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DAS RECHT AUF LIEBE

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von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck

Note: 6.5

Im Film Das Recht auf Liebe setzt sich das Ehepaar Fleck mit dem brennenden Thema der männlichen Impotenz auseinander und zeichnet sich im Vergleich zu ihren bisherigen Werken durch einen deutlich reiferen und bewussteren Regieansatz aus. Bei der Viennale 2019, im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive.

Eheleben

Dr. Magnus Hirschfeld hat die Bedeutung der Ehe in all ihren Aspekten erläutert und dabei insbesondere auf einige Fälle männlicher Impotenz und die Haltung mancher Ehefrauen eingegangen, die über ihre Rechte überhaupt nicht informiert sind. Auszüge aus seinen Schriften wurden bei der Eröffnung des Spielfilms Das Recht auf Liebe gezeigt, bei dem Louise Kolm Fleck und ihr Mann Jakob Fleck 1929 Regie führten, nachdem die beiden nach Berlin gezogen waren und mit der Hegewald Film zu arbeiten begannen. Und so wurde anlässlich der Viennale 2019 der Film im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive präsentiert.

Dieser Film hatte, wie man sich vorstellen kann, viele Probleme mit der Zensur: Ein solches Thema war für die damalige Zeit sehr heiß (aber das Ehepaar Fleck inszenierte oft Situationen, die noch als Tabu galten, wie zum Beispiel sexuelle Gewalt in Mädchen am Kreuz – 1929 – oder Abtreibung in Frauenarzt Dr. Schäfer – 1928). Hinzu kommt, dass die Filmrolle, die bisher in der Filmbibliothek in Ajaccio aufbewahrt wurde, leider unvollständig ist, da etwa dreihundert Meter Film fehlen. Doch das Filmarchiv Austria sorgte dafür, dass Das Recht auf Liebe so originalgetreu wie möglich rekonstruiert werden konnte.

Die junge Evelyn (der damalige Star Evelyn Holt) hat einen Mann geheiratet, der durch eine Kriegsverletzung hoffnungslos impotent geworden ist. Trotz allem scheinen die Dinge zunächst gut zu laufen, aber die Situation wird sich komplett ändern, als die Frau einen charmanten Familienfreund kennenlernt, der sich sofort in sie verliebt.

Und der Moment, in dem sich die beiden auf einer Party treffen, ist wohl die bedeutendste Szene im Film Das Recht auf Liebe. Mit einem reiferen und mutigeren Regieansatz konzentriert sich die Kamera des Ehepaars Fleck in einer gekonnten Parallelmontage auf die Großaufnahmen der Protagonisten und schafft einen Austausch von Blicken, der keiner Worte bedarf.

Denkt man an die früheren Filme des Paares zurück, wirken die Filmemacher bei Das Recht auf Liebe mutiger denn je. Zahlreiche Überblendungen am Anfang und am Ende des Spielfilms zeigen uns hektische Arbeitstage in der Fabrik mit Maschinen, die sich ununterbrochen bewegen, eine unglaublich agile Kamera wird zur eigentlichen Besonderheit des Films.

Das einzige „schwache“ Element ist eben das Drehbuch. Das Drehbuch ist zwar insgesamt einfach und linear, aber am Ende wirkt es fast “ überhastet“, wodurch der Spielfilm fast an Glaubwürdigkeit verliert. Schade. Vor allem, weil der Film Das Recht auf Liebe trotz allem eine Reife und eine Weitsichtigkeit zeigt, die wirklich außergewöhnlich ist.

Titel: Das Recht auf Liebe
Regie: Louise Kolm-Fleck, Jakob Fleck
Land/Jahr: Deutschland / 1929
Laufzeit: 71’
Genre: Liebesfilm
Cast: Georg Alexander, Evelyn Holt, Georgia Lind, Hermine Sterler, Henry Stuart, Igo Sym
Buch: Magnus Hirschfeld, Hans Rosen
Kamera: Nicolas Farkas
Produktion: Hegewald Film

Info: Die Seite von Das Recht auf Liebe auf der Webseite vom Filmarchiv Austria; Die Seite von Das Recht auf Liebe auf iMDb