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SELFPORTRAIT

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von Maria Lassnig

Note: 7.5

Selfportrait von Maria Lassnig stellt in nur fünf Minuten die gesamte Poetik der Malerin dar. Ein kurzer Stop-Motion-Trickfilm, der als eines ihrer intimsten und persönlichsten Werke gilt.

Ein Gesicht, viele Gesichter

Die österreichische Malerin Maria Lassnig hat sich in ihrer langen und produktiven Karriere oft mit der Welt der siebten Kunst beschäftigt. Und wenn sie 1970 elegante Frauenfiguren in Baroque Statues inszeniert hatte, wurde alles beim Film Iris (1971) viel abstrakter. Begierig, mit neuen Filmsprachen zu experimentieren, widmete sich die Künstlerin im selben Jahr auch der Welt der Stop-Motion-Animation und drehte den Kurzfilm Selfportrait. In diesem Bereich fand die Malerin schließlich ihren eigenen Platz in der Filmwelt, dank der Verwendung ihrer eigenen Bilder, die sich alle auf menschliche Figuren, auf Körper, auf sich ständig verändernde Gesichter konzentrieren.

Schon in diesem Selfportrait finden sich alle Themen der Poetik von Lassnig. Auch hier wird der menschliche Körper als ein Gefängnis betrachtet, aus dem man so schnell wie möglich entkommen muss. Und die Gefühle der Regisseurin – die in diesem intimen und persönlichen Werk ein sehr schmerzhaftes Selbstporträt inszeniert hat – wirken lebendiger denn je.

Was wir in Selfportrait sehen, ist das Selbstporträt der Malerin im Vordergrund, das allmählich verschiedene Formen, verschiedene Aspekte annimmt, jetzt verformt, als wäre es aus Gummi, jetzt die Züge von Greta Garbo, Bette Davis oder sogar der verstorbenen Mutter der Künstlerin annehmend. Das Voice Over der Regisseurin erzählt derweil von sich selbst. Wird es wirklich so einfach sein, diesen engen Umschlag loszuwerden? Die Welt, in der die Frau lebt, scheint in der Tat ständig gegen sie zu sein. Genauso wie die Gefängnisgitter, hinter denen wir die Protagonistin plötzlich sehen, zeigen.

Das Gesicht der Malerin ist unweigerlich gezwungen, zahlreiche Masken zu tragen, die, auch wenn sie ihm helfen, sich an verschiedene Situationen anzupassen, wie weitere Gefängnisse wirken, aus denen es noch schwieriger zu entkommen scheint.

Wenig Relevanz scheinen zwischenmenschliche Beziehungen und Liebesaffären zu haben. Die Zerbrechlichkeit der Protagonistin gewinnt. Besonders in einer Welt, in der es schwieriger denn je ist, eine Frau zu sein. Und so wird die Geschichte von Maria Lassnig zur Geschichte vieler anderer Frauen: Eine universelle Sprache, die die Frauen würdigt. Offensichtlich zerbrechliche Frauen. Frauen, die in der Lage sind, wieder aufzustehen, wiedergeboren zu werden, je nach Situation neue Formen anzunehmen, bis zu dem Moment, in dem sie zum Skelett werden.

Die Zeichnungen von Lassnig zeigen diese unglaubliche innere Stärke. Stilisierte Zeichnungen, die durch schwarze Linien mit gelegentlichen Farbflecken im Inneren gekennzeichnet sind. Zeichnungen, die es schaffen, jedes einzelne Gesicht dank eines elementaren Einsatzes von Stop-Motion-Animation perfekt zu charakterisieren.

Selfportrait zeigt uns Maria Lassnigs Poetik in nur fünf Minuten und gilt als eines ihrer intimsten, persönlichsten und repräsentativsten Werke. So wie der berühmte Kurzfilm The Ballad of Maria Lassnig, den Lassnig 1992 zusammen mit Hubert Sielecki gedreht hat.

Titel: Selfportrait
Regie: Maria Lassnig
Land/Jahr: Österreich, USA / 1971
Laufzeit: 5’
Genre: Animationsfilm, Experimentalfilm
Buch: Maria Lassnig
Kamera: Maria Lassnig
Produktion: Maria Lassnig

Info: Die Seite von Selfportrait auf der Webseite der Sixpack Film; Die Seite von Maria Lassnig auf iperarte.net