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HEIDI

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von Werner Jacobs

Note: 7

Heidi von Werner Jacobs ist ein angenehmes und stark vereinfachtes Märchen, wenn man an Johanna Spyris Roman denkt. Ein für ein junges und sehr junges Publikum konzipierter Spielfilm, in dem es nie echte böse Menschen gibt. Jede Figur wird von persönlichen Zielen motiviert, die am Ende des Films wohlwollend begründet werden.

In den Schweizer Bergen

Siebenundzwanzig Film- und Fernsehverfilmungen (inklusive Zeichentrickserien) des Erfolgsromans Heidi von Johanna Spyri (1880) sind von 1920 bis 2017 entstanden. Und auch Österreich wollte einen eigenen Beitrag leisten. Tatsächlich wurde 1965 der Spielfilm Heidi gedreht. Regie führte der Deutsche Werner Jacobs, der sich besonders für die Inszenierung von Musicals, Liebeskomödien und Melodramen eignete. Dieses Werk ist sein wichtigstes Projekt, wenn es darum geht, Spielfilme für Kinder zu machen.

Ein Projekt, das aus der Idee entstanden ist, eine Neuverfilmung des Films Heidi zu machen, der 1952 von Luigi Comencini gedreht wurde. Ein Projekt, auf das die Sascha-Verleih von Anfang an viel gesetzt hat. Angefangen bei der Besetzung, in der vor allem der Deutsche Gustav Knuth (dem breiten Publikum vor allem durch seine Rolle als Vater der jungen Elisabeth von Österreich in der erfolgreichen Filmsaga, die mit dem Film Sissi 1955 begann, bekannt), Margot Trooger (in der Rolle des strengen Fräuleins Rottenmeier) und Lotte Ledl (in der Rolle der Tante Dete) herausragen. Eva Maria Singhammer hingegen spielte Heidi und war perfekt für die Rolle des blonden und lebhaften Bergbauernmädchens, auch wenn sie im Erwachsenenalter nicht mehr als Schauspielerin gearbeitet hat.

Die inszenierte Geschichte (wenn auch mit kleinen Änderungen oder einigen Auslassungen) ist die, die wir alle kennen: Die junge Heidi wird nach dem Tod ihrer Eltern zunächst ihrer Tante Dete anvertraut, dann ihrem Großvater väterlicherseits, einem mürrischen und introvertierten Mann, der in einer abgelegenen Hütte auf einem Berg lebt und bei dem das Mädchen schließlich sein Glück finden wird. Das ändert sich, als ihre Tante, die in Frankfurt eine Stelle als Köchin bei einer wohlhabenden Familie gefunden hat, beschließt, Heidi mitzunehmen. Das Mädchen muss als Begleiterin der jungen Klara fungieren, Tochter des Hausherrn und aufgrund einer schlimmen Krankheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine tiefe Freundschaft, doch die Sehnsucht nach den Bergen wird von Tag zu Tag stärker.

Heidi von Werner Jacobs ist ein angenehmes und stark vereinfachtes Märchen, wenn man an den Roman von Johanna Spyri denkt. Ein Film, der für ein junges und sehr junges Publikum konzipiert ist und in dem es nie echte böse Menschen gibt. Jeder Charakter wird von persönlichen Zielen motiviert, die am Ende der Vision wohlvollend begründet werden. Das gilt zum Beispiel für Tante Dete, die Heidi zunächst mit einer Täuschung mitnimmt, ebenso wie für das strenge Fräulein Rottenmeier, das der jungen Protagonistin gegenüber bald liebevoller wird.

Dass dieses Werk fast nur für ein junges Publikum konzipiert wurde, erkennt man (auch) daran, dass die Problematik des Analphabetismus in Kleinstädten und auf dem Lande sowie die plötzliche Entwicklung großer Industriezentren anders als im Roman nicht thematisiert wird. Die süße Heidi wird uns als der Engel vorgestellt, der der jungen Klara das Leben rettet, als das kleine Maskottchen der Berge, das bei jedem, der die Gelegenheit hat, ihr zu begegnen, Sympathien weckt. Nicht mehr und nicht weniger.

Neben verzeihlichen und seltsamen „Naivitäten“ – wie dem Satz, den der Großvater bei einem Besuch im Dorf ausspricht („Das sind Frauen, lassen wir sie reden, denn Hühner können das nicht“) – gibt es auch ungewöhnliche und anachronistische Elemente, wie die schwarze Puppe, die Heidi vom Vater ihrer Freundin Klara bekommt. Ein Element, das eine gewisse Lebendigkeit der Absicht und den Wunsch nach neuen Sichtweisen offenbart. Und bei einem so einfachen und ehrlichen Spielfilm wie dem vorliegenden ist das alles ein echter Mehrwert.

Titel: Heidi
Regie: Werner Jacobs
Land/Jahr: Österreich, Deutschland / 1965
Laufzeit: 110’
Genre: Family, Drama
Cast: Eva Maria Singhammer, Gustav Knuth, Jan Koester, Lotte Ledl, Michaela May, Margot Trooger, Ernst Schröder, Rudolf Vogel, Margarete Haagen
Buch: Johanna Spyri, Michel Haller
Kamera: Richard Angst
Produktion: Sascha-Verleih

Info: Die Seite von Heidi auf MyMovies