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GEORG WILHELM PABST – ÄSTHETISCHER REALIST

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Georg Wilhelm Pabst hat nie in Österreich gearbeitet. Und doch haben sich die Einflüsse seiner Heimat in seiner Poetik immer stark bemerkbar gemacht, vor allem im Hinblick auf ihre Unkonventionalität, die ständig zwischen dem Wunsch nach Erneuerung und starkem Dekadentismus schwankt, dem eigentlichen Markenzeichen eines Großteils der österreichischen Kulturproduktion.

Ein unverwechselbarer Stil

Einer der bedeutendsten Regisseure des deutschen expressionistischen Kinos ist zweifelsohne Georg Wilhelm Pabst. Dieser bedeutende Filmemacher arbeitete nie in seiner Heimat Österreich, sondern hatte bald die Möglichkeit, Filme im benachbarten Deutschland und – in eher kurzen Zeiträumen – auch in den Vereinigten Staaten und Frankreich zu drehen. Und doch sind die Einflüsse seiner Heimat in seiner Poetik immer wieder laut und deutlich zu spüren, vor allem in ihrer Unkonventionalität, die ständig zwischen dem Wunsch nach Erneuerung und starkem Dekadentismus schwankt, dem eigentlichen Markenzeichen vieler österreichischer Kulturproduktionen.

Georg Wilhelm Pabst wurde am 25. August 1885 in Bayern – in der Stadt Raudnitz – als Sohn eines Eisenbahnangestellten geboren, der aus einer Wiener Familie stammte. Seine Veranlagung für Berufe im künstlerischen Bereich war sofort ersichtlich und nach einem Schauspielstudium in Wien begann er als Theaterschauspieler zu arbeiten, bevor er sich 1912 am Deutschen Volkstheater in New York endgültig der Regie widmete. Bald zog er nach Deutschland, wo er 1923 seinen ersten Film Der Schatz drehte. Unmittelbar fasziniert von dem aufbrausenden kulturellen Klima und der neu entstehenden Bewegung des Expressionismus, schuf Georg Wilhelm Pabst seinen persönlichen Stil, in dem sich der rohe Realismus harmonisch mit einer sorgfältig ausgearbeiteten Ästhetik mit starken Bezügen zur Malerei verband.

In seinen Filmen bemerkt man oft eine gelungene Verschmelzung von Fiktion und Dokumentation. Dies war zum Beispiel bei seinem ersten erfolgreichen Film Geheimnisse einer Seele von 1926 der Fall, für den Pabst zunächst seinen Landsmann Sigmund Freud und nach dessen Absage seine Kollegen Hans Sachs und Karl Abraham um Rat fragte. Der Film zeigte unzensierte Neurosen und die daraus resultierenden Therapien (bis hin zur Beeinflussung sogar von Alfred Hitchcock und Louis Buñuel, vor allem in Bezug auf die legendäre Cut-Eye-Szene in Ein andalusischer Hund) und der Spielfilm markierte den Beginn von Pabsts Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Werner Krauss.

Indem Georg Wilhelm Pabst der Ästhetik des deutschen Expressionismus einen kruden Realismus entgegensetzte, kam er der so genannten Neuen Sachlichkeit näher, zu der auch der Film Die freudlose Gasse gehört. 1925 gedreht, spielt der Film in einem völlig rekonstruierten Wien und ist ein hochdramatischer, von Armut erzählender Spielfilm mit für die damalige Zeit besonders gewagten Szenen – darunter die Szene einer Orgie – und mit deutlichen Bildbezügen. Der Film wurde sehr geschätzt und zeigte neben Krauss auch Asta Nielsen und eine sehr junge Greta Garbo.

Und wenn die Ästhetik im Kino von Georg Wilhelm Pabst schon immer eine große Rolle spielte, so war es ebenso wichtig, wie er die weiblichen Figuren dank intensiver Nahaufnahmen und dem Kontrast zwischen ihren eleganten Körpern und der Dekadenz der sie umgebenden Umgebung hervorhob. In diesem Zusammenhang können wir nicht umhin, an eine andere große Schauspielerin zu denken, die auch – und vor allem – dank ihm zu einem echten Star wurde: Louise Brooks. Der österreichische Filmemacher drehte mit ihr die Kultfilme Die Büchse der Pandora (1929) und Tagebuch einer Verlorenen (1930), und ihr schwarzer Bob und die Doppelbödigkeit ihrer Figuren machten sie zum Symbol der Femme fatale, die so scheinbar naiv, aber auch perfide und skrupellos ist. Eine perfekte Dichotomie zwischen dem Wunsch zu leben und der wahnsinnigen Eile in Richtung Tod.

Doch die Karriere von Pabst war nicht immer einfach. Wie viele seiner Kollegen zog er nach dem Aufkommen Hitlers in die Vereinigten Staaten, hatte aber Schwierigkeiten, sich an das System Hollywoods anzupassen und zog nach Frankreich, wo er die Filme Du haut en bas (1933), Mademoiselle Docteur (1936) und Le Drame de Shangai (1939) drehte, wobei er seinen einzigartigen Stil zwischen Ästhetik und Realismus beibehielt.

1939 entschied er sich, nach Deutschland zurückzukehren (obwohl dort noch eine Diktatur herrschte), und während diese zweideutige Haltung von ihm die Kritik vieler seiner Kollegen auf sich zog, begann er nach Kriegsende, gegen den Nationalsozialismus selbst zu wettern. So entstanden extrem dramatische Filme (darunter Komödianten – 1941 – Der letzte Akt und Es geschah am 20. Juli, beide von 1955), zusammen mit leichteren Werken.

Und wenn Georg Wilhelm Pabst in den letzten Jahren seiner Karriere vom Publikum und den Kritikern fast ignoriert wurde, können wir nicht umhin, das Verdienst dieses interessanten und umstrittenen Filmemachers – der am 29. Mai 1967 in Wien starb – anzuerkennen, wahre Meisterwerke der Kinogeschichte geschaffen zu haben, indem er einen ganz persönlichen Stil kreierte, der sich von dem inspirieren ließ, was in jenen Jahren in der übrigen Welt gemacht wurde, und alles auf originelle Weise neu bearbeitete.

Info: Die Seite von Georg Wilhelm Pabst auf iMDb