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G_girls.Ginny

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von Susi Jirkuff

Note: 7

In G_girls.Ginny, das mit dem Kurzfilm G_girls.Gracie verbunden ist, sehen wir eine extrem präsente und aggressive Urbanisierung, eine Stadt, in der es gar nicht so einfach ist, zu leben. Dabei scheint sich die junge Protagonistin noch die für ihr Alter typische Aufrichtigkeit und Naivität zu bewahren.

Plötzlich kommt Farbe ins Spiel

Riesige Gebäude mit Formen, die alle gleich sind. Eine graue, düstere und strenge Stadt, in der nur selten ein paar Sonnenstrahlen durchscheinen. Alles mit Bleistift und Pastell gezeichnet und frenetisch editiert. Das ist die Welt, in der die junge Ginny lebt, die Protagonistin des Kurzfilms G_girls.Ginny, den Susi Jirkuff 2015 drehte (zusammen mit G_girls.Gracie, der ihn ergänzt) und der in die Retrospektive Sehnsucht 2020 – Eine kleine Stadterzählung der Diagonale 2020 aufgenommen wurde. G_girls.Ginny wurde zusammen mit dem anderen Kurzfilm der Regisseurin ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen, nachdem das Festival wegen der Covid-19-Pandemie abgesagt wurde.

Während wir in G_girls.Gracie Zeuge eines Telefongesprächs zwischen Gracie und ihrer Freundin Ginny an einem regnerischen Tag wurden, fokussiert die Kamera der Regisseurin in G_girls.Ginny auf das zweite Mädchen. Hier hören wir ein Gespräch zwischen ihr und einem Mann (wahrscheinlich ihrem Vater), in dem das Mädchen erzählt, was während eines Ausflugs mit ihren Freunden passiert ist, als sie einige Stunts machten.

Eine neue Geschichte und eine völlig andere Realität. Die Stadt in G_girls.Ginny (das im Gegensatz zum vorherigen Werk der Künstlerin mit Bleistiftzeichnungen und Pastellkreide realisiert wurde) wird sofort zur Hauptfigur, als Zeugin der Ereignisse, die das Mädchen ihrem Vater erzählt. Die Gebäude wirken extrem streng und überhaupt nicht verzeihend. Ein dunkles, trübes Grau dominiert die Szene und kontrastiert mit dem extrem ruhigen und gelassenen Tonfall der jungen Ginny. Dann wird der Schnitt plötzlich viel hektischer, die Kameraeinstellungen oft gekippt, die Gebäude eckig. Und endlich leuchtende Farbflecken erscheinen auf dem Bildschirm.

Auch in G_girls.Ginny sehen wir eine extrem präsente und aggressive Urbanisierung, eine Stadt, in der es gar nicht so einfach ist, zu leben. Dennoch scheint sich die junge Protagonistin die für ihr Alter typische Aufrichtigkeit und Naivität zu bewahren. Die Welt, in der sie lebt, scheint uns fast das Gegenteil von der zu sein, in der ihre Freundin Gracie lebt (auch wenn es sich wahrscheinlich um zwei Stadtteile derselben Stadt handelt). Ginnys Welt scheint noch kälter zu sein als das ruhige Viertel, in dem Gracie lebt. Zwei unterschiedliche Realitäten und ein umfassender Blick auf das Leben in der Stadt und das Jugendalter von heute.

Diese beiden Kurzfilme von Susi Jirkuff sind dazu gedacht, zusammen angeschaut zu werden. Und das eine ergänzt das andere unentrinnbar. Zwei Fenster öffnen sich zu zwei scheinbar unterschiedlichen Welten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.

Titel: G_girls.Ginny
Regie: Susi Jirkuff
Land/Jahr: Österreich / 2015
Laufzeit: 5’
Genre: Animationsfilm, Coming-of-age
Cast: Georgina Nightingale, Howard Nightingale
Buch: Susi Jirkuff
Kamera: Susi Jirkuff
Produktion: Susi Jirkuff

Info: Die Seite von G_girls.Ginny auf sixpackfilm.com