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EGON SCHIELE: TOD UND MÄDCHEN

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von Dieter Berner

Note: 7.5

Es gibt viel zu tun im Umgang mit all den vielen Ideen, die uns das Leben dieses genialen Künstlers zu bieten hat. Man muss sie gut zu handhaben wissen, um ein Werk zu schaffen, das niemals vorhersehbar oder didaktisch ist, das ein leidenschaftliches Porträt eines der wichtigsten Künstler Österreichs zeichnet. Und dieses schwierige Unterfangen ist Dieter Berner bei seinem Film Egon Schiele: Tod und Mädchen perfekt gelungen.

Die Kraft der Kunst

Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele. Sie gehören zu den berühmtesten Vertretern der künstlerischen Strömung der Wiener Secession. Unbestrittene Genies, gequälte Seelen und vor allem bedeutende Künstler, die mit ihren Werken neue Wege der Auffassung von Malerei schufen. Unter ihnen wurde Egon Schiele am meisten vom Expressionismus beeinflusst. Und trotz seines viel zu kurzen Lebens – er starb mit achtundzwanzig – weckte er das Interesse vieler Filmemacher. Nachdem nämlich Herbert Vesely 1981 Egon Schiele – Exsesse inszeniert hat, zog 2016 Dieter Berners Egon Schiele – Tod und Mädchen zahlreiche Zuschauer in seinen Bann.

Es gibt wirklich viel zu tun, um all die vielen Ideen zu verwalten, die uns das Leben dieses genialen Künstlers zu bieten hat. Es geht darum, gut mit ihnen umzugehen, ein Werk zu schaffen, das niemals vorhersehbar oder didaktisch ist, das ein leidenschaftliches Porträt eines der wichtigsten Künstler Österreichs zeichnet. Und dieses schwierige Unterfangen ist Dieter Berner perfekt gelungen. Sein Egon Schiele (gespielt von Noah Saavedra) ist ein faszinierender und leidenschaftlicher junger Mann. Ein junger Mann, der seiner Schwester Gerti (Maresi Riegner) sehr nahe steht, die oft für ihn als Modell posiert. Ein junger Mann, der auch oft als eine Art Anti-Held dargestellt wird. Ein junger Mann, der wie kein anderer in der Lage ist, das wahre Wesen der Menschen in zweidimensionale Bilder zu verwandeln.

An seiner Seite (fast) immer die unzertrennliche Wally Neuzil (Valerie Pachner), seine Lebens- und Abenteuergefährtin sowie eines seiner berühmtesten Modelle, die wir alle durch den liebevollen Blick des Künstlers kennengelernt haben.

Und so weicht im Laufe der Geschichte die anfängliche Unbeschwertheit, die den jungen Protagonisten charakterisierte, der Verantwortung der Erwachsenen: Der Erste Weltkrieg wird bald anfangen, das österreichische Heer ruft seine Soldaten, es bleibt keine Zeit mehr für Lieder, Tänze und Feste. Es bleibt keine Zeit mehr für Liebe, Leidenschaft, Kunst. Man tritt offiziell ins Erwachsenenalter ein. Aber bedeutet das wirklich, dass man sein eigenes Wesen aufgeben muss? Oder sind es unsere Leidenschaften, die uns retten und am Leben erhalten?

In Egon Schiele: Tod und Mädchen richtet Dieter Berner seine Aufmerksamkeit auf die rettende Kraft der Kunst. So wie bei dem jungen Egon, der gleich nach dem Aufwachen in großen Lettern an die Wand seines Zimmers den Satz „Das Kunstwerk ist unsterblich“ schreibt. Oder wenn das Bedürfnis, ein Gemälde zu vollenden, eine scheinbar beendete Liebesaffäre aus der Asche auferstehen lässt.

Der Regisseur will bei der Inszenierung dieses wichtigen Films nicht unbedingt dem Stil des berühmten österreichischen Malers „folgen“. Er zielt nicht darauf ab, ihm eine visuelle Kraft zu verleihen, die an die Werke des Malers erinnert. Vielmehr wird durch einen realistischen Inszenierungsansatz nicht nur die Geschichte des jungen Egon erzählt, sondern auch eine für Österreich zentrale Zeit. Eine Zeit, die das Ende des Kaiserreichs Franz Josephs mit sich brachte, aber auch von einer außerordentlichen geistigen und künstlerischen Vitalität geprägt war. Ein Symbol für eine Nation, die es trotz allem immer wieder schafft, neu geboren zu werden, neue Ziele und neue spannende Herausforderungen zu finden.

Titel: Egon Schiele – Tod und Mädchen
Regie: Dieter Berner
Land/Jahr: Österreich, Luxemburg / 2016
Laufzeit: 110’
Genre: Filmbiografie, Biopic, Drama
Cast: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Marie Jung, Elisabeth Umlauft, Larissa Breidbach, Thomas Schubert, Daniel Sträβer, Cornelius Obonya, André Jung, Nina Proll, Luc Feit, Fanny Berner, Wolfram Berger, Michael Kreihsl, Ulli Maier, Germain Wagner, Martin Muliar, Ilvy Grün, Lilo Grün, Hilde Berger, Clemens Aap Lindenberg, Josiane Pfeiffer, Steve Karier, Raoul Albonetti, Dieter Berner, Franz Novotny, Max Berner, Christoph Staar, Joseph Holzknecht, Max Thommes, Nickel Bösenberg, Al Ginter, Anne Pannrucker, Nepp Hurch, Nicolas Neuhold, Eric Gigout
Buch: Hilde Berger, Dieter Berner
Kamera: Carsten Thiele
Produktion: Ulrich Seidl Film Produktion GmbH, Novotny & Novotny Filmproduktion GmbH, Amour Fou Luxembourg

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