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1. APRIL 2000

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von Wolfgang Liebeneiner

Note: 7.5

Es ist nicht verwunderlich, dass der Spielfilm 1. April 2000 (eine unterhaltsame Fantasy-Politsatire unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner) genau 1952 (sieben Jahre nach dem Ende des Weltkrieges und nur drei Jahre vor dem österreichischen Staatsvertrag, der unter anderem die Neutralität Österreichs proklamierte) entstand.

Seltsame Gestalten in der Hofburg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Österreich bemüht, sich zu rehabilitieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Spielfilm 1. April 2000 im Jahr 1952 entstand (sieben Jahre nach Kriegsende und nur drei Jahre vor dem Österreichischen Staatsvertrag, der unter anderem die Neutralität Österreichs offiziell proklamierte).

Der Film gilt als etwas Einzigartiges und Außergewöhnliches innerhalb der österreichischen Kinematographie (die aus einer Zeit stammte, in der die Freiheit der Meinungsäußerung stark eingeschränkt war) und wird durch die Form der Fantasy-Politsatire zu einer Apologie für ein Land und seine Traditionen, die einen starken, sehr starken Wunsch offenbart, sich selbst zu erlösen.

Wolfgang Liebeneiner – einer der wenigen Filmemacher, die während der NS-Diktatur im Land blieben – wurde vor Georg Wilhelm Pabst und Willi Forst für die Regie ausgewählt.

Und so entstand 1. April 2000, einer der teuersten Spielfilme, die je in Österreich produziert wurden. Aber worum geht es konkret? Die bizarre Geschichte spielt an dem im Titel genannten Datum. Österreich steht seit 53 Jahren unter der Besatzung der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten, Frankreichs und Großbritanniens, aber der neu gewählte Präsident (ein hervorragender Josef Meinrad), will die Unabhängigkeit seiner Nation und fordert die Bürger auf, die Staatsbürgerschaftsurkunden der Besatzungsnationen zu zerreißen. Das gefällt aber der Global Union, dem Weltverteidigungskomitee, nicht, das mit seinen Raumschiffen in die Hofburg stürmt, angeführt von der strengen Präsidentin (Hilde Krahl), die vorschlägt, Österreich für immer von der Weltkarte zu tilgen und an dessen Stelle ein riesiges Freilichtmuseum zu errichten.

Dies ist also nur der Anfang einer Geschichte, die surreal und stark symbolisch für die ganze Nation ist. 1. April 2000 stellt sich nämlich fast wie ein Streich, ein Scherz dar, bei dem sich jeder von uns fragen muss, wo die Realität endet und die Fiktion beginnt. Und denkt man an das Setting im Kongresssaal der Hofburg, so fühlt man sich an Stanley Kubricks Meisterwerk Dr. Seltsam – Oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben (1964) erinnert. Und doch unterscheiden sich die beiden Filme trotz vieler Gemeinsamkeiten in ihrer finalen Botschaft: Kubricks Film konfrontiert uns mit einer hoffnungslosen Realität, während 1. April 2000 uns Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt. Und das nicht nur in Bezug auf Österreich.

Ein Film, der sich sowohl von den behandelten Themen als auch von der Inszenierung her wesentlich von dem unterscheidet, was in jenen Jahren in Österreich produziert wurde, wenn man bedenkt, dass hauptsächlich Kostümfilme oder Musikkomödien produziert wurden. So ist es nicht verwunderlich, dass die Wien Film viel auf ein Werk wie dieses gesetzt hat. Ein Film, an dem etwa zwanzigtausend Statisten mitgewirkt haben und der vor allem durch seine futuristischen Kostüme und die stimmungsvollen Global-Union-Raumschiffe, die die Straßen Wiens bevölkern, auffällt.

Der Rest ist reine Geschichte, die allerdings dank des Einbaus einer Zeitmaschine in das Drehbuch nicht allzu erschöpfend auf die Leinwand gebracht wurde. Es fehlt nicht an Momenten, in denen Kaiser Franz Joseph und seine Frau Elisabeth in die Gegenwart zurückkehren, aber auch an solchen, in denen die Wiener an Veranstaltungen teilnehmen oder einfach den Sommer beim traditionellen Heurigen in Grinzig genießen.

Je näher wir dem Ende kommen, desto redundanter scheint der Film 1. April 2000 zu sein. Und doch müssen wir dem Werk einen unbestrittenen historischen und künstlerischen Wert zuerkennen. Ein in seinem Genre fast einzigartiger österreichischer Film, in dem sich Science-Fiction mit kluger Ironie (und Selbstironie) und mit den lokalen Traditionen gut mischt. Ein wirklich willkommener Hauch von frischer Luft.

Titel: 1. April 2000
Regie: Wolfgang Liebeneiner
Land/Jahr: Österreich / 1952
Laufzeit: 101’
Genre: Satire-Film, Science-Fiction-Film, Filmkomödie
Cast: Hilde Krahl, Josef Meinrad, Waltraut Haas, Judith Holzmeister, Elisabeth Stemberger, Ulrich Bettac, Karl Ehmann, Peter Gerhard, Curd Jürgens, Robert Michal, Heinz Moog, Guido Wieland, Paul Hörbiger, Hans Moser, Pepi Glöckner-Kramer, Hans Ziegler, Marianne Schönauer, Alma Seidler, Hans Holt, Fritz Imhoff, Alfred Neugebauer, Leopold Rudolf, Fred Liewehr, Helmut Qualtinger
Buch: Rudolf Brunngraber, Ernst Marboe
Kamera: Sepp Ketterer, Karl Löb, Fritz Arno Wagner
Produktion: Wien Film

Info: Die Seite von 1. April 2000 auf iMDb