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von Constanze Ruhm
Note: 8
Gli Appunti di Anna Azzori – Uno Specchio che viaggia nel Tempo ist ein Spielfilm, der keine Angst hat zu wagen, der sich von einer guten Mischung der Künste verführen lässt und der neben Ausschnitten aus dem Film von Grifi und Sarchielli auch Archivbilder, verschiedene akustische Ebenen und sogar ein bisschen Film im Film zeigt.
Niemand erinnert sich an ihren Nachnamen…
Anna Azzori. Nur wenige Menschen kennen ihren vollen Namen. Und doch haben viele die Gelegenheit gehabt, sie zu erleben und zu lieben. Sie ist Anna, die junge Protagonistin des gleichnamigen Dokumentarfilms von Alberto Grifi und Massimo Sarchielli (1975), in dem die beiden Regisseure die Geschichte eines sechzehnjährigen schwangeren und obdachlosen Mädchens verfolgten, das sie zufällig auf der Piazza Navona in Rom trafen und dann im Haus von Sarchielli unterbrachten. Anna (und der oben erwähnte Dokumentarfilm) können kaum vergessen werden. Und dem stimmt die österreichische Filmemacherin Constanze Ruhm vollkommen zu, die mit ihrem
Keine leichte Aufgabe, an der sich Constanze Ruhm versucht hat. Und doch fühlte sich die Regisseurin frei, den Diskurs weiter auszudehnen und ihre – und unsere – Anna zu einem Symbol des feministischen Kampfes zu machen. Zu einem Symbol einer Ära, die scheinbar weit weg ist, in Wirklichkeit aber viel aktueller ist, als man denkt.
Anna kommentiert im Off die Bilder des Dokumentarfilms, in dem sie die Protagonistin ist. Was wollen diese Männer von ihr? Warum wird sie gefilmt? Warum lachen sie, wenn sie in ihrer Abwesenheit über sie sprechen? Gefangen in einer Welt und einem Leben, in dem sie gezwungen wurde, zu früh erwachsen zu werden, versucht unsere Anna verzweifelt, sich zu retten, indem sie sich in einen Baum verwandelt. So wie bei der Nymphe Daphne, die der Meister Gian Lorenzo Bernini in seinem Meisterwerk Apollo und Daphne zu seiner Zeit so gut dargestellt hat. Und in Wirklichkeit ist die junge und zarte Anna einfach eine Nymphe. Eine Nymphe in den Fängen aller möglichen Angreifer, die dennoch mit all ihrer Kraft um ihre Rettung kämpft.
Aber welches Gesicht soll man dem Mädchen in Gli Appunti di Anna Azzori – Uno Specchio che viaggia nel Tempo geben? Und so beginnt das Casting. Etwa zehn Mädchen werden von der Regisseurin vorgesprochen. Sie brauchen keine Texte auswendig zu lernen. Die Kamera rahmt ihre Gesichter in Großaufnahme ein – mit einer Off-Stimme, die die Figur, ihre Gewohnheiten, ihre Wünsche und ihre Leidenschaften beschreibt – und zeigt sie statisch, leicht und harmonisch wie echte Nymphen in einem Wald. Die Mädchen, die Constanze Ruhm ausgewählt hat, sind alle scheinbar unterschiedlich. Und doch haben sie alle – genau wie Anna – eines gemeinsam: Ein reiner und unschuldiger Blick. Ein Blick, der typisch für diejenigen ist, die sich noch nicht von der Hässlichkeit der Welt „verunreinigen“ lassen haben.
Gli Appunti di Anna Azzori – Uno Specchio che viaggia nel Tempo ist ein Spielfilm so leicht und frei wie Luft. Ein Spielfilm, der keine Angst hat zu wagen, der sich von einer gekonnten Mischung der Künste verführen lässt und neben Ausschnitten aus dem Film von Grifi und Sarchielli auch Archivbilder, verschiedene auditive Ebenen (darunter die Stimme einer Moderatorin aus dem imaginären Radio Dafne) und sogar ein bisschen Film im Film zeigt.
Was Constanze Ruhm am meisten auszeichnet, ist ihr Mut zum Wagnis und ihre Fähigkeit, einen einzigartigen und besonderen Film zu schaffen. Ein Film, der in keiner Weise von der Bedeutung des Dokumentarfilms, von dem er inspiriert ist, beeinträchtigt wird, der aber auch eine starke Persönlichkeit offenbart, indem er den Diskurs über Feminismus und die Lage der Frauen im letzten Jahrhundert verschiebt. Und dank
Titel: Gli Appunti di Anna Azzori – Uno Specchio che viaggia nel Tempo
Regie: Constanze Ruhm
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Frankreich / 2020
Laufzeit: 71’
Genre: Experimentalfilm
Cast: Kheda Durtaeva, Mona Abdel Baky, Ljubika Jaksic, Hannah Morscher, Cordula Rieger, Sidi Robol, Kadisa Seitinger, Alex Smith, Alisha Svestka, Livia Szankowsky, Law Wallner, Lia Wilfing, Gemma Vannuzzi
Buch: Constanze Ruhm
Kamera: Hannes Böck
Produktion: Constanze Ruhm
