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DIE TRAPP FAMILIE – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK

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von Ben Verbong

voto: 4.5

Ein Regieansatz, der an einen Fernsehfilm erinnert, ist der erste Aspekt, der einem beim Anschauen von Ben Verbongs Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik ins Auge springt. Eine stark überbelichtete Lichtgestaltung und ein schwaches Drehbuch, das sich stark auf bereits Bekanntes verlässt, gehören zu den schwächsten Elementen des gesamten Films.

Eine neue Musik?

Welche Wirkung kann der Spielfilm Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik auf das Publikum haben? Seitdem der amerikanische Regisseur Robert Wise 1965 den Kultfilm Meine Lieder, meine Träume gedreht hat, fasziniert die Geschichte der Familie von Trapp Millionen von Zuschauern. Bekannt wurde die berühmte österreichische Familie, die nach dem Anschluss in die Vereinigten Staaten emigrierte, aber erst durch ihre häufigen Konzerte in Amerika. Vor Wise hatte jedoch bereits 1956 der österreichische Regisseur Wolfgang Liebeneiner Die Trapp Familie (und 1958 auch Die Trapp Familie in Amerika) gedreht. Und so ist Ben Verbongs Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik der jüngste in einer Reihe von Filmen, die sich der berühmten Sängerfamilie widmen. Es handelt sich um die Verfilmung des Romans der ältesten Tochter Agathe von Trapp (1913 – 2010) Memories before and after The Sound of Music. War es aber für den niederländischen Regisseur so einfach, sich mit den Werken der beiden anderen Filmemacher auseinanderzusetzen?

Der Film spielt in der Gegenwart in den Vereinigten Staaten. Kirsty, Agathes Nichte, hat sich an Heiligabend mit ihrem Vater gestritten und ist auf dem Weg zum Bahnhof, um zu ihrer Mutter zu fahren, die in einer anderen Stadt lebt. Ihre Großtante Agathe trifft sie noch vor der Abfahrt des Zuges und erzählt ihre Geschichte: Auch sie wollte einst weit weglaufen, um Sängerin zu werden.

Wir alle kennen den Rest der Geschichte. Der Regisseur Ben Verbong hat lange beim Fernsehen gearbeitet. Und der an einen Fernsehfilm erinnernde Regieansatz ist das erste Element, das einem beim Ansehen von Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik auffällt. Überbelichtete Lichtgestaltung und ein schwaches Drehbuch, das sich komplett auf das verlässt, was in der Vergangenheit geschrieben und gedreht wurde, gehören zu den schwächsten Elementen des gesamten Spielfilms.

Abgesehen von den Momenten, in denen sich Tante und Nichte am Bahnhof unterhalten, konzentriert sich die lange Rückblende auf Agathes Geschichte vor allem auf die Beziehung zwischen Agathe und ihrem Vater Georg (diesmal viel weniger mürrisch – und weniger einprägsam – als der vom großartigen Christopher Plummer gespielte Georg von Trapp). Sehr anhänglich an ihren Vater, hatte das Mädchen eigentlich ein konfliktreiches Verhältnis zu ihrer Gouvernante Maria, die später ihre Stiefmutter werden sollte. Doch in diesem Fall wird Marias Charakter kaum vertieft. Auch der zwielichtige Charakter des Butlers oder die Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Jugendfreund Sigi werden nicht thematisiert. Und was ist mit der Musik? Abgesehen von sporadischen Elementen, die auf die Zukunft der Familie hinweisen, wird dieses Thema nie behandelt.

Kurz gesagt: Ein Drehbuch ohne bemerkenswerte Merkmale macht Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik zu einem banalen und vorhersehbaren Film. Eine neue Version der Geschichte der Familie von Trapp, die eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre.

Titel: Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik
Regie: Ben Verbong
Land/Jahr: USA, Deutschland, Österreich / 2015
Laufzeit: 98’
Genre: Filmbiografie, Drama
Cast: Mattew Macfadyen, Eliza Bennett, Rosemary Harris, Yvonne Catterfeld, Cornelius Obonya, Johannes Nussbaum, Annette Dasch, Barbara M. Messner, Brigitte Kren, Marco Dott, Lisa-Maria Trinkl, Luca Russegger, Emanuel Promberger, Alisa Rotthaler, Helen Winter, Franziska Lehfeldt, Luna Cengu, Emma Schwamberger, Miriam Plasse
Buch: Chris Silber, Tim Sullivan
Kamera: Jan Fehse
Produktion: Clasart Film- und Fernsehproduktion, Concorde Media, TMG, ORF

Info: Die Seite von Die Trapp Familie – Ein Leben für die Musik auf iMDb