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KARL JUHASZ – DIE 3D KINOS DER 10ER JAHRE

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Wer war eigentlich Karl Juhasz? Der heute meist vergessene Name war zu seiner Zeit der Erfinder der so genannten 3D-Kinos der 10er Jahre (auch wenn es sich dabei nicht um 3D handelte, wie wir es heute zu verstehen gewohnt sind), zu einer Zeit, als man in Österreich nicht selbst Filme produzierte, sondern das importierte, was zuvor im Ausland gedreht worden war.

Zauberhafte Visionen

In einer Zeit, in der die Kinos durch das Aufkommen von Internet und Streaming-Plattformen in einer schweren Krise stecken, müssen wir einen kurzen Schritt zurück in die Vergangenheit machen, um zu sehen, was geschah, als nach der Erfindung des Kinematographen alles getan wurde, um das Erlebnis, Filme im Kino zu sehen, zu verbessern. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang in Österreich die Figur des Karl Juhasz, der zu einer Zeit, als man im eigenen Lande nicht direkt Filme produzierte, sondern das importierte, was zuvor im Ausland hergestellt worden war, alles dafür tat, dass die Kinos dem Zuschauer die bestmöglichen Sehbedingungen garantieren konnten. Auch mit extrem innovativen Techniken.

Aber wer war eigentlich Karl Juhasz? Von den meisten vergessen, war er der Erfinder des sogenannten 3D-Kinos der 10er Jahre (auch wenn es natürlich kein 3D ist, wie wir es uns heute vorzustellen gewohnt sind). Karl Juhasz wurde am 13. Oktober 1868 in Wien geboren und zeigte schon in jungen Jahren ein starkes Interesse an Zaubershows und illusionistischen Tricks. Bereits mit 22 Jahren begann er auf dem Messestand von Auguste Schaaf kleine Vorführungen mit seinem optischen Theater zu veranstalten, während er sich ab 1896 (als das Kino noch kein Jahr zuvor erfunden worden war) auf dem Pavillon von Josef Stiller im Prater für die sogenannten „lebenden Fotografien“ interessierte. Von diesem Moment an ging es mit seiner Karriere (fast nur noch) bergauf: 1899 kaufte er zum ersten Mal eine Maschine für kinematographische Projektionen und begann in Zusammenarbeit mit dem Alhambra-Theater eine Reihe von Reisen, die darauf abzielten, den Kinematographen auch jenen zugänglich zu machen, die weit entfernt von den großen Städten lebten. Seine Veranstaltungen, die er zusammen mit Jakob Feigl organisierte, kombinierten Filmprojektionen mit Varieté und fanden hauptsächlich in Mödling und Baden statt.

Seine persönlichen Erfolge erlitten jedoch einen Rückschlag im Jahr 1900, dem Jahr, in dem Karl Juhasz während einer Tournee in Galizien, nachdem er viel mehr ausgegeben als verdient hatte, gezwungen war, seine Maschinen zu verkaufen und in den Wiener Prater und den Pavillon von Josef Stiller zurückzukehren, bevor er mit seiner Frau abreiste, um in Deutschland, Bosnien und schließlich in Kroatien als Wahrsager zu arbeiten. Hier, in Dubrovnik, erhielt er von den Gebrüdern Pathé (neben Gaumont einer der größten Filmverleiher in Frankreich) Farbfilme (die meisten waren sogar handkoloriert) und neuartige, für die Filmprojektion geeignete Maschinen als Geschenk. Seine Lust auf Filme war sofort geweckt.

Kurze Zeit später arbeitete er wieder mit dem Alhambra-Theater zusammen und organisierte mit seinem Wanderkino, das sich bald in Wiener Neustadt etablierte, immer wieder neue Projektionen. Diese Zusammenarbeit endete 1909, als Karl Juhasz die Leitung des Alhambra an Julius Schor übergab und sich ausschließlich seinem persönlichen Wanderkino widmete, das ab 1907 mit speziellen Tonanlagen – den so genannten „Biophonen“ – ausgestattet war, die die Akustik im Raum verbessern sollten. Die Zahl der Kinos und die Qualität der Projektionen nahmen jedoch zu und Karl Juhasz erkannte, dass ein stabiles Kino die beste Lösung sein könnte. Bevor es jedoch dazu kam, geschah etwas sehr, sehr Wichtiges.

Am 23. Juni 1911 präsentierte Karl Juhasz, der seit Jahren mit neuen Formen der kinematographischen Filmvorführung experimentierte, ein Patent für ein 3D-Kino, in dem dank der Verwendung von Anaglyphen, speziellen Brillen mit komplementärfarbigen Gläsern, sowie einer präzisen Aufstellung des Projektors im Theater der Eindruck entstehen konnte, dass die auf die Leinwand projizierten Bilder tatsächlich dreidimensional waren. Diese Erfindung war sofort ein großer Erfolg. Und wenn man zu all dem noch ein besonderes akustisches System hinzufügt, das eine exzellente Wiedergabe der Orchesterbegleitung ermöglichte, hatten diejenigen, die eine von Juhasz‘ Projektionen besuchten, sicherlich die Möglichkeit, etwas Märchenhaftes zu erleben. Der Erfolg dieser Erfindung war in ganz Österreich einzigartig, die Zuschauer kamen zu Tausenden und auch die Presse war wohlwollend beeindruckt.

Und auch wenn sich heute nur noch wenige Menschen an diese wichtige Periode der österreichischen Filmgeschichte erinnern, war alles so erfolgreich, dass viele das Patent kaufen wollten, um diese innovative Technik zu perfektionieren. Der Rest ist Geschichte. Obwohl es in den 10er Jahren in Österreich sehr erfolgreich war, wurde 3D aufgrund der hohen Kosten nach kurzer Zeit wieder zurückgestellt und erst in den 50er Jahren mit neuen Instrumenten wieder in Betracht gezogen. Erst ein paar Jahrzehnte später wurden tatsächlich Filme produziert, die für eine echte 3D-Umsetzung konzipiert waren (was heute in der Welt der siebten Kunst sehr üblich ist).

Was war aber mit Karl Juhasz? Was war sein Schicksal? Bereichert durch den Erfolg seiner Erfindung und nachdem er Ehrenpräsident der Wiener Kinobesitzer geworden war, konnte er schließlich sein eigenes ständiges Kino, die Mödlinger Bühne, in Mödling eröffnen, wo er am 4. November 1940 starb.

Bibliographie: Das tägliche Brennen: eine Geschichte des österreichischen Films von den Anfängen bis 1945, Elisabeth Büttner, Christian Dewald, Residenz Verlag
Info: Tangible Specters: 3D Cinema in the 1910s