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IRIS

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von Maria Lassnig

Note: 7.5

Hatte sich bereits Baroque Statues – der erste Kurzfilm der österreichischen Malerin Maria Lassnig – als besonders wertvolles Werk erwiesen, so wird Iris (1971) als die natürliche Ergänzung des vorherigen Werks eingestuft. Eine perfekte Synthese der Poetik der Künstlerin.

Elegante Blumen

Nach einem Debüt mit dem experimentellen Kurzfilm Baroque Statues (1970) setzte die österreichische Malerin Maria Lassnig ihre einzigartige Karriere im Film fort. Hatte sich schon Baroque Statues als ein besonders wertvolles Werk erwiesen, so wird Iris, ihr nächstes Werk (1971), als die natürliche Ergänzung ihres bisherigen Films eingestuft. Eine perfekte Synthese der Poetik der Künstlerin. Und auch hierbei wird der menschliche Körper zum absoluten Protagonisten.

Wir befinden uns in einem Raum, im Halbdunkel.Die Kamera filmt den Körper einer Frau. Nein. Zwei Frauenkörper. Zwei nackte Körper, die nichts Erotisches vermitteln, aber dank Lassnigs Kamera scheinen sie die unterschiedlichsten Formen anzunehmen. Bis zu dem Punkt, dass sie nicht einmal mehr wie menschliche Körper aussehen. Bilder von Blumen (und speziell von Schwertlilien) sind die ersten, die uns in den Sinn kommen. Doch plötzlich stößt Maria Lassnig unsere anfänglichen Überzeugungen um, schockiert und überrascht uns. Und sie führt uns zu einem bemerkenswerten finalen Crescendo, das, ähnlich wie im Kurzfilm Baroque Statues, immer abstrakter, immer unbestimmter wird.

Und so sieht auch dieser Film Iris den menschlichen Körper als ein Gefängnis. Ein Gefängnis, aus dem man sich so schnell wie möglich befreien sollte. Und nur wenn man sich von allen Zwängen „befreit“, kann man eine sogenannte „höhere Ebene“ erreichen.

Iris zeichnet sich auch durch eine sehr elegante Ästhetik aus, die ihre Stärke in klaren Bezügen zur Kunstgeschichte sieht: Das Licht erinnert von Zeit zu Zeit an die Gemälde von Caravaggio, Velazques, Rembrandt. Durch Spiegelspiele sehen wir, wie sich die Körper verdoppeln, fast miteinander sprechen und sich in einem Tanz vereinen, wobei sie langsam jede menschliche Form verlieren.

Betrachtet man die gesamte Karriere von Maria Lassnig, so fällt auf, dass der Kurzfilm Iris als ihr reinstes Werk betrachtet werden kann, das frei von jeglicher „äußeren Kontamination“ ist und sich nur auf den menschlichen Körper konzentriert. Auf einen Körper in ständiger Mutation, wie er auch vom berühmten David Cronenberg inszeniert wurde. Dies ist auch der letzte Realfilm vor einer Reihe von animierten Kurzfilmen, die mit den Gemälden der Künstlerin realisiert wurden. Bald darauf drehte Maria Lassnig den Film Selfportrait (1971). Das ist aber eine andere Geschichte.

Titel: Iris
Regie: Maria Lassnig
Land/Jahr: Österreich / 1971
Laufzeit: 10’
Genre: Experimentalfilm
Buch: Maria Lassnig
Kamera: Maria Lassnig
Produktion: Maria Lassnig

Info: Die Seite von Iris auf sixpackfilm.com