nordwand-2008-stoelzl-kritik

NORDWAND

      Keine Kommentare zu NORDWAND

This post is also available in: Italiano (Italienisch)

von Philipp Stölzl

Note: 5

Der Film Nordwand, eine Koproduktion zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz unter der Regie des deutschen Regisseurs Philipp Stölzl, verpasst es, interessante Aspekte auszuschöpfen. Das Endergebnis ist ein zu flacher Spielfilm, der fast wie ein Fernsehfilm wirkt.

An den Hängen des Mount Eiger

Zwei Freunde. Eine große Leidenschaft für das Bergsteigen. Einer der blutigsten Kriege der Geschichte und die Olympischen Spiele. Eine große Freundschaft. Eine große Liebe. Eine wahre Geschichte. Inwieweit bedeutet ein bestimmter Realitätsbezug gute Qualität in einem Film? Es hängt alles davon ab, wie der Film inszeniert wird. Und im Falle des Spielfilms Nordwand, der 2008 in einer deutsch-österreichisch-schweizerischen Koproduktion unter der Regie des deutschen Regisseurs Philipp Stölzl entstand, bleibt das Endergebnis trotz einiger interessanter Ideen leider hinter den Erwartungen zurück.

Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte von realen Ereignissen inspiriert. Wir sind in Deutschland, im Jahr 1936. Toni Kurz (Benno Fürmann) und Andi Hinterstoisser (Florian Lukas) haben schon immer davon geträumt, die Eiger-Nordwand zu besteigen, auch wenn zwei ihrer Bekannten bei dem Versuch ums Leben kamen. Doch während der Olympischen Spiele scheint sich endlich die Gelegenheit zu bieten. Viele werden diese gefährliche Herausforderung (an der auch die Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer teilnehmen werden) verfolgen. Unter den Zuschauern ist auch Luise (Johanna Wokalek), eine Jugendfreundin der beiden Männer und Tonis ehemalige Freundin, die jetzt als Reporterin bei einer Berliner Zeitung arbeitet.

Alles scheint einen spannenden Abenteuerfilm zu versprechen. Oder doch? Nach dem Gewinn des Oscars für den besten internationalen Film (dank Stefan Ruzowitzkys Die Fälscher, aus dem Jahr 2007) konnte Österreich einige weitere Spielfilme ins Ausland exportieren. Dies ist also auch der Fall von Nordwand. Doch obwohl die Geschichte sicherlich interessant ist, hat Stölzl ein Klischee nach dem anderen inszeniert. Genauso wie es Regisseur Baltasar Kormakur kürzlich in seinem Film Everest.

Dieser Spielfilm entspricht nämlich ganz dem Kanon eines billigen Fernsehfilms. Der Regisseur hat alle guten Gelegenheiten nicht genutzt und aus seinem Nordwand einen flachen Spielfilm gemacht. Einige Bildunterschriften informieren uns ständig über Daten und Zeiten und schaffen es, eine gewisse Spannung zu nähren, die jedoch nie ihre kathartische und notwendige Erfüllung findet. Außer bei Aufnahmen von steilen Klippen und gefährlichen Abgründen.

Was weniger überzeugt, ist die Liebesgeschichte zwischen Toni und der schönen Journalistin Luise: Eine Liebe, die nie ganz verwirklicht wird, gipfelt in einer peinlichen Szene, in der das Mädchen ihrem Geliebten mit einem Team von Rettern zu Hilfe eilt. In diesem Moment ruft die Frau Toni rührseligen Sätze zur Ermutigung zu. Mit einer Menge kitschiger Musik im Hintergrund. Durch diese überbetonte Dramatik verliert das ganze Werk an Glaubwürdigkeit, bis zu dem Punkt, dass der Zuschauer es kaum erwarten kann, zum Ende der Geschichte zu kommen.

Der Rest ist bereits bekannt (und für diejenigen, die die Geschichte noch nicht kennen, wird sie hier sowieso nicht erwähnt). Tatsache ist, dass sich Nordwand als ein kitschiger und extrem nationalistischer Spielfilm entpuppt. Ein Film, der unweigerlich den vielen, zu vielen rührseligen Filmen ähnelt, die jedes Jahr produziert werden. Schade.

Titel: Nordwand
Regie: Philipp Stölzl
Land/Jahr: Deutschland, Österreich, Schweiz / 2008
Laufzeit: 126’
Genre: Abenteuerfilm, Filmbiografie, Drama, Sportfilm
Cast: Benno Fürmann, Johanna Wokalek, Florian Lukas, Simon Schwarz, Georg Friedrich, Ulrich Tukur, Erwin Steinhauer, Branko Samarovski, Petra Morzé
Buch: Christoph Silber, Philipp Stölzl, Rupert Henning, Johannes Naber
Kamera: Kolja Brandt
Produktion: Dor Film-West Produktionsgesellschaft, Majestic Filmproduktion, Lunaris Film

Info: Die Seite von Nordwand auf iMDb