der-meineidbauer-1926-kolm-fleck-kritik.jpg

DER MEINEIDBAUER

      Keine Kommentare zu DER MEINEIDBAUER

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck

Note: 7

Der Meineidbauer (1926) ist der erste Film von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck, der in Deutschland produziert wurde, obwohl die Dreharbeiten bereits einige Jahre zuvor in Österreich stattgefunden hatten. Ein Film, der sich in vielen seiner technischen Aspekte als ein hybrides Werk entpuppt, das zwei Nationen und zwei Jahrzehnte verbindet. Bei der Viennale 2019, im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive.

Ein neues Leben

Die österreichischen Filmpioniere Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck zogen 1926 nach Berlin, wo sie in Zusammenarbeit mit der Hegewald Film ihre Karriere als Filmemacher fortsetzten und rund vierzig Spielfilme drehten. Und genau 1926 entstand der Film Der Meineidbauer, der anlässlich der Viennale 2019 im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive präsentiert worden ist. Es handelt sich um den ersten in Deutschland produzierten Film des Paares, obwohl die Dreharbeiten bereits einige Jahre zuvor in Österreich stattgefunden hatten.

Das junge Bauernmädchen Vroni hat sich in den reichen Jakob verliebt, hat zwei Kinder mit ihm bekommen, aber wegen der Einwände seiner Familie noch nicht geheiratet. Eines Tages beschließt ihr Lebensgefährte, nach Wien zu seiner Mutter zurückzukehren, um sie um Erlaubnis zur Heirat zu bitten. Der Mann stirbt jedoch plötzlich und Vroni, die ihn nicht mehr rechtzeitig heiraten konnte, braucht ein Testament, damit sie erben kann, was ihr zusteht. Die Situation ist jedoch sehr kompliziert.

Ein einzigartiger Film, Der Meineidbauer. Wie bereits erwähnt, wurde der Spielfilm zunächst in Österreich gedreht und dann in Deutschland fertiggestellt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Film, obwohl er 1926 veröffentlicht wurde (als Fritz Lang in der Zwischenzeit Metropolis drehte), die Merkmale eines in den 1910er Jahren gedrehten Films aufweist. Und das nicht nur, was das Drehbuch betrifft.

Wir sehen zum Beispiel keine Kamerabewegungen, die Nahaufnahmen der Protagonisten kommen selten vor und das Spiel der Darsteller wirkt übertrieben, mit fast theatralischen Gesten. So wie es bis wenige Jahre nach der Erfindung des Kinematographen geschah. Und so wird eine der dramatischsten Szenen (als Jakobs Neffe erschossen wird) sofort unbeabsichtigt komisch und lässt uns an den berühmten Film Der große Eisenbahnraub (Edwin Stanton Porter, 1903) denken, in dem die von Banditen getöteten Menschen so komisch zu Boden fielen, dass sie unweigerlich zum Lachen brachten.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Films Der Meineidbauer ist die besondere Färbung des Films durch die Technik der Virage mit Anilinfarben, die auf die Dramatik der Ereignisse oder auch verschiedene Momente des Tages hinweist. So wie es in den 1910er Jahren geschah.

Der Spielfilm ist zwar in vieler Hinsicht anachronistisch, weist aber auch einen besonders dynamischen Schnitt auf: Das Ehepaar Fleck vollendete das Werk, indem es sich dem Stil der damaligen Zeit anpasste.

Ein echter Übergangsfilm: Der Meineidbauer. Ein Juwel des österreichischen und deutschen Films, das perfekt zwischen zwei Nationen und zwei verschiedenen Jahrzehnten angesiedelt ist.

Titel: Der Meineidbauer
Regie: Louise Kolm-Fleck, Jakob Fleck
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1926
Laufzeit: 82’
Genre: Drama
Cast: Artur Ranzenhofer, Eduard von Winterstein, Elisabeth Markus, Alfred Gerasch, Ingrid Petersen, Philippine Russek, Cornelius Kirschner, Olaf Storm, Josephine Josephi, Margarete Thumann, Fritz Raimund, Gisela Günther, Fritz Hofbauer
Buch: Ludwig Anzengruber, Siegfried Philippi
Kamera: Siegfried Philippi, Friedrich Weinmann
Produktion: Hegewald Film

Info: Die Seite von Der Meineidbauer auf iMDb; Die Seite von Der Meinedbauer auf Filmportal.de