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EINTRITT ZUM PARADIES UM 3€20

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von Edith Stauber

Note: 8

Es gibt keinen Platz für Dialog in Eintritt zum Paradies um 3€20. Geräusche sind fast die absoluten Protagonisten. Doch trotz des undeutlichen Geschnatters, trotz hüpfender Bälle und unaufhörlich klingelnder Handys herrscht eine gewisse Ruhe. Und sofort fühlt man sich an das Kino von Jacques Tati und seine unvergleichliche Eleganz erinnert.

Wo ist das Paradies?

Nicht zufällig ist der Kurzfilm Eintritt zum Paradies um 3€20 von Edith Stauber (2008) zu einem Kultfilm innerhalb der zeitgenössischen österreichischen Kinematographie geworden. Der Film schafft es, einen zentralen Aspekt des Alltags mit einem wohlwollenden (aber auch ziemlich zynischen) Blick und einer gewissen Ironie darzustellen. Und das alles wird bereichert durch eine gekonnte Animation, die den Zuschauer von den ersten Bildern an in ihren Bann zieht. Dieser kleine und wertvolle Kurzfilm von Edith Stauber sollte eigentlich zusammen mit Bernhard Frankfurters Spielfilm Wie Sand am Meer – Familiennotizen aus Urlaub und Alltage (1976) Teil der Diagonale 2020 (Reihe Sehnsucht 2020 – Eine kleine Stadterzählung) sein, wurde aber nach der Absage des Festivals ins Programm Diagonale 2020 – Die Unvollendete aufgenommen.

Mit einer perfekten elliptischen Struktur eröffnet Eintritt zum Paradies um 3€20 mit Bildern einer chaotischen Stadtstraße, in der Verkehr, Verschmutzung und Lärm aller Art herrschen. Ist das Paradies so weit weg? Manchmal muss man nur um eine Ecke biegen, um sich in einer völlig anderen Realität wiederzufinden. In diesem Fall handelt es sich um ein kleines städtisches Schwimmbad, in dem sich die Bürger für ein paar Stunden wohlverdienter Entspannung treffen. Dort fühlen sie sich endlich frei.

Eintritt zum Paradies um 3€20 zeigt uns eine Reihe von Charakteren, jeder von ihnen nur skizzenhaft gezeichnet, aber in ihren Verhaltensweisen präzise charakterisiert. Neben Kindern, die ihre Rettungsringe durch die Badeanstalt tragen, gibt es beleibte Damen, die auf der Suche nach einer Wunderdiät Zeitschriften konsultieren. Männer widmen sich dem Lesen von Börsentrends und es gibt auch jemanden, der erfolglos versucht, eine Gurke in einem Glas zu gabeln, während er von zwei jungen Badegästen geneckt wird.

Edith Stauber scheint amüsiert und sogar angetan von diesen seltsamen Badenden. Keiner von ihnen ist „perfekt“, keiner von ihnen ist „immun“ gegen den kritischen Blick der Kamera (oder, besser gesagt, gegen die Feder des Zeichners). Doch in wenigen Minuten ist jeder von ihnen mit all seinen menschlichen „Schwächen“ perfekt charakterisiert. Was ist falsch daran, sich ein wenig Entspannung zu gönnen?

Damit Eintritt zum Paradies um 3€20 so fesselnd wird, gibt es zweidimensionale Zeichnungen, bei denen sich der Federstrich auf jedes Detail der Gesichter der Protagonisten konzentriert und ihre Züge akzentuiert, um einen grotesken Effekt zu erzielen. Es ist interessant, wie jede der Figuren auf die gleiche Weise beobachtet wird: Wenn man endlich glücklich und unbeschwert ist, sind alle gleich. Und während sich die Hintergründe durch ihre leuchtenden Farben auszeichnen, bleiben die Charaktere (mit Ausnahme ihrer Kleidung) stets in Schwarz und Weiß.

Es gibt keinen Platz für Dialog in Eintritt zum Paradies um 3€20. Geräusche sind fast die absoluten Protagonisten. Und doch, trotz des undeutlichen Geschnatters, trotz hüpfender Bälle und unaufhörlich klingelnder Handys herrscht eine gewisse Ruhe. Jedes Geräusch scheint hier fast „gedämpft“. Und so denken wir sofort an das Kino von Jacques Tati und seine unbestrittene Eleganz. Und dieser kleine, feine Eintritt zum Paradies um 3€20 wirkt aktueller denn je und nie banal.

Titel: Eintritt zum Paradies um 3€20
Regie: Edith Stauber
Land/Jahr: Österreich / 2008
Laufzeit: 13’
Genre: Animationsfilm
Buch: Edith Stauber
Kamera: Edith Stauber
Produktion: Edith Stauber

Info: Die Seite von Eintritt zum Paradies um 3€20 auf der Webseite der Diagonale; Die Seite von Eintritt zum Paradies um 3€20 auf iMDb