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DIE TRUD

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von Veronika Franz und Severin Fiala

Note: 7

In Übereinstimmung mit der Poetik von Veronika Franz und Severin Fiala spielt Die Trud vor allem mit Gefühlen, Ängsten und Suggestionen, die die Protagonisten erleben. Was inszeniert wird, ist also gerade die Angst vor Trud und das tiefe Schuldgefühl, das diese Legende in der Vergangenheit erzeugt hat.

Wer hat Angst vor der Hexe?

Im (nicht allzu) fernen Jahr 2018 haben neun Filmemacher aus aller Welt einen gemeinsamen Film gedreht, der acht Episoden des Horrorgenres umfasst. Diese Episoden konzentrieren sich auf alte Volkstraditionen, die für die Länder typisch sind, aus denen die Regisseure stammen. Und so wurde The Field Guide to Evil geboren, eine spannende Anthologie, deren erste EpisodeDie Trud – von den sehr bekannten österreichischen Filmemachern Veronika Franz (Ulrich Seidls Frau) und ihrem Neffen Severin Fiala, die auch im Ausland durch den umstrittenen und beunruhigenden Ich seh ich seh im Jahr 2014 berühmt wurden, gedreht wurde.

Mit der Inszenierung einer uralten österreichischen Sage haben die beiden einen sehr persönlichen Zugang zur Schreckensgestalt der Trud gefunden, die ihren Ursprung im Mittelalter hat und in germanischen Ländern auch als Alp, Mar, Mart, Mahr, Schrat oder Walrider bekannt ist. Aber wer ist dann diese Trud? Es handelt sich um eine Art Dämon, der jedem, der eine Fleischesünde begangen hat, im Schlaf den Atem stiehlt. Und so wählten die beiden Regisseure für Die Trud ein bäuerliches Setting mit einer überwiegend gynozentrischen Gesellschaft, die aus einer Gruppe von Frauen besteht, die sich – um die Mitte des 18. Jahrhunderts – am Fluss zu treffen pflegten, um ihre Wäsche zu waschen. Zu ihnen gehört die junge Kathi (gespielt von Marlene Hauser), die bei einem ihrer morgendlichen Ausflüge mit einer Freundin in Ergüssen schwelgt. Was wird der Preis sein, den sie für diese Geste zahlen wird?

In Übereinstimmung mit der Poetik der beiden Filmemacher spielt Die Trud vor allem mit Gefühlen, Ängsten und Suggestionen, die die Protagonisten erleben. Was inszeniert wird, ist die Angst vor Trud und das tiefe Schuldgefühl, das diese Legende in der Vergangenheit erzeugt hat. Feine Licht- und Toneffekte, Bilder von verwesenden Tieren und erschreckende Gesichter von Frauen mit entstellten Gesichtszügen werden zu den Protagonisten des Kurzfilms. Und Veronika Franz und Severin Fiala haben einmal mehr großes Selbstbewusstsein bewiesen. Und wenn man zum Beispiel in ihrem Debütfilm Kern (2012) schon einige Merkmale ihres Kinos erkennen konnte, haben die beiden ab Ich seh ich seh endlich den Weg des Horrorfilms eingeschlagen.

In ihren Filmen wird Splatterszenen nicht viel Platz gegeben (auch wenn, wenn sie präsent sind, sind sie ganz schockierend). Was im Vordergrund steht, sind die Gefühle der Protagonisten, ihre Suggestionen, ihre schlimmsten Albträume. Und das wird mit einem essentiellen Regieansatz erreicht, mit häufigen festen Kameraeinstellungen, langsamen Kamerafahrten und langen Schweigen. Fast so, als ob man auf etwas Schockierendes warten würde. Verzerrte und verstärkte Klänge, feine Licht- und Schattenspiele und Umgebungen, die oft wie echte Charaktere behandelt werden, tun ihr Übriges.

Diese singuläre Inszenierung ist auch die von Die Trud, ein Film, der nur durch seine notwendige kurze Dauer bestraft wird. Um diesen Kurzfilm in den Film The Field Guide to Evil einzufügen, mussten sich Veronika Franz und Severin Fiala auf eine zu kurze Laufzeit einstellen. Aber so ist es. Dieses kurze, aber interessante Werk funktioniert insgesamt. Und auch innerhalb des Kollektivfilms erwies es sich gegenüber einigen der anderen Kurzfilme als qualitativ überlegen. Schließlich sind die beiden Regisseure eine Garantie, wenn es um den heutigen österreichischen Horrorfilm geht.

Titel: Die Trud
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Land/Jahr: Österreich / 2017
Laufzeit: 22’
Genre: Horrorfilm
Cast: Marlene Hauser, Luzia Oppermann, Birgit Minichmayr
Buch: Veronika Franz, Severin Fiala
Kamera: Martin Gschlacht
Produktion: Ulrich Seidl Film Produktion GmbH, Timpson Films

Info: Die Seite von Die Trud auf der Webseite von Ulrich Seidl; Die Seite von Die Trud innerhalb The Fiedl Guide to Evil auf iMDb