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SAMSON UND DELILA

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von Alexander Korda

Note: 6.5

Eine der produktivsten Perioden der österreichischen Kinematographie sind gerade die 1920er Jahre. Tatsächlich wurden in dieser Zeit in Italien und Österreich hauptsächlich Bibelfilme oder Epos-Filme produziert. Dies gilt für den Film Samson und Delila, der 1922 von dem Ungarn Alexander Korda inszeniert wurde, ebenso wie für den sehr berühmten Sodhom und Gomorrah (Michael Curtiz, 1921).

Von der Bibel bis in die zwanziger Jahre

Die von Ernst Marischka inszenierte Trilogie, die 1955 mit dem Film Sissi begann, war ein einzigartiger Erfolg in der Geschichte des österreichischen Films. Doch eine der produktivsten Perioden der erwähnten Kinematographie sind die zwanziger Jahre. In dieser Zeit wurden in Italien und Österreich hauptsächlich Bibelfilme oder Epos-Filme produziert. Das gilt zum Beispiel für den Film Samson und Delila, den der Ungar Alexander Korda 1922 inszenierte, ebenso wie für den sehr berühmten Sodhom und Gomorrah (Michael Curtiz, 1921).

Vorläufer einer langen Reihe von Spielfilmen, die sich um dieselben biblischen Episoden drehen, stellen die Filme Samson und Delila und Sodhom und Gomorrah die größten österreichischen Erfolge des frühen 20. Jahrhunderts dar und waren auch im Ausland ganz erfolgreich.

In Kordas Spielfilm wechselt sich die Episode um die Geschichte von Samson und Delila mit einer Parallelgeschichte ab, die in der zeitgenössischen Welt des Spektakels spielt: Die charmante Opernsängerin Julia Sorel (gespielt von Maria Corda, der Ehefrau des Regisseurs) ist dabei, die Figur der Delilah im Theater zu spielen. Die Frau wird von dem charmanten Prinzen Andrej Andrewiwitsch (Franz Herterich) und von einem geheimnisvollen jungen Mann (Alfredo Boccolini) umworben. Zentrales Thema: die Rolle der Frau und ihre außerordentliche Macht über jeden, der die Möglichkeit hat, mit ihr umzugehen.

Diese Interpretation kann natürlich auch in der heutigen Zeit kontextualisiert werden. Alles ist sehr interessant, aber der Film Samson und Delila hat auch einige Probleme. Die ursprüngliche Geschichte zum Beispiel ist zu inkonsistent in der Struktur und manchmal nicht sehr glaubwürdig. Und das haben sogar einige Kritiker der damaligen Zeit bemerkt. Doch trotz allem war das damalige Publikum verrückt nach diesem Film.

Trotz seiner Fehler hat dieser Spielfilm tatsächlich auch einige interessante Ideen. Nur zwei Jahre zuvor hatte Robert Wiene in Deutschland den Film Das Cabinet des Dr. Caligari gedreht und damit eine der grundlegenden Etappen des deutschen Expressionismus markiert. Diese wichtige künstlerische Bewegung war auch in Österreich erfolgreich, wobei gleichzeitig auch Italien die österreichischen Filmemacher auf seine Weise beeinflusste. Was die Außenszenen von Samson und Delila betrifft, so fühlen wir uns tatsächlich an die imposanten Bühnenbilder von Cabiria von Giovanni Pastrone (1915) erinnert. Und das gilt auch für die Statisten (auch hier sehr zahlreich).

Eines der interessantesten Elemente dieses Werks von Korda sind die Kostüme von Delila: Schelmisch, verführerisch, entworfen, um die perfekte Silhouette der Figur zu betonen, erinnern sie zweifellos an die Abendkleider, die in den zwanziger Jahren in Mode waren, als ob sie die Parallelen zur heutigen Zeit noch weiter betonen würden. Und sie erwecken eine andere Delila zum Leben, als wir sie uns alle vorstellen können.

Maria Corda ist perfekt in der Rolle der verführerischen Delila: Ihre grobe Gestik und ihre Posen vermitteln perfekt die Idee ihrer Doppelnatur und erinnern auch an die Gestik der unvergesslichen Brigitte Helm in Fritz Langs Meisterwerk Metropolis (1926). Was wäre, wenn die deutsche Schauspielerin von Maria Corda selbst inspiriert worden wäre? Die Sache ist, trotz des Mangels an Beweisen, nicht auszuschließen.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Die Spielfilme Samson und Delila und Sodhom und Gomorrah wurden von zwei verschiedenen Produktionsfirmen finanziert, die in starker Konkurrenz zueinander standen. Curtiz‘ Film wurde von Sascha Film produziert, Samson und Delila von der Vita Film, die 1919 von der Filmpionierin Louise Kolm-Fleck (Die Ahnfrau – 1919 – Liebelei – 1927 – und Das Recht auf Liebe – 1930) gegründet worden war. Ist es also nur ein Zufall, dass zwei so wichtige Werke im selben Jahr entstanden sind?

Titel: Samson und Delila
Regie: Alexander Korda
Land/Jahr: Österreich / 1922
Laufzeit: 88’
Genre: Epos-Film, Bibelfilm, Abenteuerfilm, Liebesfilm
Cast: Maria Corda, Franz Herterich, Ernst Arndt, Oskar Hugelmann, Alfredo Boccolini, Franz Hauenstein, Paul Lukas
Buch: Alexander Korda, Ernest Vajda
Kamera: Nicolas Farkas
Produktion: Vita Film, Corda Film Consortium

Info: Die Seite und Samson und Delila auf iMDb