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DAS GÄNSEHÄUFEL

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von Verschiedene Autoren

Note: 7

Das Gänsehäufelwurde 1912 von der Wiener Kunstfilm produziert und zeigt uns eine Episode des damaligen Wiener Lebens. Der Film vermittelt gute Laune und wird zum Finale hin immer poetischer und kontemplativer. Bei der Viennale 2019, im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten Reihe.

Bilder von glücklichen Tagen

Das Gänsehäufel ist eine kleine Insel in der Nähe der Donau in Wien. Seit jeher ist er ein beliebtes Ziel der Wiener, wenn sie schwimmen gehen oder sich einfach nur sonnen wollen. Dieser Badeort zog sofort die Aufmerksamkeit der damaligen Filmemacher auf sich, zu einer Zeit, als auch in Österreich die ersten Filme gedreht wurden. So entstand der Film Das Gänsehäufel, der 1912 von der Wiener Kunstfilm produziert wurde, einer der ältesten Filmproduktionsgesellschaften Österreichs, gegründet von Louise Kolm-Fleck zusammen mit ihrem Mann Anton Kolm und ihrem Kollegen Jakob Fleck.

Der Film Das Gänsehäufel ist ein Juwel des österreichischen Filmschaffens und wurde anlässlich der Viennale 2019 im Rahmen der Louise Kolm-Fleck gewidmeten, vom Filmarchiv Austria kuratierten Reihe wieder gezeigt.

Doch was zeigt uns der Film Das Gänsehäufel eigentlich? In nur sechs Minuten wird uns eine Reihe von Badegästen gezeigt, die sich fröhlich und vergnügt auf den Weg in den berühmten Badeort machen. Aufgeteilt in mehrere Abschnitte, die eine Frau beim Umziehen in einen Badeanzug, eine Gruppe von Männern beim Turnen und eine Gruppe von Frauen beim Tauchen im Wasser zeigen, zeigt uns der Film einen der vielen Urlaubstage in Wien. Und das auf eine sehr ironische und amüsante Art und Weise.

Interessanterweise lächeln die gefilmten Personen ständig, während sie in die Kamera schauen. Dies zeigt ein volles Bewusstsein und eine ausgeprägte Neugierde gegenüber dieser neuen Erfindung. Als der Film Das Gänsehäufel gedreht wurde (1912), war der Kinematograph bereits seit einigen Jahren von den Brüdern Lumière erfunden worden. Doch die Produktionsfirmen in Österreich entstanden erst einige Jahre später. Die einzigen Filme, die bis dahin in der österreichischen Hauptstadt gedreht worden waren, stammten von französischen Kameraleuten, die entweder für die Brüder Lumière oder für die Produktionsgesellschaft Pathé arbeiteten. Und Louise Kolm-Fleck hat von Anfang an alles dafür getan, dass der Film in Österreich eine Chance hat, sich zu entwickeln. Der Film Das Gänsehäufel gehörte also zu den ersten Werken, die sie produzierte.

Der Regieansatz zeichnet sich auch durch einen dynamischen und gut durchdachten Schnitt aus (wie zum Beispiel in der Szene, in der eine Frau, die in einer Kabine ihren Badeanzug anziehen will, nach einem Jump Cut plötzlich tauchbereit herauskommt). Gleichzeitig ist aber auch eine gewisse Naivität zu erkennen. Die Tatsache, dass die Figuren direkt in die Kamera schauen, lässt uns an den ersten Film der Filmgeschichte denken: Arbeiter verlassen die Lumière-Werke (1895). In diesem Film erscheinen uns die Arbeiter, die die Fabrik der Gebrüder Lumière verlassen, trotz eines langen Arbeitstages noch lebhaft und fröhlich. Und ab und zu schauen auch sie lächelnd in die Kamera.

So ist der Film Das Gänsehäufel ein wichtiges Zeugnis einer Episode des damaligen Wiener Lebens, vermittelt gute Laune und wird immer poetischer und kontemplativer. So auch in der Szene, in der wir am Ende des Urlaubstages eine kleine Familie am Fluss sitzen sehen, die den Horizont betrachtet, während die beiden Kinder unbeschwert spielen.

Titel: Das Gänsehäufel
Regie: Verschiedene Autoren
Land/Jahr: Österreich / 1912
Laufzeit: 6’
Genre: Dokumentarfilm
Buch: Verschiedene Autoren
Produktion: Wiener Kunstfilm

Info: Die Webseite vom Filmarchiv Austria