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SUPERWELT

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von Karl Markovics

Note: 7

Der Film Superwelt – das zweite Werk des Schauspielers und Regisseurs Karl Markovics – inszeniert ein mystisches Erlebnis und die Wiederentdeckung einer unwiederbringlich erloschen geglaubten Liebesbeziehung. Dabei will Markovics trotz der behandelten Themen keine bestimmte These aufstellen, sondern lässt dem Zuschauer einen großen Interpretationsspielraum.

Stimmen aus einer fernen Welt

2011 gewann der berühmte Schauspieler Karl Markovics mit dem Film Atmen – seinem ersten Spielfilm als Regisseur – die Gunst des Publikums und der Kritiker gleichermassen. Und so drehte er nach diesem Erfolg vier Jahre später Superwelt, seinen zweiten Spielfilm, der auf der 65. Berlinale in der Reihe Forum präsentiert wurde.

So inszeniert Markovics die singuläre Geschichte von Gabi (eine exzellente Ulrike Beimpold), einer Frau mittleren Alters, die als Kassiererin in einem großen Supermarkt arbeitet, Mutter zweier erwachsener Kinder (von denen eines, ein Militär, noch bei ihr lebt) und Ehefrau eines Mannes, der sie seit einiger Zeit vernachlässigt (Rainer Wöss). Eines Tages geschieht plötzlich etwas Unerklärliches und sie beginnt, seltsame Stimmen zu hören.

Eine Situation, die zweifellos schwierig zu inszenieren ist, ohne banale Klischees oder ein nicht überzeugendes Drehbuch zu verwenden. Doch Karl Markovics hat es geschafft, einen sehr mutigen, unvollkommenen, aber aufrichtigen Film zu drehen. Zweifelsohne einzigartig in seinem Genre.

Es ist kein Film, der von Anfang an überzeugt, Superwelt. Was zunächst auffällt, ist ein überbelichtetes Licht, das fast an ein Fernsehfilm denken lässt, und ein Regieansatz, der vor allem in den ersten Szenen zu ungeschickt wirkt. Doch bald ändert sich alles. Und im weiteren Verlauf der Inszenierung überrascht uns der Film immer wieder und zeigt uns schließlich all seine interessanten Ideen.

Entstanden aus Markovics‘ eigenem starken religiösen Glauben, inszeniert der Film Superwelt eine wahre mystische Erfahrung und die Wiederentdeckung einer Liebesbeziehung, die als unwiederbringlich vorbei galt. Und doch will Markovics trotz des Themas keine bestimmte These aufstellen, sondern lässt dem Zuschauer einen großen Interpretationsspielraum.

Und so finden wir sofort Parallelen zu seinem Debütfilm Atmen. Dieses erste Werk inszeniert durch das Thema des Todes die Wiederentdeckung des Lebens, und auch im Film Superwelt ist es das Leben selbst, das zur Hauptdarstellerin wird und mit all seinem Schwung, all seinem Licht, all seiner Freude hervortritt. Und die Hauptbesonderheit von Superwelt ist eben ein gut geschriebenes, nie prätentiöses Drehbuch, das intelligent mit den Empfindungen der Protagonistin und des Zuschauers spielt. Jede anfängliche Überzeugung wird ins Gegenteil verkehrt, alles bekommt langsam eine andere Bedeutung. Und plötzlich bekommen auch die Faktoren, die uns zunächst ratlos gemacht haben, einen vollen Sinn: Das überbelichtete Licht wird unmittelbar notwendig, die Aufmerksamkeit der Kamera für die Details und die kleinen alltäglichen Gesten der Protagonistin bekommt eine präzise Bedeutung. Und der Regisseur, ein großer Kenner der menschlichen Seele, zeigt uns sein ganzes Talent.

Superwelt, das fast vollständig in Hinterbrühl, zehn Kilometer von Wien entfernt, gedreht wurde, ist also ein kleiner, kostbarer Spielfilm, mit dem der Regisseur etwas sehr Persönliches inszenieren wollte. Ein Film, der zusammen mit dem vorherigen Film Atmen eine Hymne an das Leben ist.

Titel: Superwelt
Regie: Karl Markovics
Land/Jahr: Österreich / 2015
Laufzeit: 114’
Genre: Drama
Cast: Ulrike Beimpold, Nikolai Gemel, Simon Jaritz, Thomas Mraz, Angelika Strahser, Rainer Wöss, Kati Zambito
Buch: Karl Markovics
Kamera: Michael Bindlechner
Produktion: Epo-Film Produktionsgesellschaft

Info: Die Seite von Superwelt auf der Webseite der Austrian Film Commission; Die Seite von Superwelt auf iMDb