ein-tag-aus-dem-familienleben-des-erzherzog-leopold-salvator-1913-kolm-fleck-kritik

EIN TAG AUS DEM FAMILIENLEBEN DES ERZHERZOG LEOPOLD SALVATOR

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

von Verschiedene Autoren

Note: 6.5

Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzog Leopold Salvator (1913) wirkt trotz seiner für die damalige Zeit rudimentären Regie insgesamt sympathisch und angenehm, aber auch ironisch und selbstironisch. Bei der Viennale 2019, im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive.

Im Hause des Herzogs

Nachdem sich die Filmkunst in Österreich endlich durchgesetzt hatte, entstanden viele Filme, die den Alltag oder auch nur bestimmte Ereignisse zeigten. Es kam oft vor, dass sich besonders prominente Menschen dazu entschlossen, sich filmen zu lassen, um der ganzen Welt kurze Momente ihres Privatlebens zu zeigen. Dies war zum Beispiel bei dem Film Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzog Leopold Salvator der Fall, der 1913 entstand und von der Wiener Kunstfilm produziert wurde, einer der ältesten Filmproduktionsgesellschaften Österreichs, die von der Regisseurin Louise Kolm-Fleck gemeinsam mit ihrem Mann Anton Kolm und ihrem Assistenten Jakob Fleck gegründet wurde. Vom Filmarchiv Austria restauriert, wurde der Film bei der Viennale 2019 im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Retrospektive präsentiert.

Interessant ist, wie alle diese Filme, obwohl sie eine dokumentarische Form hatten, trotz eines noch rudimentären Regieansatzes eine gut durchdachte Inszenierung nutzten. Bei diesen Gelegenheiten wurden also entweder professionelle Schauspieler hinzugezogen, um bestimmte Situationen darzustellen, oder die gefilmten Charaktere wurden aufgefordert, sich vor der Kamera auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Dies ist zum Beispiel beim Film Typen und Szenen aus dem Wiener Volksleben (1911) der Fall, ebenso wie bei Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzogs Leopold Salvator, der in drei Abschnitte unterteilt ist.

Und so sehen wir in der ersten Szene die Familie des Herzogs in Paare aufgeteilt, die alle im Gänsemarsch vor dem Eingang zu ihrer prächtigen Villa stehen. Langsam nähern sich der Herzog und seine Frau der Kamera, nicken und gehen, um Platz für die anderen Paare (bestehend aus ihren Kindern) zu machen, die sich genauso verhalten. Und das alles wirkt auf uns sehr komisch wegen der unbeholfenen Gesten der Charaktere (lustig zu beobachten, wie einige von ihnen nach der Begrüßung ihren Partner am Arm ziehen, um ihm zu verstehen zu geben, dass es Zeit ist, sich von der Kamera wegzubewegen) und wegen einer zu unnatürlichen Inszenierung.

Das Gleiche gilt für die beiden anderen Abschnitte, die uns jeweils den Herzog zeigen, wie er neben seinem Pferd posiert (das sich in seiner unnatürlichen Pose ebenfalls sichtlich unwohl fühlt und ruckelt, was den Herzog selbst in Verlegenheit bringt) und die ganze Familie, die unbeschwert zu einem Ausritt aufbricht.

Und so ist der Film Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzogs Leopold Salvator im Großen und Ganzen nett und angenehm, aber auch ironisch und selbstironisch. Dennoch können wir sehen, dass die Kameraleute in ihrem Regieansatz weit hinter dem Rest der Welt zurücklagen (in diesen kleinen Dokumentarfilmen aus den 1910er Jahren sehen wir zum Beispiel keine Kamerabewegungen). Trotzdem haben auch diese Filme im Laufe der Zeit eine große historische Bedeutung erlangt. Außerdem lässt sich nicht leugnen, dass man nach dem Ansehen von Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzogs Leopold Salvator sicher gute Laune hat.

Titel: Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzog Leopold Salvator
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1913
Laufzeit: 3’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Produktion: Wiener Kunstfilm

Info: Die Seite von Ein Tag aus dem Familienleben des Erzherzog Leopold Salvator auf der Webseite der Viennale