farben-des-stummfilms-cinema-austriaco

FARBEN DES STUMMFILMS

      Keine Kommentare zu FARBEN DES STUMMFILMS

This post is also available in: Italiano (Italienisch) English (Englisch)

Vielen wird aufgefallen sein, dass es bei manchen Stummfilmen oft vorkommt, dass der Film bestimmte Farbtöne annimmt. Dies geschah, sowohl in Frankreich als auch in den Vereinigten Staaten, bereits zu Beginn der 1900er Jahre, also nur wenige Jahre nach der Geburt des Kinematographen. Und in Österreich?

Buntes Schwarz und Weiß

Stummfilme üben auch heute noch ihren Reiz aus. Und während Schwarz-Weiß weiterhin verwendet wird, um jedes Werk zu verfeinern, haben viele bemerkt, wie in einigen Stummfilmen der Film oft bestimmte Farbtöne annimmt.

Dies geschah in Frankreich und den Vereinigten Staaten bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, nur wenige Jahre nach der Geburt der Filmkunst. Und in Österreich? Da in Österreich erst relativ spät mit der Produktion von Filmen begonnen wurde (und zwar 1908 mit Heinz Hanus‘ Film Von Stufe zu Stufe), wurden in den 1910er Jahren erstmals auch farbige Filme gedreht. Und doch geschah das Wunder. Und etwa ab Mitte der zwanziger Jahre wurden fast alle Filme auf ihre eigene Art und Weise koloriert. Wie wurde dieser Effekt erreicht?

Die Technik ist auch heute noch sehr faszinierend. Die Farbe wurde mit speziellen Anilinfarbstoffen (auf Wasser- oder Alkoholbasis) erzielt, die direkt auf dem Film aufgetragen wurden. Auf die gleiche Weise wurden die Filme in eine Art Gelatine getaucht: Ein echtes Farbbad. Dank dieser Technik war es möglich, jede beliebige Farbnuance zu erhalten, und außerdem schafften es die transparenten Teile der Filmfolie, gleichzeitig farblos zu bleiben.

Dies war ein großer Fortschritt im Vergleich zu einer ersten Technik, die eine manuelle Einfärbung erforderte. Nachdem man mit dieser neuen Art der Farbgewinnung experimentiert hatte, wurde die Technik immer raffinierter, auch dank der Verwendung spezieller Werkzeuge, die direkt auf den Film aufgetragen wurden und es erlaubten, nur bestimmte Figuren mit einer kleinen Rolle zu färben. Ein weiterer Fortschritt auf diesem Gebiet wurde erreicht, als Pathé (die berühmte französische Filmproduktionsfirma) es schaffte, mit diesen neuen Techniken etwa sechs Farbschattierungen zu erzeugen.

Die Farben selbst begannen bald, genaue Bedeutungen anzunehmen: Gelb wurde in Tagesszenen verwendet, Blau in Nachtszenen, Rot wurde hauptsächlich dann verwendet, wenn im Drehbuch ein Feuer geplant war. Besonders bezeichnend ist in diesem Zusammenhang der österreichische Spielfilm Der Sonnwendhof (1918), in dem in einer der Schlüsselszenen, der Szene eines Brandes, die Farbe des Films stark ins Rote umschlägt.

Doch angesichts der hohen Kosten solcher Behandlungen wurden Farben oft nur zu rein ästhetischen Zwecken verwendet. Ein Beispiel? Man denke nur an den Film Die Ahnfrau, der 1919 von Louise Kolm-Fleck und Jakob Fleck gedreht wurde und heute als einer der wichtigsten österreichischen Stummfilme gilt.

Und so gab es wenige Jahre vor dem Tonfilm auch aus rein fotografischer Sicht schon große Fortschritte. Und das alles macht die ferne Stummfilmzeit noch faszinierender, auch wenn die Erfindung von Technicolor damals noch in weiter Ferne lag. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bibliographie: Das tägliche Brennen: eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Elisabeth Büttner, Christian Dewald, Residenz Verlag
Info: Die Webseite vom Filmarchiv Austria