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EIN ALIBI ZERBRICHT

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von Alfred Vohrer

Note: 6.5

Alfred Vohrers Ein Alibi zerbricht ist ein fesselnder Krimi, der komplett in Wien gedreht wurde und sich durch eine internationale und „feministische“ Inszenierung auszeichnet, die dennoch manchmal ein wenig naiv wirkt.

Ein (fast) perfekter Mord

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Österreich offener für neue Wege des Filmemachens und neue Filmsprachen (tatsächlich wurde in jenen Jahren hier das Avantgarde-Kino geboren). Ebenso wurde den im Ausland produzierten Filmen mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Bei Ein Alibi zerbricht ließ sich der Regisseur Alfred Vohrer sowohl von Filmen aus Frankreich als auch aus den USA inspirieren, wo Alfred Hitchcock längst etabliert war und sein Landsmann Billy Wilder bereits einige bemerkenswerte Noir-Filme gedreht hatte.

Das Ergebnis ist ein fesselnder Krimi, komplett in Wien gedreht, mit einer internationalen und etwas „feministischen“, aber manchmal etwas naiven Inszenierung.

Die Geschichte ist die der klugen Anwältin Maria (Ruth Leuwerik), die einen Lokführer verteidigen muss, der beschuldigt wird, einen Mann mit seinem Zug überfahren und getötet zu haben. Als der Angeklagte ihr erzählt, dass es in Wirklichkeit zwei Männer waren, die das Opfer auf die Gleise gestoßen haben, beginnt sie sich Fragen zu stellen und auf eigene Faust zu untersuchen und stößt dabei auf eine immer beunruhigendere Realität.

Ein Alibi zerbricht zielt nicht auf plötzliche Wendungen ab. Ebenso wird das Publikum nicht von Anfang an über den wahren Täter informiert (wie es Hitchcock zu tun pflegte). Der Regisseur bringt den Zuschauer dazu, sich vollständig mit der Protagonistin zu identifizieren und mit ihr die gleichen Emotionen zu erleben. Und dieser besondere Ansatz funktioniert im Großen und Ganzen: Die Figuren sind gut charakterisiert (besonders Maria und ihr Mann Günther, gespielt von Peter van Eyck), die Kamera ist stets aufmerksam für Details und erzeugt die richtige Atmosphäre durch Nahaufnahmen und feine Spiegelspiele. Die eigentliche Besonderheit des Films wird jedoch durch die von Peter Thomas komponierte Filmmusik dargestellt, die perfekt in der Lage ist, je nach Situation abrupt zu ändern. Und wenn wir anfangs eine Musik hören, die uns an die Hollywood-Libeskomödien der 50er Jahre erinnert (mit eleganten Panoramaaufnahmen, die uns gut eingerichtete und gemütliche Zimmer zeigen), informieren uns plötzlich kurze Streichertöne, dass etwas Schreckliches bald passieren wird.

Und Alfred Vohrer hat auch auf das kleinste und (scheinbar) unbedeutende Detail geachtet. Trotzdem hat sein Film Ein Alibi zerbricht leider einige Schwachstellen. Und das betrifft vor allem das Drehbuch selbst. Die Atmosphären funktionieren, ebenso wie die Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Mann. Die Geschichte selbst hat jedoch mehrere Probleme. Das liegt vor allem an einem wichtigen Zufall, der den ganzen Film unglaubwürdig werden lässt. Schade.

Trotzdem ist Ein Alibi zerbricht dank seiner gekonnten Inszenierung zu einem echten Kultfilm im österreichischen Film geworden.

Titel: Ein Alibi zerbricht
Regie: Alfred Vohrer
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1963
Laufzeit: 97’
Genre: Kriminalfilm, Polizeifilm, Noir
Cast: Ruth Leuwerik, Peter van Eyck, Charles Regnier, Sieghardt Rupp, Hannelore Elsner, Dieter Klein, Michael Janisch, Fritz Schmiedel, Elisabeth Stiepl, Klaus Münster, Guido Wieland, Mario Kranz, Walter Regelsberger, Herbert Kersten, Elisabeth Epp, Alfred Vohrer
Buch: Stefan Gommermann, Werner P. Zibaso, Herbert Reinecker
Kamera: Friedl Behn-Grund
Produktion: Dr. Herbert Gruber Produktion, Sascha Verleih

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