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GESPENSTERJÄGER

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von Tobi Baumann

Note: 5

Das größte Problem von Tobi Baumanns Gespensterjäger ist das Drehbuch. Als wir uns dem Ende nähern, wird der Film durch wenig spontane Dialoge fast schon pathetisch und kommt nach so vielen Präambeln zu einem überstürzten und banalen Ende.

Gespenster in der Stadt

Ein kleiner grüner Geist hält sich im Keller der Villa auf, in der der elfjährige Tom (Milo Parker) lebt. Zwischen den beiden wird (fast) sofort eine schöne Freundschaft geboren werden. Das kleine Monster muss jedoch zurück in sein Zuhause (das derzeit von einem schrecklichen Eisgeist bedroht wird) gebracht werden, sonst riskiert es, für immer im Jenseits zu landen. Die tollpatschige Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft (Anke Engelke) soll den beiden helfen. All das und (wenig) mehr passiert im von Deutschland, Österreich und Irland produzierten Spielfilm Gespensterjäger (2015), bei dem der deutsche Regisseur Tobi Baumann Regie führte und der auf dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke basiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass Verfilmungen von Kinderromanen in Österreich inszeniert werden. Das hat zuletzt Stefan Ruzowitzky getan, als er nach dem Oscar-Gewinn für Die Fälscher (2007) 2008 Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch verfilmte. Das gilt auch für den Regisseur Rupert Henning, der 2019 mit Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein (2019) wahrscheinlich den besten der besagten Filme gedreht hat.

Aber kommen wir zur Sache. Gespensterjäger konzentriert sich auf die schöne Freundschaft, die sich nicht nur zwischen dem jungen Tom und dem kleinen Gespenst (Hugo, so heißt er), sondern auch zwischen den beiden und der mürrischen Hedwig entwickelt. Die drei haben etwas gemeinsam: Sie werden von der Gesellschaft, in der sie leben, als „anders“ angesehen. Eine banale Situation? Sicherlich. Wichtig ist aber, wie alles inszeniert wird. Und genau das ist das größte Problem von Gespensterjäger: Je mehr man sich dem Ende nähert, desto pathetischer wird der Film, die Dialoge sind fast substanzlos und nach vielen Präambeln kommt man zu einer überhasteten und banalen Lösung.

Gespensterjäger zeigt nichts Neues (wie viele Geschichten haben wir schon angesehen, in denen lustige Geister in Häusern spuken?), weder was das Drehbuch angeht, noch was bestimmte grafische Entscheidungen betrifft (das kleine grüne Gespenst erinnert sofort an den bekannteren Slimer von Ghostbusters). Und auch die Regie schafft es nicht, die Situation zu verbessern: Das Werk erinnert fast schon an einen Fernsehfilm (nicht umsonst hat Tobi Baumann lange beim Fernsehen gearbeitet) und auch die Spezialeffekte sind eher ungeschickt und schaffen es bei der Darstellung des Eisgeistes nicht, die jungen Zuschauer zu „erschrecken“.

Doch die mangelnde Originalität von Gespensterjäger liegt nicht allein an Tobi Baumann, sondern vielmehr an der Buchvorlage, auf der der Film basiert. Aber so ist es. Am Ende des Anschauen werden sich die jungen Zuschauer wahrscheinlich amüsieren. Doch wie lange werden sich die Menschen an Gespensterjäger erinnern? Wahrscheinlich nicht für lange. Trotz der guten Charakterisierung der drei Protagonisten (Hugo, Tom und die mürrische Hedwig) und trotz der tiefen Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelt, hat der Spielfilm eine zu schwache Persönlichkeit. Es reicht nicht aus, eine große Menge an Kapital zu haben, um einen guten Film zu produzieren. Und dieses Werk von Tobi Baumann lässt sich unweigerlich als eine Art „Collage“ aus Ausschnitten von Filmen bezeichnen, die in der Vergangenheit bereits sehr erfolgreich waren.

Titel: Gespensterjäger
Regie: Tobi Baumann
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Irland / 2015
Laufzeit: 99’
Genre: Family, Fantasyfilm
Cast: Anke Engelke, Milo Parker, Bastian Pastewka, Karoline Herfurth, Christian Tramitz, Christian Ulmen, Julia Koschitz, Ruby O. Fee, Amy Huberman, Bibiane Zeller, Carolin Kebekus, Axel Stein, Tamás Ferkay, Nina Fog, Helfried Hassfurther, Patrick Mölleken, Lara Pollmeier, Lars Walther
Buch: Tobi Baumann, Murmel Clausen, Martin Ritzenhoff, Roland Slawik, Christian Tramitz
Kamera: Thomas W. Kiennast
Produktion: Lucky Bird Pictures, Warner Bros., Immer Wieder Gerne Film, Lotus Film, Ripple World Pictures

Info: Die Seite von Gespensterjäger auf iMDb; Die Seite von Gespensterjäger auf MyMovies