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ROMY SCHNEIDER – WEIT WEG VON ÖSTERREICH, WEIT WEG VON SISSI

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Internationale Bekanntheit erlangte die unvergessliche Romy Schneider mit der Trilogie um die Prinzessin Sissi (Regie: Ernst Marischka). Doch die Schauspielerin bemühte sich in ihrem kurzen Leben sehr, dass man sie nicht mit Elisabeth von Österreich identifizierte.

Die traurige Prinzessin

Eines der berühmtesten und außerordentlich schönen Gesichter des französischen Films der sechziger/siebziger/achtziger Jahre: Romy Schneider. Wer kennt sie nicht, die talentierte Schauspielerin mit den ausdrucksstarken, aber auch extrem traurigen Augen? Die am 23. September 1938 in Wien geborene Frau bemühte sich in ihrem kurzen Leben, sich von den Spielfilmen zu distanzieren, in denen sie in ihrer Heimat gespielt hatte und die sie aber zu einem internationalen Star machten. Die Schauspielerin (väterlicherseits Österreicherin, mütterlicherseits Deutsche, aber durch Adoption Französin) erlangte dank der berühmten Trilogie, die mit dem Spielfilm Sissi (Ernst Marischka, 1955) begann, einen solchen Ruhm, dass sie fast zum Symbol eines goldenen Zeitalters des österreichischen Films wurde. Doch während ihrer brillanten Karriere hat sie immer darunter gelitten, dass sie vor allem durch die erwähnten Spielfilme in Erinnerung geblieben ist.

Alles begann also 1953, als das Mädchen (geboren als Rosemarie Magdalena Albach-Retty) – unter der Aufsicht ihrer Mutter Magda Schneider, ebenfalls Schauspielerin – in dem Film Wenn der weiße Flieder wieder blüht mitspielte, bei dem der Deutsche Hans Deppe Regie führte und in dem ihre eigene Mutter die Hauptrolle spielte. Genau ein Jahr später wurde dann Ernst Marischka auf sie aufmerksam und besetzte sie zunächst für Mädchenjahre einer Königin (1954) und später für die oben erwähnte Trilogie, die der Prinzessin Sissi gewidmet war.

Ein glänzender Anfang: Romy Schneider war vom ersten Auftritt an dazu bestimmt, sich in die Herzen des Publikums zu spielen. Ihre Mutter Magda hingegen war immer davon überzeugt, dass nur sie (im Gegensatz zu Romys Vater, Wolf Albach-Retty, ebenfalls Schauspieler) entscheiden konnte, was das Beste für ihre Tochter war. Aber indem sie sich wie eine beschützende Mutter verhielt, hat sie das Leben ihrer Tochter wahrscheinlich irreparabel beeinflusst. Sogar als Romy Österreich für immer verließ und Frankreich zu ihrer Wahlheimat machte.

Diese Loslösung, dieses Durchtrennen der Nabelschnur, fand also in dem Moment statt, als Magda ihrer Tochter die Erlaubnis gab, in dem Film Christine (Pierre Gaspard-Huit, 1958) mitzuspielen. Bei dieser Gelegenheit lernte Romy Alain Delon – Co-Star des Films – kennen. Mit ihm begann sie eine Amour fou und zog sofort nach Paris.

Ja, ihr geliebtes Paris. Doch die Ville Lumière hat es trotz allem nie geschafft, sie endgültig glücklich zu machen. Trotz einer beneidenswerten Karriere, trotz ihrer Zusammenarbeit mit Filmemachern vom Kaliber eines Luchino Visconti (in Boccaccio ’70 und Ludwig II., in dem sie erneut die Rolle der Elisabeth von Österreich spielte), Orson Welles (in Der Prozess, 1962) oder Jacques Deray (in Der Swimmingpool, in dem auch Alain Delon die Hauptrolle spielte), war das Leben der Schauspielerin ständig von zahlreichen Missgeschicken geprägt.

Angefangen hat alles wohl 1964, als Romy Schneider von Delon verlassen wurde. Vielen Quellen zufolge erlebte die Schauspielerin nach der Trennung eine lange Phase der Depression, von der sie sich nie ganz erholte. Auch nicht nach der Geburt ihres Sohnes David, der aus ihrer Ehe mit dem deutschen Schauspieler Harry Mayen hervorging, oder ihrer Tochter Sara Magdalena (geboren 1977, Tochter von Daniel Biasini und später ebenfalls Schauspielerin). Der ständige Missbrauch von Alkohol und Beruhigungsmitteln hatte Romys Leben unweigerlich gezeichnet.

Und so wurde die weltbekannte und beliebte Romy Schneider sofort als „die traurige Prinzessin“ tituliert. Ja, die traurige Prinzessin. Genau wie die Sissi, die sie einige Jahre zuvor gespielt hatte. Die Rolle der Kaiserin von Österreich schien daher wie geschaffen für sie.

In den folgenden Jahren wurde sie von vielen um weitere Erklärungen zu ihrer Teilnahme an der erfolgreichen Marischka-Trilogie gebeten. Genauso viele erhielten aber auch unhöfliche oder stark irritierte Antworten. Der Einzige, der ihr Unbehagen voll und ganz verstand, war der Schauspieler Karlheinz Böhm, der in Marischkas Filmen die Rolle des Kaisers Franz Joseph spielte und der zeitlebens Romys Freund blieb. Die Schauspielerin vertraute ihm nur an, dass sie gegen einen vierten Film der Saga gewesen sei.

Ein weltweiter Erfolg war ihr also nicht vergönnt, ebenso wenig wie die drei César Awards, die sie gewann (den ersten 1975 für Andrzej Zulawskis Nachtblende, den zweiten 1979 für Claude Sautets Eine einfache Geschichte und den dritten, posthum, 2008). Ihre ständige Angst, es nicht alleine zu schaffen und ihre starke Zerbrechlichkeit trieben sie in den Verfall. Ihr endgültiger Zusammenbruch begann 1981, als die Schauspielerin zunächst an einem gutartigen Nierentumor operiert wurde und dann die größte Tragödie ihres Lebens erlebte: Den Tod ihres Sohnes David, der beim Klettern über das Tor des Hauses seiner Großeltern starb. Von diesem Missgeschick erholte sich Romy Schneider nie. Und in der Nacht des 29. Mai 1982 starb sie vorzeitig an einem Herzinfarkt (der wahrscheinlich durch einen Missbrauch von Barbituraten verursacht wurde). Ihr letzter Film war gerade erschienen: Die Spaziergängerin von Sans-Souci (Jacques Rouffio, 1981). Ihr lächelndes Gesicht wurde uns ein letztes Mal durch die Fotografien von Robert Lebeck, die im Kurort Quiberon aufgenommen wurden, gezeigt. Hier verbrachte die Schauspielerin wahrscheinlich ihre letzten glücklichen Tage vor der großen Tragödie und versuchte noch einmal zu vergessen, dass sie Prinzessin Sissi gewesen war.

Info: Die Seite von Romy Schneider auf Imdb