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DINNER FOR TWO

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von Xaver Schwarzenberger

Note: 6.5

Dinner for two – ein Fernsehfilm von Xaver Schwarzenberger – ist vor allem ein Porträt der Wiener Gesellschaft und der Welt, in der wir leben, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Eine lange Reise durch die österreichische Hauptstadt, bei der alles passieren kann.

Abendessen zu Hause

Heutzutage kommt es sehr oft vor, dass man Abendessen in den eigenen vier Wänden organisiert, das Essen zu Hause bestellt, jemanden anruft, der für uns kochen kann oder sogar zu anderen Leuten nach Hause geht, die eine Art „Restaurant zu Hause“ geschaffen haben. Doch schon 2003 hatte Regisseur Xaver Schwarzenberger – der lange Zeit als Kameramann von Rainer Werner Fassbinder gearbeitet hat – in Dinner for Two an eine solche Situation gedacht. Und der deutsche Regisseur dreht seit 1983, als er seinen Debütfilm Der stille Ozean drehte, Spielfilme für das Fernsehen in Österreich – der Beginn einer langen und produktiven Karriere.

So auch bei Dinner for Two, in dem die Geschichten zweier Freundinnen inszeniert werden: Steffi (gespielt von Marianne Mendt) und Sophie (Gisela Schneeberger). Die erste muss, nachdem sie zwanzig Jahre lang für ihren Mann (der talentierte Erwin Steinhauer) gekocht hat, gesunde Gerichte zubereiten, da die Gesundheit des Mannes in Gefahr ist. Letztere wurde plötzlich von ihrem Mann verlassen und befindet sich allein und in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Gibt es einen besseren Anlass, das Unternehmen „Dinner for Two“ zu gründen, indem man zu den Leuten nach Hause geht, um zu kochen und romantische Abendessen für zwei zu organisieren?

Der Spielfilm von Xaver Schwarzenberger präsentiert sich sofort als ein bescheidenes Werk. Die Absicht ist einfach, das Publikum für etwa eineinhalb Stunden zu unterhalten und zu amüsieren. Doch der Regisseur weiß genau, was er will. Und in diesem kleinen und unterhaltsamen Werk hat er ein Fresko der zeitgenössischen Gesellschaft geschaffen, indem er jeden Charakter, den die Protagonistinnen während der von ihnen organisierten Abendessen treffen, perfekt charakterisiert hat. Wir bekommen eine Reihe seltsamer Figuren zu sehen, darunter eine hochnäsige Adelige, die die beiden Köchinnen schlecht behandelt, ein Mann, der traurig ist, weil sein Partner nicht zum Essen aufgetaucht ist, und ein zartes älteres Paar, das noch genauso verliebt ist wie am ersten Tag und beschließt, ein romantisches Abendessen zu organisieren, um sich an alte Zeiten zu erinnern.

Dinner for Two ist kein perfekter Spielfilm. Und oft wirkt er sogar vorhersehbar mit allzu plötzlichen Wendungen. Aber man muss auch bedenken, dass es sich um einen Fernsehfilm handelt und daher gewisse Kanons zu beachten sind. Xaver Schwarzenberger hat das anständig hinbekommen und damit sein gutes Regietalent unter Beweis gestellt (oder besser gesagt: bestätigt). Und Dinner for Two ist insgesamt ein anständiges, bescheidenes Werk, das ab und zu auch urkomisch ist (wie in der Szene, in der Steffis Mann ein Geschäftsessen mit einigen japanischen Kollegen organisieren muss, aber gezwungen ist, nur einen Teller Tofu mit Gemüse zu essen).

Viele paradoxe Situationen und ebenso viele Szenen, die bewegen und zum Nachdenken anregen. Tatsächlich will Dinner for Two vor allem ein Fresko der Wiener Gesellschaft und der Welt, in der wir leben, sein, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen. Eine lange Reise durch die österreichische Hauptstadt, bei der alles passieren kann. Sogar die Begegnung mit Karl Markovics, der sich als Frau verkleidet hat und bereit ist, gute Ratschläge zu Anti-Falten-Cremes und Schönheitsbehandlungen zu geben. Aber Karl Markovics kann wirklich alles und enttäuscht nie.

Titel: Dinner for two
Regie: Xaver Schwarzenberger
Land/Jahr: Österreich / 2003
Laufzeit: 89’
Genre: Filmkomödie
Cast: Marianne Mendt, Gisela Schneeberger, Erwin Steinhauer, Karl Markovics, Nora Heschl, Jeannette Hain, Nina Blum, Houchang Allahyari, Toni Böhm, Wolfgang Gasser, Alfons Haider, Dagmar Koller, Gerald Szyszkowitz, Julia Gschnitzer, Maria Urban, Suza Juhasz, Hary Prinz, Hans-Christian Haas, Gen Seto
Buch: Ulrike Schwarzenberger
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Produktion: Thalia-Film, ORF

Info: Die Seite von Dinner for two auf iMDb