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DIESER FILM IST EIN GESCHENK

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von Anja Salomonowitz

Note: 8

In Dieser Film ist ein Geschenk scheut sich Anja Salomonowitz nicht, mit neuen Filmsprachen zu experimentieren. Das Ergebnis ist eine poetische und angenehme Hymne an das Leben. Eines der intimsten und persönlichsten Werke der Regisseurin. Ein Film, der auf intelligente Weise jeden Aspekt des Lebens akzeptiert und verarbeitet. Bei der Viennale 2019.

Metamorphose

Ein Juwel zeitgenössischer österreichischer Kinematographie wurde bei der Viennale 2019 präsentiert. Es handelt sich um den Dokumentarfilm Dieser Film ist ein Geschenk von Anja Salomonowitz, die sich mit einem zärtlichen und spielerischen Ansatz mit dem Künstler Daniel Spoerri und seinen einzigartigen Kunstwerken beschäftigt, die hauptsächlich mit alten Gegenständen oder Utensilien hergestellt werden.

Und dieser Film ist ein echtes Geschenk: Das Geschenk, das Anja Salomonowitz Daniel Spoerri gemacht hat, um seine außergewöhnliche Fähigkeit zu würdigen, Gegenständen, die sonst weggeworfen würden, neues Leben zu geben.

Aber wie ist Dieser Film ist ein Geschenk zustande gekommen? Der Vater der Regisseurin starb letztes Jahr. Anja Salomonowitz schenkte Spoerri deshalb einige seiner alten Küchenutensilien. Durch Spoerris Werk sind diese Objekte dazu bestimmt, mit unterschiedlichen Zwecken „wieder zum Leben zu erwachen“. Dies ist also der Kern des Dokumentarfilms: Eine tiefgründige, bewegende und zuweilen ironische Überlegung über Leben und Tod, ein persönlicher Weg der Trauerbewältigung.

Kurz gesagt: Das Leben geht zu Ende und wird in etwas Neues verwandelt. Eine zyklische Wiederholung der Ereignisse, eine Art profane Verklärung. Besonders emblematisch ist in dieser Hinsicht der amüsante Kurzfilm Resurrection, der 1968 von Daniel Spoerri gedreht wurde und den die Regisseurin zur Eröffnung von Dieser Film ist ein Geschenk zeigte. Bereits nach dem Anschauen von Resurrection verstehen wir die Bedeutung von Salomonowitz‘ Dokumentarfilm: Hier wird nämlich das Leben eines Ochsen rückwärts gezeigt, der sich nach dem Verzehr in Exkremente verwandelte. Langsam wird der Ochse aber wieder zum Steak, dann geht er zurück in den Schlachthof und kehrt schließlich zum friedlichen Grasen zurück.

Besonders interessant in Dieser Film ist ein Geschenk ist die Verarbeitung der Geräusche: Die Klänge der von den Händen des Künstlers bewegten Objekte werden immer wieder wiederholt, auch nachdem sie scheinbar ihren endgültigen Ruheplatz gefunden haben. Zahlreiche Stimmen werden auch zu den Protagonisten des Dokumentarfilms. Es sind die Stimmen der Regisseurin, ihres Sohnes Oskar, Daniel Spoerri und die auf dem Anrufbeantworter aufgenommene Stimme des Vaters der Regisseurin. Stimmen, die einer fernen Vergangenheit angehören, die aber in diesem wertvollen Film endgültig unsterblich geworden sind.

Vergangenheit und Gegenwart treffen aufeinander und interagieren miteinander. Verschiedene Generationen kommen miteinander in Kontakt und finden eine gemeinsame Sprache, ein besonderes Verständnis. So wie wenn der Sohn der Regisseurin mit Spoerri spricht, als ob die beiden sich schon lange kennen würden. Alles wiederholt sich in Dieser Film ist ein Geschenk. Alles kommt entweder mit einem anderen Aussehen oder einfach in Erinnerungen zurück. So wie Daniel Spoerri, wenn er als rumänischer Einwanderer jüdischer Herkunft an bestimmte Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg zurückdenkt.

Anja Salomonowitz scheut sich nicht, mit neuen Filmsprachen zu experimentieren. Und in Dieser Film ist ein Geschenk wendet sich ihre Off-Stimme mal ironisch, mal nostalgisch und nachdenklich direkt an das Publikum. Und am Ende fühlen wir uns erleichtert, hoffnungsvoll und – ja – auch besonders bewegt. Dieser Film ist ein Geschenk ist eine wahre Hymne an das Leben, eines der intimsten und persönlichsten Werke der Regisseurin. Ein Film, der jeden Aspekt des Lebens annimmt und intelligent verarbeitet. Ein Dokumentarfilm seltener Empfindlichkeit, durchdachter Tiefe und feiner Schönheit.

Titel: Dieser Film ist ein Geschenk
Regie: Anja Salomonowitz
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 72’
Genre: Dokumentarfilm, Experimentalfilm
Cast: Daniel Spoerri, Oskar Salomonowitz, Federico Vecchi
Buch: Anja Salomonowitz
Kamera: Martin Putz
Produktion: Anja Salomonowitz, Virgil Widrich Filmproduktion

Info: Die Seite von Dieser Film ist ein Geschenk auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Dieser Film ist ein Geschenk auf der Webseite der Viennale; Die Webseite von Anja Salomonowitz; Die Webseite von Daniel Spoerri