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SINGLE BELLS

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von Xaver Schwarzenberger

Note: 6

Trotz einiger Schwächen vermeidet Xaver Schwarzenbergers Single Bells (1997) klugerweise jede Rhetorik und scheut sich nicht, sich die Hände schmutzig zu machen.

Ein ungewöhnliches Weihnachten

Weihnachten: Zeit für Partys, für Geschenke, für Spiele. Und Zeit für die Familie. Ja, Familie. Kati (gespielt von Martina Gedeck), eine Karrierefrau, die eine wichtige Werbefirma leitet, lebt seit acht Jahren mit ihrem Freund Jonas (Gregor Bloéb) zusammen, mit dem sie die Leidenschaft fürs Reisen teilt. Kati ist die Protagonistin von Single Bells, einem Fernsehfilm unter der Regie von Xaver Schwarzenberger aus dem Jahr 1997. Katis Liebesgeschichte befindet sich an einem Scheideweg: Sie will heiraten und Mutter werden, während Jonas andere Pläne zu haben scheint. Kati ist deshalb fest entschlossen, ihren Freund zu verlassen und wird zu Weihnachten ins Haus ihrer Schwester Luiserl (Mona Seefried) fahren, die verheiratet ist und zwei Kinder hat. Auch ihre Mutter und die Schwiegermutter von Luiserl werden dabei sein. Wird es wirklich so einfach sein, alle zusammen zu leben, wenn auch nur für ein paar Tage?

Lässt man die Probleme von Single Bells einmal beiseite, muss man anerkennen, dass dieser Film von Schwarzenberger klugerweise jede Rhetorik vermeidet, ohne Angst zu haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Das Ergebnis ist eine angenehme Komödie, in der niemand die sogenannte Magie der Weihnacht wirklich zu spüren scheint. Auch nicht die junge Sissi, Luiserls zweite Tochter, die von all den Streitereien und paradoxen Situationen, die sich in ihrem Haus abspielen, genervt ist.

Und doch, trotz unvorstellbarer Situationen, trotz kleiner Mäuse, die im Haus herumlaufen und Angst haben, von der Katze gefressen zu werden, trotz Weihnachtsbäume, die Feuer fangen, fehlt es Single Bells im ersten Teil fast an Persönlichkeit. Heftige Dialoge unterhalten den Zuschauer in Szenen, in denen die Charaktere gemeinsam zu Abend essen. Doch solche Gags wirken trotz urkomischer Momente insgesamt eher schwach, trotz des anfänglichen Potenzials des Films.

Potential bezieht sich auch auf den Regieansatz von Xaver Schwarzenberger, der viele Jahre lang auch der Kameramann des großartigen Rainer Werner Fassbinder gewesen ist. Und wenn er nach dessen frühem Tod mit seinem Debütfilm Der stille Ozean (1983), mit dem er bei der 33. Berlinale den Silbernen Bären gewann, Publikum und Kritiker überzeugte, begann er fast ausschließlich beim Fernsehen zu arbeiten. Und viele seiner Filme erweisen sich insgesamt als eher schwach. Genau wie Single Bells, dem im Jahr 2000 O Palmenbaum folgte, in dem wir Kati zusammen mit ihrer großen Familie wieder sehen können.

Single Bells ist, alles in allem, kein völlig bedauernswertes Werk. Trotz eines nicht immer überzeugenden Drehbuchs fällt eine Regie auf, die sich im Großen und Ganzen der Art der Geschichte und der Art des Publikums, an das der Film gerichtet ist, anzupassen weiß. Dabei könnte man von Xaver Schwarzenberger durchaus mehr erwarten. Aber so ist es. Auf jeden Fall ist es dem Regisseur gelungen, uns eine originelle Version der Weihnachtsfeiertage zu schenken. Im Gegensatz zu Filmproduzenten, die uns jedes Jahr die gleiche Geschichte liefern.

Titel: Single Bells
Regie: Xaver Schwarzenberger
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1997
Laufzeit: 88’
Genre: Filmkomödie
Cast: Martina Gedeck, Inge Konradi, Johanna von Koczian, Mona Seefried, Erwin Steinhauer, Gregor Bloéb, Mariella Hahn, Thomas Thurgar, Adelheid Picha, Barbara Demmer, Nina Proll, Susanne Michel, Ina Lang, Proschat Madani, Elisabeth Orth
Buch: Ulrike Schwarzenberger
Kamera: Xaver Schwarzenberger
Produktion: Bayerischer Rundfunk, Teamfilm Produktion, ORF

Info: Die Seite von Single Bells auf iMDb; Die Seite von Single Bells auf der Webseite der Austrian Film Commission