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NOBADI

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von Karl Markovics

Note: 8

Nobadi, der dritte Film von Karl Markovics, ist eine zeitlose Geschichte, eine universelle, stark symbolische Geschichte. Eine Geschichte, in der sich die beiden guten Protagonisten ihrer schwierigen Vergangenheit zuwenden müssen. Ein Film, der eine außergewöhnliche künstlerische Reife offenbart.

Vergangenheit und Gegenwart

Der „Kleingartenverein“ im 15. Wiener Gemeindebezirk ist eine einzigartige Realität, die es den Bewohnern ermöglicht, einen kleinen Garten zu bewirtschaften und – warum nicht? – auch kleine Häuser zu bauen. Dieser Ort erscheint uns fast als eine Art Nicht-Ort, oder besser gesagt, als ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Dies ist der Ort, den Karl Markovics – hier in seinem dritten Spielfilm als Regisseur nach Atmen (2011) und Superwelt (2015) – als Drehort für den Film Nobadi wählte, der im Wettbewerb beim Toronto Film Festival 2019 lief.

Kurz gesagt: Der ideale Drehort für eine Geschichte, die mit einer ausgewogenen Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit wichtige aktuelle Themen behandelt, und die komplizierte menschliche Beziehungen auf eine Weise inszeniert, die nie ins Rhetorische oder Banale abgleitet. Im Film Nobadi wird daher die Geburt einer Freundschaft inszeniert, die einer Beziehung zwischen Vater und Sohn gleicht. Das ist die Beziehung, die sich zwischen dem älteren und mürrischen Heinrich Senft (Heinz Trixner) und dem jungen afghanischen Einwanderer Adib Ghubar (Borhanulddin Hassan Zadeh), genannt Nobadi, entwickelt. Zwei Charaktere mit zwei schwierigen Vergangenheiten, deren Schicksale sich zufällig treffen, weil in Heinrichs kleinem Garten ein Baumstamm entwurzelt werden soll.Wer könnte ihm also besser helfen als der junge Nobadi, ein Loch zu graben, um seinen verstorbenen Hund zu begraben?

Nobadi ist eine zeitlose Geschichte, eine universelle, stark symbolische Geschichte. Eine Geschichte, in der die beiden guten Protagonisten lernen müssen, sich selbst kennen zu lernen und sich ihrer schwierigen Vergangenheit zu stellen. Im Film Nobadi wiederholt sich die Geschichte, als gäbe es gar keine Hoffnung auf Erlösung. Oder nicht? Antworten darauf will Karl Markovics nicht geben, aber er hat mit einem guten Drehbuch zwei perfekt charakterisierte Figuren geschaffen, die dem Zuschauer nicht zu viel erzählen müssen. Ein Film der Stille, Nobadi. Es ist aber auch ein Film voller langer Dialoge und Monologe, wie in der berührenden Szene, in der der Junge in seiner eigenen Sprache von seiner schwierigen Vergangenheit erzählt.

Ein Film, in dem sich die inneren Wandlungen der Figuren (und insbesondere der von Trixner gespielten Figur) ganz natürlich vollziehen, obwohl die Zeichen ihrer Vergangenheit stets offensichtlich sind. Und so werden wir in diesem zeitlosen Ort Zeuge der exzellenten Leistungen der beiden Schauspieler, die perfekt in der Lage sind, den Zuschauer zu verwirren und zu begeistern und ihn sofort Teil der Geschichte werden zu lassen.

Karl Markovics hat keine Angst, etwas zu wagen. Und im Film Nobadi ist er mutiger denn je. Hat er schon in seinem Debütfilm Atmen eine hervorragende Leistung abgeliefert, so sehen wir mit diesem dritten Spielfilm, wie der Schauspieler als Regisseur weiter gereift ist. Und natürlich auch als Drehbuchautor. Das gute Ergebnis des Films Nobadi ist (auch) einem hervorragenden Drehbuch zu verdanken, das jedes Klischee vermeidet, wie es bei solchen Themen oft vorkommt. Die eigentliche Besonderheit des Films wird aber durch zwei wichtige Charaktere repräsentiert: Der erste ist stark von einer dunklen Vergangenheit geprägt, der zweite hat aus seiner Vergangenheit gelernt, wie man überlebt. Eine Art postmoderner Odysseus (und hier bezieht sich sein Spitzname Nobadi, niemand, genau auf die Taten von Homers Held).

Was wird bei einem solchen Treffen herauskommen? Wahrscheinlich können nur einfache Blicke es am besten beschreiben. Ohne dass weitere Worte nötig sind.

Titel: Nobadi
Regie: Karl Markovics
Land/Jahr: Österreich / 2019
Laufzeit: 89’
Genre: Drama
Cast: Heinz Trixner, Borhanulddin Hassan Zadeh, Konstanze Dutzi, Simone Fuith, Julia Schranz, Sven Sorring
Buch: Karl Markovics
Kamera: Serafin Spitzer
Produktion: Epo-Film Produktionsgesellschaft

Info: Die Seite von Nobadi auf der Webseite der Epo-Film; Die Seite von Nobadi auf iMDb; Die Seite von Nobadi auf der Webseite der Austrian Film Commission