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MEINE LIEDER, MEINE TRÄUME – ÖSTERREICH VOR DEM ANSCHLUSS

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von Robert Wise

Die Liebe, die Georg von Trapp für seine wunderschöne Heimat empfand, wird in Meine Lieder, meine Träume durch die kompetente Regie von Robert Wise dank stimmungsvoller Panoramaaufnahmen und gelungener Totalen der österreichischen Berge gut wiedergegeben. Als Mehrwert gewannen der Ländlertanz und die Salzburger Festspiele gleichermaßen die Herzen des Publikums.

Unsterbliche Lieder

Es ist nicht verwunderlich, dass der Spielfilm Meine Lieder, meine Träume schnell zum Kultfilm und zu einem der beliebtesten Musicals der Filmgeschichte wurde. Das ist nicht verwunderlich, denn der Regisseur Robert Wise hat in seiner langen und produktiven Karriere jedes Mal echte Meisterwerke geschaffen.

. Wenn wir aber im Bereich der Musicals bleiben wollen, hatte der amerikanische Regisseur bereits 1962 – zusammen mit seinem Kollegen Jerome Robbins – den unvergesslichen Film West Side Story gedreht, der ebenfalls auf seine Weise in die Geschichte eingehen sollte. Nach einem solchen Erfolg drehte er 1965 Meine Lieder, meine Träume: Die Geschichte einer Salzburger Sängerfamilie, die Trapp Family Singers, dargestellt in dem autobiographischen Roman Die Trapp-Familie von Maria Augusta Trapp, hatte ihn und zuvor auch die KG Divina-Film so fasziniert, dass sie eine Verfilmung anstrebten.

Als Neuverfilmung des deutschen Spielfilms Die Trapp-Familie (1956 unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner, 1958 gefolgt von Die Trapp-Familie in Amerika) beeindruckt dieser wichtige Film nicht nur durch die fesselnde Geschichte einer jungen Novizin (Maria, gespielt von Julie Andrews), die als Gouvernante für die sieben Kinder eines kürzlich verwitweten Marinekapitäns (Christopher Plummer) eingesetzt wird – sondern auch wegen des interessanten Blicks auf Österreich – und speziell auf die faszinierende Landschaft nahe der Stadt Salzburg.

In der Zeit vor dem Anschluss (1938) angesiedelt, hat Meine Lieder, meine Träume zum Inhalt die wahrhaft große Liebe zu einer Nation seitens derer, die bereits blutige Schlachten für sie geschlagen haben und sich wegen ihr und ihres Schicksals in der schwierigen Lage befinden, sich zwischen militärischen Verpflichtungen und einer Lebenswahl entscheiden zu müssen, die eher den eigenen Moralvorstellungen entspricht. Und genau das erlebt Kapitän Georg von Trapp.

Die Liebe von Georg von Trapp zu seinem wunderschönen Land wird von Robert Wises kompetenter Regie dank stimmungsvoller Panoramaaufnahmen und Totalen auf die österreichischen Berge gut wiedergegeben (noch heute werden in Salzburg immer wieder Führungen zu den Seen rund um die Drehorte organisiert). Wichtige österreichische Folkloretraditionen sind hier lebendig, wie zum Beispiel die symmetrische Tanzchoreographie des berühmten Ländlertanzes (unvergesslich ist die Szene, in der Maria und Georg während eines Festes miteinander tanzen) oder die Salzburger Festspiele selbst.

Österreich ist in diesem Film immer voller Leben und voller interessanter Reize, aber es ist unweigerlich dabei, eine der dunkelsten Perioden der Geschichte zu durchlaufen. Es ist interessant, wie es dem Regisseur gelungen ist, die Romanhandlung von Maria Augusta Trapp und vor allem das Empfinden und Erleben der Zeitzeugen bestmöglich zu inszenieren. Sein Film Meine Lieder, meine Träume beschäftigt sich zwar mit der österreichischen Kultur, hat aber gleichzeitig eine universelle Konnotation. Es ist eine immer aktuelle Geschichte, die wir alle auf die eine oder andere Weise kennen.

Und ein so großer Erfolg liegt sicher auch an den jungen Co-Protagonisten (die Kinder des Kommandanten von Trapp), jeder mit einer eigenen, gut ausgeprägten Persönlichkeit, mit der wir uns alle identifizierten oder – warum auch nicht – in die wir auch verknallt waren, sowie an der eingängigen Musik von Rodgers & Hammerstein.

Ein Film, der uns alle in unserer Kindheit und Jugend begleitet hat und der uns immer in Erinnerung bleiben wird. Genau wie der Titel des autobiografischen Romans der Schauspielerin Charmian Carr (die im Film die Rolle der Liesl, der ältesten Tochter, spielte) andeutet: Forever Liesl.

Titel: The Sound of Music
Regie: Robert Wise
Land/Jahr: USA / 1965
Laufzeit: 172’
Genre: Musikfilm, Drama, Filmkomödie
Cast: Julie Andrews, Christopher Plummer, Charmian Carr, Nicholas Hammond, Heather Menzies, Duane Chase, Angela Cartwright, Debbie Turner, Kym Karath, Eleanor Parker, Richard Haydn
Buch: Ernest Lehman
Kamera: Ted D. McCord
Produktion: Robert Wise Productions, Argyle Enterprises

Info: Die Seite von Meine Lieder, meine Träume auf Imdb