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ROBOLOVE

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von Maria Arlamovsky

Note: 8

Robolovevon Maria Arlamovsky zeichnet sich durch seine stilistische Eleganz aus. Die Kamera fokussiert auf jedes kleinste, aber bedeutsame Detail der Roboter und gibt uns das Gefühl, ebenfalls Teil dieser Zukunft zu sein, die noch so weit weg, aber in Wirklichkeit viel näher ist, als wir uns vorstellen können. Bei der Viennale 2019.

Die Zukunft unserer Zeit

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem sonnigen Sommertag am Tisch eines Cafés. Nach ein paar Minuten mieten die beiden ein Elektroauto, fahren in den Park und setzen sich ins Gras. Was ist daran seltsam? Eigentlich nichts. Nur wenige werden jedoch bemerken, dass die Frau ein Roboter ist. Das – und noch viel mehr – passiert in dem spannenden Dokumentarfilm Robolove, der unter der Regie von Maria Arlamovsky anlässlich der Viennale 2019 erstmals in Österreich gezeigt worden ist.

Maria Arlamovsky hat sich schon immer für eine mögliche nahe Zukunft interessiert, so auch in ihrem Dokumentarfilm Future Baby (2016). In Robolove wollte sie deshalb von einer möglichen dystopischen Realität erzählen, in der Roboter den Menschen bei vielen Gelegenheiten ersetzen könnten. Aber ist es wirklich so einfach, eine solche Situation zu schaffen? Zweifelsohne lösen solche Themen eine gewisse Ratlosigkeit aus.

Während einer langen Reise von Japan in die Vereinigten Staaten zeigte uns Maria Arlamovsky viele verschiedene Realitäten, die auf einen einzigen Zweck ausgerichtet sind, und genoss es, uns zu zeigen, inwieweit Roboter in der Lage sind, Tätigkeiten auszuführen oder mit Menschen zu kommunizieren.

Robolove will diese Experimente nicht beurteilen, sondern überlässt dies ganz dem Betrachter. Der Film will uns mit einer fast theatralischen Inszenierung eine mögliche nahe Zukunft zeigen, wie es in Hollywood-Filmen oft geschehen ist. Und so sehen wir Roboter, die mit Menschen interagieren, sich noch eingeschränkt bewegen oder – viel interessanter – wir sehen ihre Konstruktion. Es gibt keine Untertitel oder Voice-Over: Maria Arlamovsky überlässt das Wort ausschließlich den Wissenschaftlern, die der Kamera kurz erklären, wie sie arbeiten und was ihre Ziele sind.

Es ist spannend, sich vorzustellen, dass in der Zukunft viele Roboter glücklich neben dem Menschen leben und durchaus in der Lage sein werden, ein eigenes Leben zu führen und bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Und es gibt sogar Menschen, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie man den Tod besiegen und schließlich die Unsterblichkeit erreichen kann.

Robolove zeichnet sich besonders durch seine stilistische Eleganz aus. Die Kamera fokussiert auf jedes kleine, aber wichtige Detail der Roboter und gibt uns das Gefühl, Teil dieser Zukunft zu sein, die noch so weit weg, aber in Wirklichkeit viel näher ist, als wir es uns vorstellen können. Und die von Maria Arlamovsky gewählte Inszenierung erinnert in ihrem poetischen und kontemplativen Ansatz sehr an die orientalische Kinematographie. Das Ergebnis ist ein spannendes Werk, das die Einsamkeit des Menschen in den Mittelpunkt stellt, der meist immer weniger mit anderen Menschen interagiert. Besonders bedeutsam ist in diesem Zusammenhang das Bild der Büste des Roboters Bina, der nach dem Ausschalten völlig regungslos mit nach vorne gebeugtem Kopf und in die Leere gerichtetem Blick bleibt.

Die Roboter, die uns in Robolove gezeigt werden, sind noch im experimentellen Stadium, können noch nicht gekauft werden und gehören noch nicht zum Alltag. Die Möglichkeit, dass sie eine besonders relevante Rolle innerhalb unserer Gesellschaft einnehmen könnten, scheint noch weit entfernt. Aber nicht weit genug, um zu verhindern, dass hitzige Debatten zu diesem Thema geführt werden. Was wird in der Zukunft passieren?

Titel: Robolove
Regie: Maria Arlamovsky
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 79’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Maria Arlamovsky
Kamera: Sebastian Arlamovsky
Produktion: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH

Info: Die Seite von Robolove auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Robolove auf geyrhalterfilm.com