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DIE DOHNAL

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von Sabine Derflinger

Note: 7

Obwohl die feministische Politikerin Johanna Dohnal seit fast zehn Jahren nicht mehr lebt, ist es Sabine Derflinger im Dokumentarfilm Die Dohnal gelungen, sie perfekt zu beschreiben: Viele kleine Teile ergeben ein großes Porträt. Bei der Viennale 2019.

Wichtige Frauenrechte

Ein Gesicht mit zarten und beruhigenden Gesichtszügen. Eine kräftige und beeindruckende Figur. Eine Zigarette in der Hand und ein Haarschnitt, der an eine sehr junge Lady Diana erinnert. Eine Person, die immer für die Rechte der Frauen in Österreich gekämpft hat, ist die 2010 verstorbene Johanna Dohnal, die in den 1980er Jahren Staatssekretärin der SPÖ war. Die Anerkennung bestimmter Rechte in Bezug auf Mutterschaftsurlaub oder die Arbeitswelt ist ihr zu verdanken. Sie inspirierte ebenso viele Frauenrechtsbewegungen, die auch heute noch aktiv sind.

Die Filmemacherin Sabine Derflinger würdigte die bedeutende Persönlichkeit mit ihrem Dokumentarfilm Die Dohnal bei der Viennale 2019. Der Film zeichnet die Momente der politischen Karriere von Johanna Dohnal nach: Ihre Wahl, ihre vielen Kämpfe und ihre frühe Entlassung aus dem Amt der Staatssekretärin, weil sie ihre Absichten „zu direkt“ darlegte.

Der Dokumentarfilm Die Dohnal hat eine elliptische Struktur. Eine elliptische Struktur mit Auszügen aus den Tagebüchern von Johanna Dohnal über ihren Rücktritt von politischen Ämtern am Anfang und am Ende des Films. Das Ergebnis ist das Porträt einer Frau, die sofort so charismatisch und selbstbewusst wirkt, dass man sich sogar vorstellen kann, wie „unangenehm“ sie für ihre Abgeordneten oder für die Opposition gewesen sein könnte.

Der Dokumentarfilm ist besonders reich an Material: Archivaufnahmen, alte Interviews mit Johanna Dohnal oder Bürgern, Erzählungen von Menschen, die die Aktivistin persönlich kannten (darunter vor allem ihre Tochter, ihre Enkelin, Annemarie Aufreiter – ihre Lebensgefährtin – und ihr persönlicher Fahrer) und auch alte Fotos, die uns eine sehr junge Johanna Dohnal bei ihrer Arbeit oder beim Spielen mit ihren Kindern zeigen. Obwohl Dohnal schon vor fast zehn Jahren gestorben ist, hat Sabine Derflinger es geschafft, sie perfekt zu beschreiben. So viele kleine Teile bilden ein großes Porträt.

Die Inszenierung ist ganz klassisch. Und das funktioniert. Sabine Derfinger hat sich entschieden, direkt zur Sache zu kommen. So wie es Johanna Dohnal getan hätte. Und auch wenn es zu linear ist, ist dies vielleicht die einzig mögliche Inszenierung für einen Dokumentarfilm über eine Figur, die für Österreich im zwanzigsten Jahrhundert so viel Bedeutung gehabt hat.

Titel: Die Dohnal
Regie: Sabine Derflinger
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 105’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Sabine Derflinger
Kamera: Christine A. Maier, Eva Testor
Produktion: Plan C Filmproduktion, Derflinger Film

Info: Die Seite von Die Dohnal auf der Webseite der Viennale; Die Seite von Die Dohnal auf der Webseite der Austrian Film Commission