrang, der die Protagonisten fast wie Figuren aus den Filmen von François Truffaut erscheinen lässt. Und auch die Rennen auf Rollschuhen durch die Straßen Kampalas, die die Kameras der beiden Regisseure mit schnellen Kamerafahrten und frenetischen Schnitten dokumentieren, erinnern fast an das inzwischen berühmte Strandrennen des jungen Antoine Doinel. Auch wenn in Bloom – zum Glück! – es gibt niemanden, der am Ende des Rennens in die Kamera schaut.

Bloom ist vor allem ein wertvolles Dokument einer Epoche – derjenigen, in der wir leben – und der aktuellen Situation in einem Land – Uganda -, in dem einige Menschenrechte immer noch nicht anerkannt sind. Ein ehrlicher und aufrichtiger Kurzfilm, ein gut strukturierter Dokumentarfilm, in dem vielleicht gerade das HVOB-Lied in den Hintergrund gerät. Aber der junge Brian und seine Gruppe von Freunden sind wunderbar mit all ihrer Energie und ihrer pulsierenden Lebensfreude.

Titel: Bloom
Regie: Jakob Carl Sauer, Nicola von Leffern
Land/Jahr: Uganda, Österreich / 2019
Laufzeit: 8’
Genre: Dokumentarfilm, Musikfilm
Buch: Jakob Carl Sauer, Nicola von Leffern
Kamera: Jakob Carl Sauer
Produktion: Nicola von Leffern, Jakob Carl Sauer

Info: Die Seite von Bloom auf der Webseite der Diagonale