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JAPAN

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von Dmitrij Ritter

Note: 7

In nur neunzehn Minuten zeigt uns Dmitrij Ritters Japan zwei (nicht allzu) unterschiedliche Welten: Die Innenwelt des Protagonisten und Japan. Und die meisten der Dreharbeiten fanden nachts statt, wenn die Stadt schläft, wenn man sich noch einsamer fühlt und niemand bereit ist, einem zu helfen. Im Rahmen des Programms Diagonale 2020 – Die Unvollendete.

Angst vor dem Leben

Ein äußerst empfindliches und persönliches Werk, Japan. Dmitrij Ritters Kurzfilm – der eigentlich Teil der Diagonale 2020 sein sollte und nach der Absage des Festivals in das Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen wurde – beschäftigt sich mit einem Thema, über das oft gesprochen wird, das aber nur derjenige wirklich kennt, der es am eigenen Leib erfahren hat: Angstzustände und die damit verbundenen Panikattacken.

Der Kurzfilm schöpft aus dem eigenen Erleben des Regisseurs, wie eine Bildunterschrift zu Beginn andeutet, und zeigt uns den Weg in eine neu gewonnene Freiheit, in ein neues Selbstbewusstsein. In nur neunzehn Minuten zeigt uns Japan zwei (nicht allzu) unterschiedliche Welten: Die Innenwelt des Protagonisten (dargestellt durch Bildunterschriften) und Japan, wo uns Szenen des Alltags, schlafende Menschen auf der Straße, Momente der Versammlung, Wände mit kunstvollen Graffiti, Lebensmittelgeschäfte und leere Straßen bei Nacht gezeigt werden. Und tatsächlich fanden die meisten Dreharbeiten nachts statt, wenn die Stadt schläft, wenn man sich noch einsamer fühlt und niemand bereit zu helfen ist.

Doch Japan steht für eine Rückkehr ins Leben. Etwas, von dem der Protagonist träumt, das aber noch zu weit entfernt scheint. In Japan gibt es keinen Dialog. Und mit Live-Ton ist das Schweigen noch ohrenbetäubender.

Das Thema Angst und Einsamkeit sind daher die Protagonisten in diesem Kurzfilm von Dmitrij Ritter. Ein Kurzfilm, der sich auf mehreren Ebenen entwickelt: Die Untertitel verweisen auf eine Realität, die sich in Wien abspielt, während wir gleichzeitig Japan mit seinen Lichtern, seinen Geräuschen und seinen bunten, aber doch zu dunklen Straßen beobachten. Und die Gedanken des Protagonisten stehen der Außenwelt gegenüber.

Dieses kurze, aber wirkungsvolle Japan wird bis ins kleinste Detail studiert. Und während die Untertitel zunächst etwas naiv wirken, erweisen sie sich sofort als unverzichtbar, um die inneren Qualen des Regisseurs zu zeigen. Was die Dreharbeiten in Japan betrifft, so ist dies ein separates Thema. Auf dem Bildschirm erscheinen mehrere Personen, die etwas Besonderes gemeinsam zu haben scheinen: Jeder von ihnen befindet sich an einem belebten Ort, scheint aber hoffnungslos einsam zu sein. Und so denken wir sofort an die Filme von Tsai Ming-liang, mit ihren langen Plansequenzen, ihren Protagonisten, die sich mit ihren inneren Qualen auseinandersetzen, den endlosen Schweigen und den großen Städten, die wie echte Charaktere behandelt werden.

Stimmt: Der Regieansatz des taiwanesischen Regisseurs ist viel extremer und rigoroser als der von Dmitrij Ritter in Japan. Und doch präsentiert dieser wertvolle kleine Kurzfilm eine typisch orientalische Inszenierung und macht sich diese neue Filmsprache ganz zu eigen. Auch wenn kurze Animationseinblendungen erscheinen, die den Abschluss dieser langen Reise anzeigen. Eine echte Reise in ferne Länder, in neue Dimensionen, zu einer neu gefundenen Gelassenheit.

Titel: Japan
Regie: Dmitrij Ritter
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 19’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Dmitrij Ritter
Kamera: Dmitrij Ritter
Produktion: Dmitrij Ritter

Info: Die Seite von Japan auf der Webseite der Diagonale; Japan von Dmitrij Ritter auf youtube